Lichtbilder bildender Künstler
Kunsthistoriker präsentieren Photographien von Manfred Leve
Gerhard Richter, Nam June Paik, Sigmar Polke, Joseph Beuys, Blinky Palermo und viele andere Künstler sind zu sehen. Doch sie posieren nicht für eine Kamera, sie scheinen sie kaum zu bemerken. Die Photos zeigen Kunstschaffende, Künstler im kreativen Prozess. Diesen Schaffensakt hat Dr. Manfred Leve eingefangen, dessen Photos noch bis zum 28. Mai im Frommannschen Haus (Fürstengraben 18) gezeigt werden.

Künstler Manfred Leve (l.) und die Organisatoren der Ausstellung Prof. Verspohl und Dr. Platen (r.).
„I don’t make photographs, I take photographs.“ Unter diesem Titel steht die Ausstellung „Photographien 1957-2003 von Manfred Leve“, die Prof. Dr. Franz-Joachim Verspohl und Dr. Michael Platen vom Kunsthistorischen Seminar mit Kustodie ausgerichtet haben. Damit werden 173 überwiegend schwarz-weiße Photographien Leves erstmals präsentiert. Und es ist „die erste Ausstellung in der Kustodie zur Photographie“, unterstrich Prof. Verspohl am 13. April bei der Vernissage, an der auch der Künstler mit seiner Frau Heidi Bärbel Leve teilnahm.
Aura des Schaffens eingefangen Manfred Leve, geboren 1936 in Trier, gehört zu den wenigen Künstlerphotographen, die ihre Sujets ausschließlich in der bildenden Kunst selbst finden. Seine Lichtbilder von bildenden Künstlern entstanden in der Regel im Dialog mit den Dargestellten. „Ich habe vor allem meine Freunde abgebildet“, sagt Leve, „und versucht, die Aura einzufangen“. Das ist dem Künstler gelungen, wie die Ausstellung beweist. Die Photos zeugen zugleich von der wechselseitigen Wertschätzung der jeweiligen künstlerischen Arbeit. Dieses Einvernehmen begünstigt die Entstehung von Bildwerken, die ein Ereignis zugleich dokumentieren und ausloten. „Ich habe nur photographiert, was ich als dokumentationswürdig empfunden habe“, unterstreicht Leve. Leisten kann er sich dieses exquisite Niveau, weil ihn sein Brotberuf als Jurist ernährt und ihm somit die Chance lässt, „immer nur das zu photographieren, was mir gefällt“. Durch diese Chance und sein Geschick werden seine Bilder selber zu einem Kunstwerk. Nicht selten sind die Photographierten im Kontext ihrer Arbeit gezeigt, beim Arbeitsprozess im Atelier oder vor einem abgeschlossenen oder entstehenden Kunstwerk. „Ich habe es immer vermieden, die Künstler zu dirigieren und zu instrumentalisieren“, beschreibt Leve seine Arbeitsweise – entstanden sind Innenansichten des Kreativen.

Begeisterte Besucherinnen in der ersten Photo-Ausstellung im Frommannschen Anwesen. Fotos (2): Scheere
Eine besondere Form moderner Kreativität, avantgardistische Kunst, bewahrt und dokumentiert Leve. Er wurde Zeuge und genuiner Interpret der flüchtigen Aktionen und Performances der frühen Fluxus- und Happening-Bewegung, die aus Darbietungen experimenteller Musik und experimentellen Theaters hervorgegangen sind. Ihm verdanken sich planmäßig erfasste Bildserien, Bildsequenzen und Suiten jener heute zu den paradigmatischen Ereignissen der Kunstgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg gehörenden Veranstaltungen. „Nur durch ihn sind sie auch für die Anschauung der Nachwelt wirkmächtig geblieben“, unterstreicht Prof. Verspohl. „Er war der einzige, der die Happenings im Köln-Düsseldorfer Raum photographiert hat“, weiß der Jenaer Kunsthistoriker.
Leve gehörte dabei gleichsam zum Plan der Inszenierung. Daher sind seine Aufnahmen mehr als Dokumente. Der mitwirkende Photograph überwindet den Status des dokumentierenden Teilnehmers. In seiner Teilhabe hebt sich das Tatsächliche in einem höheren Bildsinn auf.
Als es für Photographen zu einer Modeerscheinung wurde, Aktionen, Performances und Happenings abzulichten und „Photos zu machen“ und gleichzeitig Filme und Videos gedreht wurden, ließ Manfred Leve von diesem Sujet grundsätzlich ab. Er besann sich auf neue photographische Aufgaben und machte aus dem photographischen Einzelbildnis die Porträtsequenz, die den Künstler in Aktion zeigt. Er präsentiert sich entweder verhalten und kaum bewegt oder dynamisch und gestisch aktiv, vom Lichtbildner in regelmäßigen Abständen „genommen“. Entstanden sind daraus geschlossene und sehr dichte Folgen von Photos – fast immer in schwarz-weiß und im Format 18x24, da dies, so Leve, die Aura der Bilder erhält. „Bildsequenzen wie die Blinky Palermos, Nam June Paiks, Gerhard Richters und Sigmar Polkes gehören zu den Meisterwerken moderner Porträtphotographie und werden in der Jenaer Ausstellung erstmals repräsentativ gewürdigt“, unterstreicht Prof. Verspohl.
Geschlossene Porträtsequenzen Die Jenaer Ausstellung präsentiert Manfred Leve kunsthistorisch als Künstlerphotographen. Sie zeigt Bildwerke aus allen Phasen seines Schaffens und stellt geschlossen einige seiner Porträtsequenzen aus, etwa die Suite „Blinky Palermo“ (1968), Sigmar Polkes „Tanz mit dem Tuch“ (1986) und Nam June Paiks „Hommage ŕ Jean-Pierre Wilhelm“ (1978). Ver/Bur
Geöffnet ist die Exposition montags bis freitags von 11-15 Uhr und nach Absprache über E-Mail an: .

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Zur Ausstellung ist ein 272-seitiger Katalog zum Preis von 35 Euro erschienen, in dem alle 173 ausgestellten Photographien abgebildet und kommentiert sind. 50 Exemplare des Katalogs sind nummeriert und vom Künstler signiert. Diesen Exemplaren liegt ein signierter Handabzug bei. Der Preis der Vorzugsausgabe beträgt 290 Euro. |
Größte private Wirbeltiersammlung
Sonderausstellung im Phyletischen Museum zeigt „Sammlung Starck“
„Professor Dr. Dr. Dietrich Starck war der bedeutendste deutschsprachige Wirbeltieranatom des 20. Jahrhunderts“, versichert Prof. Dr. Martin S. Fischer. Der Direktor des Phyletischen Museums der Universität Jena ist Starck doppelt verbunden. Als Evolutionsbiologe lernte Fischer viel aus Starcks zahlreichen Lehr- und Handbüchern zur Anatomie und Morphologie. Als Museumsdirektor hatte Fischer „das große Glück“, die in 65 Jahren gewachsene „größte europäische Wirbeltiersammlung, die noch in Privatbesitz war“, des Frankfurter Wissenschaftlers zu erben. Starck, der 2001 verstarb, hat in den Jahren zuvor seine über 10 000 Stücke umfassende Kollektion dem Jenaer Museum geschenkt. Dieses gewährt nun in der Sonderausstellung „Sammlung Starck“ bis zum 30. September erstmals einen Einblick auf rund 250 Wirbeltierpräparate, Lehrbücher und Expeditionsrequisiten.

Zahllose Präparate von Wirbeltieren aus aller Welt bereichern nun Phyletisches Museum und die Zoologie der Jenaer Universität. Fotos (2): Scheere
Starcks Sammlung hat einen unschätzbaren wissenschaftlichen Wert, da sie zum einen viele seltene und gut erhaltene Präparate umfasst. Außerdem sind die Stücke mit allen Daten ausgestattet, die für die wissenschaftliche Arbeit notwendig sind, freut sich der ehemalige Kustos Dr. Hans-Otto Vent, der die Ausstellung mit organisiert hat. Dietrich Starck, der 1908 in Stettin geboren wurde, verbindet eine persönliche Beziehung mit Jena. Hier begann er 1926 sein Medizinstudium und studierte daneben auch Chemie, Botanik, Zoologie und Paläontologie an der Alma Mater Jenensis. Die Universität hatte er sich bewusst ausgesucht, wie Starcks Sohn Matthias bei der Ausstellungseröffnung am 30. Januar betonte, um Ernst Haeckel möglichst nahe zu kommen. Über Wien gelangte Starck Senior später nach Frankfurt/M., wohin er nach weiteren wissenschaftlichen Stationen zurückkehrte und dort bis zu seiner Pensionierung 1976 als Doppelordinarius für Anatomie und Morphologie tätig war.
Die Sammlung, die Starck als „Bibliothek des Lebens“ diente, wurde bei vielen Expeditionen zusammengetragen. Impressionen dieser Reisen werden in der Ausstellung lebendig, wo auch Aquarelle und Tagebuchnotizen von einer Äthiopien-Expedition zu sehen sind.
Alle Stücke aus der Sammlung Starck sind inzwischen elektronisch erfasst und in die Bestände des Phyletischen Museums eingearbeitet. Dies ist ganz im Sinne des Stifters, wie Matthias Starck betont, denn „die Sammlung war für Privatleute inzwischen unbeherrschbar, sollte aber der Wissenschaft im Ganzen zur Verfügung stehen“. Dies wird sie nun im Phyletischen Museum. „Das Museum ist stolz auf diese Bereicherung und wird sie sorgsam pflegen und für die wissenschaftliche Nutzung bereitstellen“, unterstreicht Prof. Fischer. Die Sonderausstellung, so der Museumsdirektor weiter, sei auch als Dank an den Spender zu verstehen. AB |

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Gemalte Gefühle
Renate Eckstein in der „ganz kleinen Galerie“
„Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie mit ihren Bildern ihre ureigensten Gefühle ausdrücken will, dass Malen als Ausdruck ihrer Gefühle für sie fast zur Obsession geworden ist“, sagt Prof. Dr. Bernd Wiederanders über Renate Eckstein (Foto). Dem Direktor des Instituts für Biochemie und Galeristen der „ganz kleinen Galerie“ in seinem Institut am Nonnenplan ist es gelungen, die Künstlerin für eine Ausstellung zu gewinnen. Die Exposition, die montags bis freitags von 8-18 Uhr geöffnet ist, wird bis Anfang Juni zu sehen sein.
Renate Eckstein arbeitet im Hauptberuf als IT-Beraterin im Computer-Pool der medizinisch-theoretischen Institute des Universitätsklinikums. „Es war nicht ganz leicht, sie zu überreden, ihre Bilder ganz in der Nähe ihrer beruflichen Wirkungsstätte auszustellen“, so Wiederanders, „gibt sie doch damit einen Teil von sich selbst preis“. Doch vordergründig sind die Emotionen und Gefühlsebenen der Jenaer Künstlerin, die sich die Malerei autodidaktisch angeeignet hat und seit 1995 Bilder malt, nicht zu erschließen. Denn die Acryl- und Pastell-Gemälde, meist mit sinnlich kräftigem Strich und prallen Farben geschaffen, weisen häufig abstrakte Formen auf. Warum sie malt, beantwortet Eckstein eindeutig: „Weil ich fühle! Und weil ich malen kann, muss ich malen, was ich fühle“. AB
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