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Forschungsverbund "Interdisziplinäre Anthropologie"

Fortwirken der Evolution im Menschen - Humanspezifik - Objektivitätschancen der Erkenntnis

Das BMBF hat einen Forschungsverbund "Interdisziplinäre Anthropologie: Fortwirken der Evolution im Menschen - Humanspezifik - Objektivitätschancen der Erkenntnis" (EHO) genehmigt. Initiator des Verbunds ist Prof. Dr. Wolfgang Welsch vom Institut für Philosophie der FSU, der auch die Leitung innehat.

Die sechs Kooperationspartner sind:

  • für den Bereich Evolutionsbiologie: Prof. Dr. Julia Fischer (Deutsches Primatenzentrum, Göttingen)
  • für den Bereich Evolutionäre Anthropologie: Dr. Hannes Rakoczy (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig)
  • für den Bereich Hirnforschung: Prof. Dr. Wolf Singer (Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt/Main)
  • für den Bereich Kognitive Neurowissenschaften: Dr. Ricarda Schubotz (Max-Planck-Institut für Neurologische Forschung, Köln)
  • für den Bereich Kognitionspsychologie: Prof. Dr. Rainer Mausfeld (Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
  • für den Bereich Philosophie: Prof. Dr. Wolfgang Welsch (Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Informationen zu den Teilprojekten finden Sie hier.

Projektbeginn ist der 1. Juli 2006, die Laufzeit ist zunächst auf drei Jahre veranschlagt, die Fördersumme beträgt insgesamt über 1 Million Euro, wovon rund 367.000 Euro für das Jenaer Teilprojekt "Versionen und Möglichkeiten epistemischer Objektivität" und die Koordination des Verbunds zur Verfügung stehen.

Die Teilnehmer gehen von der Auffassung aus, daß es Zeit ist, eine Anthropologie zu entwickeln, die dem Stand des zeitgenössischen Wissens entspricht. Das Projekt sucht die in den letzten Jahrzehnten seitens verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen gewonnenen neuen Erkenntnisse über den Menschen aufzunehmen und, auf die Arbeit an spezifischen Verbundprojekten gestützt, zu einem Gesamtbild zu integrieren.

Drei Problemkomplexe stehen im Vordergrund:

  1. das Fortwirken der Evolution im Menschen,
  2. Spezifika des Humanen
  3. Objektivitätschancen der Erkenntnis.

 

Der Jenaer Öffentlichkeit wurde das Verbundvorhaben im Wintersemester 2006/07 durch eine Ringvorlesung vorgestellt, deren Aufzeichnungen über die Digitale Bibliothek Thüringen online zugänglich sind. Ein Set von DVDs mit den Vorträgen ist bei der Firma Auditorium-Netzwerk erschienen und auch bei Jokers zu beziehen.

Eine für Fragen des Forschungsverbundes einschlägige Vorlesung von Prof. Dr. Wolfgang Welsch mit dem Titel "Anthropologie" ist als Audio-CD ebenfalls bei Auditorium Netzwerk erschienen.

Diese Internetseite wird entsprechend dem Fortgang der Arbeiten aktualisiert. Bitte wenden Sie sich mit Rückfragen an André Wunder.

Das Uni-Journal Jena hat über das Projekt berichtet. Der Deutschlandfunk hat das Projekt ausführlich vorgestellt.

Das EHO-Projekt wurde in der Veranstaltungsreihe "Geisteswissenschaft im Dialog" zum Thema "Nach Darwin. Evolutions- und Biodiversitätsforschung heute" (02. Oktober 2009, Berli-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) durch Prof. Welsch vertreten. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion standen die Fragen: Welche weiteren Ergebnisse hat die Evolutionsforschung - insbesondere auch außerhalb der Biologie - bisher gebracht? Lassen sich tatsächlich tragfähige Aussagen über die gegenseitige Beeinflussung von Evolution und Kultur, von Natur- und Geisteswissenschaften treffen? 

Aktuelle Information:

08. Dezember 2009, Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Welsch in der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Halle/Saale,

Titel:"Das Rätsel der menschlichen Besonderheit - Betrachtungen nach Darwin"

Was unterscheidet die Menschen von ihren näheren und ferneren tierischen Verwandten? Worin liegt das Humanspezifikum? Die Lebenswissenschaften haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass sämliche Faktoren, die man dafür traditionell angeführt oder neuerdings aufzubieten versucht hat (Rationalität, Sprache, Spieltrieb, Verstehen von Artgenossen etc.), sich zumindest ansatzweise schon vor dem Menschen im Tierreich finden. Sie taugen somit nicht, um die Spezifität des Menschen zu begründen. Von Darwin her gesehen, ist das keine Überraschung, denn Darwin hatte starke Kontinuität zwischen tierischer und menschlicher Verfasstheit vertreten, die allenfalls graduelle, aber keine prinzipiellen Unterschiede erlaubt. Auf der anderen Seite ist es aber evident, dass wir Menschen reichlich besondere Wesen sind - kein anderes Lebewesen ist so sehr über die Erdeverbreitet verbreitet, surft im Internet oder betreibt Weltraumfahrt. Die Besonderheit des Menschen ist nicht zu leugnen. Sie verlangt jedoch heute (nach Darwin) eine ganz andere Erklärung als früher: eine nicht supranaturalistische, sondern naturalistische, bottum-up-, nicht top-down-Erklärung. Wie kann eine solche Erklärung vom heutigen Wissensstand aus gegeben werden? Inwiefern würde sie - anders als die Freudsche Kränkungs-Rhetorik - zu einem von Grund auf positiven Verständnis unserer evolutionären Herkunft und Erbschaft führen?

10.-11. Dezember 2009, EHO-Abschlussveranstaltung im Hotel Steigenberger "Carl-Zeiss-Saal", Jena

Informationen zur EHO-Abschlussveranstaltung finden Sie hier.

 


 


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