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Franziska Wieczorek


Wirtschaftsmathematik (Diplom)

 

 

 

 

 

 

 

 

                          
  Foto: privat

2000-2005

Studium an der Friedrich-Schiller Universität Jena

2002-2005 Mitarbeitet bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC, Lokalkomitee Jena

2003 Praktikum bei friendly sensors AG Jena

Thema der Diplomarbeit: "Datenbankreorganisationen: Verfahren und Kostenvorhersagen"

2003-2004

Projektbeiratsmitglied im Projekt PATH des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft e.V. Saalfeld

seit 2006

Referentin Bestandsführung Leben im Bereich Versicherungstechnik bei den KarstadtQuelle Versicherungen


 

Worin besteht Ihre derzeitige berufliche Tätigkeit?

Die Abteilung Bestandsführung im Bereich der Lebensversicherungen kümmert sich um die Systeme, mit denen der aktuelle Bestand der Versicherungsverträge verwaltet wird. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass für alle bereits verkauften Policen ein reibungsloser Ablauf aller denkbaren Geschäftsvorfälle gewährleistet werden kann. Es ist ebenso essentiell, dass neue Produktvorgaben umgesetzt und in die bestehenden Umgebungen eingepflegt werden. Die Abteilung Bestandsführung Leben stellt somit eine wichtige Schnittstelle zur IT dar, die ihrerseits die mathematischen Vorgaben letztendlich implementiert. Wird beispielsweise ein neues Lebensversicherungsprodukt auf den Markt gebracht, erstellen wir auf Grundlage der Vorgaben der Produktentwicklung (Allgemeine Versicherungsbedingungen, versicherungsmathematische Formeln usw.) die Konzepte zur Umsetzungen für die IT. Anschließend müssen die neuen Programme auf ihre korrekte Funktionsweise getestet werden. Bestehende Funktionalitäten müssen dabei natürlich geprüft werden, um eine nachhaltige Qualitätssicherung zu gewährleisten.
Neben der Schnittstelle zur IT, ist die Bestandsführung Leben eine wichtige Verbindung zwischen Produktentwicklung, Statistik und Rechnungswesen sowie dem Kundenservice. Sie stellt damit einen wichtigen Ansprechpartner für komplexe Fragestellungen unserer Kunden dar.


Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sind für diese Tätigkeit wichtig?

Kenntnisse in Stochastik sind für die Arbeit bei einer Versicherung unabdingbar. Ein sicherer Umgang mit dem Rechner ist eine weitere Voraussetzung. Dabei bilden Officeprogramme nur die Grundlage. Da vieles über Datenbanken gesteuert wird, sind Kenntnisse auf diesem Gebiet ebenfalls notwendig. Man muss sich einen Überblick verschaffen können, wie was miteinander über die einzelnen Schnittstellen kommuniziert.
Eine ausgeprägte analytische Denkweise und der Wille, sich beharrlich in die Problemstellungen einzuarbeiten, sind die Grundlagen für meine Arbeit. Die Systeme und Vorgänge sind zumeist sehr komplex und die bestehenden Abläufe müssen sehr genau analysiert werden. Dies ist wichtig, wenn Probleme auftreten sollten oder wenn Vorgänge angepasst werden müssen. Die Auswirkungen jeder Änderung müssen im Vorfeld genau abgeschätzt werden. Insofern muss man sich bei der Tätigkeit seiner Verantwortung sehr bewusst sein.
Da die Bestandsführung eine wichtige Schnittstelle darstellt, ist es ebenfalls sehr wichtig, dass man mit allen betroffenen Abteilungen kommuniziert. Gerade bei großen Projekten darf man nicht einfach hinter seinen Schreibtisch sitzen und allein arbeiten, wie vielleicht manchmal die Vorstellung von einem Mathematiker ist. Die Arbeit im Team ist auch für einen Mathematiker bei einer Lebensversicherung der Schlüssel zum Erfolg.

 

Welche für Ihren Beruf wichtigen Kompetenzen haben Sie wie erworben?

Eine wichtige Station war für mich die Mitarbeit bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC in Jena. AIESEC ermöglicht es, Studenten im Ausland ein Praktikum zu absolvieren und betreut internationale Studenten, die hier ein Praktikum machen. Damit trägt AIESEC zur Völkerverständigung bei. Unter diesem Gesichtspunkt, kann man bei AIESEC viele Fähigkeiten erwerben, die sehr hilfreich im späteren Berufsfeld sind. Durch den Umgang mit Firmen lernt man bspw., wie man überzeugend solch ungewohnte Situationen meistert und erlangt eine gewisse Sicherheit, die besonders in Vorstellungsgesprächen nützlich ist. Aber auch ein Netzwerk wird auf diese Art und Weise aufgebaut, welches eine Basis für den weiteren beruflichen Weg bilden kann.
Aus jetziger Sicht kann ich klar sagen, dass mir viele Vorgehensweisen von AIESEC im Berufsleben wieder begegnen. Seien es Seminare oder einfach nur Begrifflichkeiten. Meine Mitarbeit bei AIESEC ist für mich bei vielen Dingen wie ein bereits getätigter Schritt nach vorn, um mich sicher in meinem Arbeitsumfeld bewegen zu können.
Wichtig ist es, sich auch nach dem Studium weiterzubilden. Ich habe daher die Ausbildung zum Aktuar begonnen. Dabei eignet man sich spezielles stochastisches und finanzmathematisches Wissen an, welches auf versicherungstechnische Zusammenhänge zugeschnitten ist. Aber auch rechtliche und wirtschaftliche Kenntnisse werden vermittelt, da ein Aktuar abteilungsübergreifende Lösungen entwickeln können muss.

Welche Motivationen haben Ihre Studien- bzw. Berufswahl bestimmt?

Meine Affinität zur Mathematik hat sich bereits zu Schulzeiten entwickelt. Schnell stand für mich fest, dass ich etwas Naturwissenschaftliches studieren möchte. Dabei bietet sich die Mathematik, welche Grundlage für andere Wissenschaften ist, natürlich an. An dem Studienfach Wirtschaftsmathematik hat mich die Kombination aus Mathematik, Wirtschaftswissenschaften und Informatik begeistert. Ich war mir schon damals bewusst, dass ich mein Studium vielfältig ausbauen muss, um später am Arbeitsmarkt gute Chancen zu haben.
In meinem Studium selbst habe ich versucht, auch praxisorientierte Vorlesungen zu besuchen. Diese vermitteln einen anderen Blickwinkel auf Basis der bisher angeeigneten mathematischen Kenntnisse. Die Vorlesung Versicherungsmathematik hat mein Interesse geweckt, in dieser Branche Fuß fassen zu wollen. Dabei half mir mein angesammeltes Wissen in den Bereichen Datenbanken, Finanzen (AIESEC) und Versicherungsmathematik, um meinen Traumberuf zu finden.

 

Was raten Sie Studierenden Ihres Fachs?

Zuallererst sollte die Flinte nicht so schnell ins Korn geworfen werden. Das Studium ist sicherlich nicht einfach, wenn man direkt von der Schule kommt und mit der Mathematik an der Universität konfrontiert wird. Ich wusste auch nicht 100%ig, was mich erwartet. Aber sind die ersten Hrden, die meistens im Grundstudium auftauchen, genommen, schafft man auch den Rest.
Man muss immer im Hinterkopf haben, dass es heutzutage nicht mehr ausreichend ist, nach Schema F zu studieren. Während des Studiums sollte jeder Student versuchen, sich ein Portfolio an Kenntnissen anzueignen. Auch wenn kein Praktikum vorgeschrieben ist, kann auf solch einem Weg versucht werden, bereits während des Studiums Kontakte in die Wirtschaft herzustellen. Kurse in Kommunikation, Rhetorik, Bewerbungstraining usw. runden das Bild ab.

 

Ich würde wieder nach Jena gehen, weil...

die Stadt nicht zu groß und vor allem nicht zu klein ist. Die Vorlesungen sind sehr gut zu erreichen. Ich konnte mir meinen Studienplan zusammenstellen, ohne bedenken zu müssen, ob ich es zeitlich überhaupt zum nächsten Hörsaal schaffe.
Auch wenn man aus weiterer Entfernung nach Jena zum Studieren kommt, ist das kein Problem. Das Knüpfen von neuen Kontakten geht sehr schnell. Es ist schwer, in die Stadt zu gehen und niemanden zu treffen, den man kennt. Von einer anonymen Studentenstadt kann in Zusammenhang mit Jena auf keinen Fall gesprochen werden.
Für Jena spricht für mich jedoch auch, dass ich mein Studium schnell bewältigen konnte. Gerade an der Fakultät für Mathematik und Informatik wurden genügend Vorlesungen und Seminare angeboten, um keine unnötigen Wartezeiten aufkommen zu lassen. Besonders herauszustellen sind die Professoren und deren Mitarbeiter, die immer ein offenes Ohr haben. Gerade an einer Universität, wo viel durch Selbststudium gelernt werden muss, ist dieser Weg sehr hilfreich, wenn man bei bestimmten Fragestellungen nicht weiterkommen sollte oder einfach nur einen neuen Ansatz braucht. Ein kurzes Gespräch kann dann viel helfen.

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