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Geheime Gesellschaft

Ausstellung: Thüringen und die deutsche Freimaurerei

Freimaurerlogen und andere geheime Gesellschaften werden erst seit gut 25 Jahren als Gegenstand der Sozial-, Kultur-, Politik- und Literaturgeschichte ernst genommen. In der Öffentlichkeit dominieren allerdings weiterhin diffuse Vorstellungen über Herkunft und Praktiken der Freimaurer. Die Konjunktur aktueller Verschwörungstheorien - zuletzt um den 11. September - vertieft diese Kluft zwischen wissenschaftlicher Erforschung und öffentlicher Wahrnehmung.

Freimaurerische Selbstdarstellungen tragen nicht immer zur Klarheit bei. In der Regel idealisieren sie ihre historischen Vorgänger als unermüdliche Streiter für Toleranz und Humanität. Das rituelle Innenleben der historischen wie der heutigen Logen behandeln sie weiterhin unter dem Gebot der Verschwiegenheit. Ob das Erlebnis der Initiation tatsächlich nicht darstellbar ist - ein zentraler Glaubenssatz der „Eingeweihten" - sei dahingestellt. Beschreiben lassen sich jedoch zentrale Methoden und Mechanismen, mit denen sich Initiation vollzieht: Neugier und Vertrauen, symbolischer Ausschluss aus und Einschluss in die „Bruderschaft", die Dynamik des Männerbündischen, das Prinzip der symbolischen Reisen zur individuellen Läuterung (Lebensweg-Metapher), das Eindenken in Symbole und vieles mehr. An diesen freimaurerischen Grundprinzipien hat sich über die Jahrhunderte trotz aller internen Ritual- und Systemstreitigkeiten relativ wenig verändert.

Ein freimaurerischer Versammlungs-Tempel in der Ausstellung „Geheime Gesellschaft. Weimar und die deutsche Freimaurerei". Die Ausstellung der Stiftung Weimarer Klassik im Schiller-Museum Weimar ist täglich geöffnet von 9-16 Uhr, dienstags geschlossen. Öffentliche Führungen jeweils samstags (14.30 Uhr), sonntags (11 Uhr), mittwochs (16 Uhr, mit wechselnden Themenschwerpunkten)
Katalog: Geheime Gesellschaft. Weimar und die deutsche Freimaurerei. Hrsg. von Joachim Berger und Klaus-Jürgen Grün, Carl Hanser Verlag, München/Wien 2002, 384 Seiten, Euro 29,90; ISBN 3-446-20255-2.
Mehr im Web unter: www.geheime-gesellschaft.de

Fotos (2): Kittel, Stiftung Weimarer Klassik

Wie die Rituale und die dadurch einzuübenden Werte (z. B. Persönlichkeitsbildung, Erziehung zu Toleranz und Humanität) zu interpretieren und von den Logenmitgliedern umzusetzen seien, war jedoch vom 18. bis zum 20. Jahrhundert keinesfalls unumstritten. Die freimaurerischen Selbstsichten wandelten sich ebenso tiefgreifend wie die menschliche Gesellschaft insgesamt, mit der die Logen verflochten waren.

Diese historischen Prozesse einer breiteren Öffentlichkeit am konkreten Beispiel anschaulich aber distanziert vorzuführen, hat sich die Stiftung Weimarer Klassik mit der Ausstellung „Geheime Gesellschaft" zum Ziel gesetzt. Sie ist bis 31. Dezember im Schiller-Museum Weimar zu sehen und knüpft an die gerade beendete Exposition im Jenaer Romantikerhaus an. Die Ausstellung widmet sich den engen Verbindungen zwischen der Weimarer Kulturgeschichte und der historischen Entwicklung der deutschen Freimaurerei seit dem 18. Jahrhundert. Damit wird ein kaum bekanntes Kapitel des „Erinnerungsortes" Weimar beleuchtet. Gleichsam wie ein roter Faden durchzieht die Ausstellung die Frage nach dem Selbstverständnis der Weimarer Loge „Amalia". Und so wird deutlich, wie sie im 19. und 20. Jahrhundert entscheidend daran mitwirkte, Weimar zum Zentrum einer deutschen Kulturnation zu stilisieren. Klassikerverehrung und Freimaurerei schien bis in den Nationalsozialismus dasselbe zeitlose Humanitätsideal zu Grunde zu liegen. Auf die „humanitären" Ideale der Klassiker beriefen sich jedoch Freimaurer ebenso wie ihre Gegner.

Freimaurer Goethe

Die Ausstellung zeigt, wie die Loge im 18. Jahrhundert an „Geheime Obere" glaubte und sich vom mittelalterlichen Templerorden ableitete. Goethe und Herzog Carl August von Weimar wurden Freimaurer, um vor allem an einem deutschlandweiten Kommunikationsnetz teilzuhaben. Um 1800 besannen sich die Freimaurer dann auf ihre vermeintlich „englischen" Wurzeln. Carl August ließ die Loge 1808 neu gründen und an das „Hamburger System" anschließen, um Weimar von preußischen und französischen Einflüssen freizuhalten. In der Folgezeit verpflichteten Goethe und Wieland die Loge darauf, das Andenken an Anna Amalia, die als Stifterin eines Weimarer „Musenhofs" verehrt wurde, zu bewahren. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gliederte sich die Loge in das bürgerliche Vereinswesen der Residenzstadt ein und stellte sich gar an die Spitze einer nationalen Denkmalsbewegung. Im Kaiserreich wurde die Amalia vom Nationalismus der „altpreußischen" Freimaurer ergriffen, verschloss sich aber um 1900 neuen geistigen Aufbrüchen wie dem Monismus. In der Weimarer Republik wurden die deutschen Freimaurer zur Zielscheibe völkischer und radikalnationalistischer Angriffe. Daraufhin beteuerten sie immer stärker ihre nationalen, reichstreuen und antidemokratischen Überzeugungen. Die Weimarer Loge suchte sich zudem durch ihre Goethe-Verehrung zu schützen.

Nach 1933 bemühte sich die Amalia vergebens durch erhebliche Anpassungsversuche, die von den Nazis geforderte Selbstauflösung abzuwenden. Die Goethe-Gesellschaft „säuberte" unterdessen auf Druck völkischer und nationalsozialistischer Kreise das Goethe-Bild von freimaurerischen Bezügen. Nach 1945 in der SBZ und der DDR wurden freimaurerische Traditionen als bürgerlich-reaktionär abgelehnt, bis sie sich nach 1990 schließlich wieder neu formieren konnten.

Mit aufwendigen Inszenierungen und rund 480 Exponaten aus europäischen Sammlungen bietet die Ausstellung eine sinnliche, aber kritische Annäherung an Innenwelten und gesellschaftliche Wirkung der Freimaurerei. Die Ausstellung wird in einem umfangreichen Katalog dokumentiert. Er bietet nicht nur verschiedene Zugänge zum Thema Weimar und die deutsche Freimaurerei, sondern darüber hinaus die erste allgemeinverständliche Einführung in die deutsche Freimaurergeschichte, die Freimaurer und ausgewiesenen Fachwissenschaftler gemeinsam erarbeitet haben. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Weimarer Klassik und Mitarbeitern des Jenaer Sonderforschungsbereichs „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" und des Universitätsarchivs der Universitt Jena. Joachim Berger,

Stiftung Weimarer Klassik

 

Das Ausstellungs-Logo: Goethe-Erinnerungszeichen der Loge „Amalia" 1932.

Dinosaurier-Fisch

Quastenflosser ab 8. November im Phyletischen Museum

Er ist hässlich, lebt im Dunkeln, und eigentlich dürfte es ihn gar nicht mehr geben: den Quastenflosser (siehe Foto). Der Fisch galt lange Zeit mit den Dinosauriern als ausgestorben. Doch die Art „Latimeria chalumnae" hat - als einziger Quastenflosser - überlebt. Exemplare sind selten - und dennoch wird das Phyletische Museum der Universität Jena (Vor dem Neutor 1) zwei Präparate des berhmten Fischs zeigen. Am 8. November startete dort eine Sonderausstellung, die den berühmtesten Fisch der Welt bis Ende Februar 2003 zeigt.

Der kräftige Fisch hat große, granulierte, feste Schuppen, die dachziegelartig übereinandergreifend den Körper panzern, eine breite Schwanzflosse und im massigen Kopf große Augen, die beim lebenden Fisch golden strahlen. Trotz intensiven Bemühens sollte es nach dem ersten Fang im Jahr 1938 weitere 14 Jahre dauern, bis ein nächster Quastenflosser unweit der Komoren ins Netz ging. Die in der Folgezeit gefangenen Quastenflosser wurden durch Jacques Millot untersucht. „Millot und seine Mitarbeiter fanden in Latimeria nicht die Anatomie eines urzeitlichen Vorfahren, sondern eine bemerkenswerte Mischung von urtümlichen Merkmalen und Spezialisierungen vor", beschreibt PD Dr. Alexander Haas. „Dieses Merkmalemosaik ließ diesen Fisch berühmt werden", so der Ausstellungsorganisator. „Die Quastenflosser sind für die Evolutionsbiologie ein Glücksfall, denn es gibt von ihnen keine Fossilien, die jünger als etwa 70 Millionen Jahre alt sind", weist der Biologe auf die Bedeutung der Tiere.

Um einen lebenden Quastenflosser beobachten zu können, bedarf es eines Tauchboots, denn die Tiere leben in einer Meerestiefe von etwa 200 bis 300 m versteckt in Höhlen, die sie nur zum Jagen verlassen. Es konnten in den 80er Jahren beeindruckende Filmaufnahmen gemacht werden, die das gemächliche Rudern und das „Kopfstehen" des bis zu 180 cm langen Fisches zeigen. Im Jahr 1997 wurde ein weiteres Verbreitungsgebiet in indonesischen Gewässern entdeckt. Wissenschaftler schließen nicht aus, dass die Quastenflosser noch in anderen Tiefseegebieten vorkommen können. Die Zahl der heute noch lebenden Individuen wird auf möglicherweise nur 600 Exemplare geschätzt.

In der von Dr. Haas im Phyletischen Museum organisierten Ausstellung ist ein Quastenflosser als Leihgabe aus dem Musée Royal de L’Afrique Centrale Tervuren (Belgien) zu sehen. Gezeigt wird auch ein Quastenflosser-Skelett, das von den Präparatoren des Museums in monatelanger Arbeit vorbereitet wurde. AB