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Ältester Stadtplan der Welt

Aus der Hilprecht-Sammlung
Der Stadtplan von Nippur, Mitte bzw. zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.

Uni Jena Hilprecht Slg. Stadtplan von Nippur 
(Foto Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients, Lehrstuhl Altorientalistik)


Ton
Mitte bzw. zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.
21,5x17x4,3 cm
InvNr. HS 197


Der Stadtplan von Nippur ist vom 21. Juni bis zum 30. September 2012 in der Sonderausstellung: "Jenseits des Horizonts. Raum und Wissen in den Kulturen der Alten Welt" in Berlin zu sehen

Seit der berühmte amerikanische Sumerologe Samuel Noah Kramer die im ca. 180 km südlich von Baghdad gelegenen Ruinenhügel Nuffar gefundene Tontafel mit einem Plan des Stadtgebiets des einstigen Nippur in der Jenaer Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer wieder entdeckt und zusammen mit Inez Bernhardt,1 der seinerzeitigen Kustodin der Sammlung, veröffentlicht hat, ist das Objekt, das die Inventarnummer HS 197 trägt, zahllose Male abgebildet worden.[…]
Über die Fundumstände schreibt Hilprecht, dass die Tafel zusammen mit weiteren Exemplaren aus verschiedenen Zeiten - etwa 20 Stück - in einem Tongefäß gefunden worden sei.4 Ob diese Aussage richtig ist, lässt sich nicht nachprüfen, ebenso wenig ist gesichert, dass der Fund tatsächlich, wie Hilprecht behauptet, am 1. März 1900 - dem Tag seiner Ankunft auf der Grabung - erfolgte.[…] Sicher dürfte nur sein, dass es sich um einen Fund aus der 4. Kampagne 1899-1900 handelt, und vermutlich hielt ihn Hilprecht am 1. März 1900 auch in den Händen. Die Fundstelle im Ruinengelände des einstigen Nippur ist nicht bekannt.

Die unvollständig erhaltene Tafel besteht aus fein geschlämmtem Ton. Die Vorderseite ist nur sehr leicht gewölbt, die Rückseite stärker. Die Abmessungen betragen heute 21,5x17 cm, die Dicke steigt an von 2,2 cm am Rand bis zu 4,3 cm am Scheitelpunkt in der Mitte der Rückseite. Da an zwei Seiten Reste vom Tafelrand erhalten sind, lässt sich die ursprüngliche Größe des Stückes auf etwa 23-24x18 cm berechnen. Aus paläographischen  und sprachlichen Gründen wird allgemein eine zeitliche Einordnung in die Mitte bzw. zweite Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. vorgenommen. Entsprechend der Praxis des alten Mesopotamien ist die Orientierung gegenüber der bei uns üblichen Ausrichtung um 45° gedreht, die Seiten entsprechen also Südwest, Nordwest, Nordost und Südost, die Eckpunkte Süd - West - Nord - Ost. […]

Eingezeichnet und durch Beischriften bestimmt sind Wasserläufe, Stadtmauern, Tore sowie die Tempel des Gottes Enlil und seiner Gemahlin Ninlil. Enlil war der Oberherr des sumerischen Pantheons und seinem Kultzentrum verdankte die Stadt ihre Bedeutung. Der Name Nippur ist in die Mitte der Tafel geschrieben. An den Abschnitten der Stadtmauer stehen Längenangaben. […]

Es ist offensichtlich, dass bei der Erstellung des Stadtplanes von Nippur die Bebauung des von der Stadtmauer eingefriedeten Gebiets von untergeordneter Bedeutung war. […] Im erhaltenen Teil der Tafel sind sieben Stadttore eingezeichnet, […]. Man gewinnt den Eindruck, dass der Zweck der Tafel etwas mit den Toren und Mauern41 der Stadt zu tun hat. Dies würde auch erklären, weshalb wichtige Heiligtümer und Palastbauten fehlen und neben dem Hauptheiligtum praktisch ausschließlich Bauten und Areale untergeordneter Bedeutung eingezeichnet sind. Diese lassen sämtlich einen direkten Bezug zum Stadtmauer- […] bzw. Wallgrabensystem […] erkennen; ihre Aufnahme in den Plan dürfte somit eher ihrer strategischen als ihrer kultisch-religiösen oder administrativen Bedeutung geschuldet sein. […]

Die Genauigkeit der Zahlen ist ebenso wie diejenigen der Proportionen der auf dem Plan eingezeichneten Objekte bemerkenswert hoch. […]  die errechneten Längenangaben für die einzelnen Mauerabschnitte lassen sich anhand des modernen Maßstabes verifizieren mit dem Ergebnis, dass der Maßstab etwa mit 1:9200 anzusetzen ist. […]

 
1 Zunächst in S. N. Kramer, From the Tablets of Sumer, Indian Hills, Colorado 1956, 142 (Photo), 271-275 (mit Kopie von I. Bernhardt S. 275;=FTS)
4 H. v. Hilprecht, Explorations in Bible Lands during the 19th Century, Philadelphia 1903, 517-520 (mit Photo)
41 Die Mauern tragen in HS 197 keinen Namen. […]

Leicht modifizierter Auszug aus: Joachim Oelsner - Peter Stein, Der Stadtplan von Nippur (HS 197), Archiv für Orientforschung (im Druck).

Kontakt 

Prof. Dr. M. Krebernik

Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
Lehrstuhl Altorientalistik
Zwätzengasse 4, 07743 Jena
Tel +49 (0) 3641 944 871
Fax +49 (0) 3641 944 872

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