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Die Jenaer Universität - Tradition und Moderne Die Universität Jena gehört zu den ältesten
Hohen Schulen Deutschlands. Wenige deutsche Universitäten können für sich in Anspruch nehmen, Studien- und Wirkungsort so vieler berühmter Persönlichkeiten gewesen zu sein wie die Alma mater Jenensis.
Aus der Universitätsgeschichte
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Gegründet wurde die Universität 1548 als Akademisches Gymnasium durch Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Der von den Jenensern auch liebevoll "Hanfried" genannte Kurfürst war quasi der erste Freund und Förderer der Universität in Jena. 1558 erhob Kaiser Ferdinand I. Jenas "Hohe Schule" zur Universität.
Die Ideen der Frühaufklärung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts führten die Jenaer Universität zu ihrer ersten Blütezeit. Eng verbunden ist diese Entwicklung mit dem Namen Erhard Weigels, der seit 1653 Professor für Mathematik in Jena war und als einer der Begründer naturwissenschaftlichen Denkens gilt. 1705 hielt der Philosoph und Theologe Johann Franz Buddeus erstmals Vorlesungen in deutscher Sprache; seitdem gab es auch "lectiones" über den deutschen Stil.
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Eine zweite Blütezeit erreichte die Jenaer Universität um die Wende des 18. Jahrhunderts zum 19. Jahrhundert. Die Universität wurde zu einem Zentrum klassischer deutscher Philosophie, deren Verfechter Johann Gottlieb Fichte (1762-1814), Karl Leonhard Reinhold (1758-1823), Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854), Georg Wilhelm Hegel (1770-1831) und Jakob Friedrich Fries (1773-1843) in Jena lehrten. Der berühmteste Professor zu dieser Zeit war Friedrich Schiller (1759-1805), der am 26. Mai 1789 in Jena seine Antrittsvorlesung hielt. Vom geistigen Aufschwung der Alma mater profitierten auch die Jenaer Frühromantiker Novalis (1772-1819), Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854) sowie die Brüder August Wilhelm Schlegel (1767-1845) und Friedrich Wilhelm Schlegel (1772-1829).
"Schiller auf dem Wege zu seiner Antrittsvorlesung in das Griesbachhaus am 26. Mai 1789", Gemälde von Erich Kuithan
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Seit dem 19. Jahrhundert trat die Verbindung von universitärer Grundlagenforschung und einem Anwendungsorientiert interessierten Unternehmertum als prägendes Kennzeichen Jenas mit Ausstrahlungen bis in das Stadtbild hinein in den Vordergrund. Durch das Zusammenwirken von Carl Zeiß, Ernst Abbe und Otto Schott wurde Jena zum Inbegriff produktiver Verbindung von Wissenschaft, Technik und Industrie. Diese Entwicklung findet ihre moderne Entsprechung in der Gegenwart in Forschungsprogrammen etwa zu "biologically motivated service robotics", zur Materialwirtschaft oder zu neuartigen Operationsmethoden in der Medizin. Auch hier geht das Bemühen der Jenaer Universität dahin, gewachsene Traditionen in moderne Forschungsstrategien umzusetzen. Diese Forschungsorientierung hat in Verbindung mit einer offensiven Politik des Forschungstransfers auch mit dazu beigetragen, dass im Jahr 1999 in Jena die meisten Patente pro 100.000 Beschäftigte in den neuen Bundesländern angemeldet werden konnten.
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Das 20. Jahrhundert mit seinen politischen Umbrüchen warf seine dunklen Schatten auch auf die Jenaer Universität. Bereits in den 20er Jahren wurde die Idee einer nationalsozialistischen Musteruniversität geboren und es etablierten sich einige fhrende Theoretiker von Rasselehre und Euthanasie. Nach einer kurzen Reorganisationsphase nach 1945 geriet die Alma Mater ein zweites Mal in den Strudel politischer Ideologie und sollte sich - spätestens seit Ende der 50er Jahre - nun zu einer "sozialistischen Hochschule" entwickeln. Trotzdem gab es in Jena auch zu dieser Zeit viele hervorragende Wissenschaftler wie zahlreiche kritische Geister, die sich gegen Willkür und Diktatur in subversivem Widerstand befanden: Jena galt in der DDR als eine Dissidenten-Hochburg.1
1 Weitere Informationen zur Universitätsgeschichte in der Broschüre "Aufbrüche - eine Jenaer Universitätstradition, erhältlich im Referat Öffentlichkeitsarbeit der FSU.
Die Jenaer Universität von 1989 bis heute
1989 demonstrierten Studenten und Professoren gemeinsam auf der Straße; wohl nirgends wurden die Beschränkungen der geistigen Freiheit bedrückender empfunden als in Forschung und Wissenschaft. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena hat eine beachtliche Reformbilanz vorzuweisen. Aus den ehemaligen Sektionen entstanden zehn Fakultäten, die dem Profil nach einer klassischen Volluniversität entsprechen. Bis heute wurden Studiengänge in insgesamt 120 Fächern neu bzw. in reformierter Form eingerichtet. Während dabei zunächst das Ziel verfolgt wurde, das Lehrangebot demjenigen anderer Universitäten vergleichbarer Größe anzugleichen, geht es jetzt vor allem darum, attraktive Kombinationsmöglichkeiten aus einem breiten Lehrangebot auf gleich hohem Niveau anzubieten, und dort neue Studiengänge einzuführen, wo die Akademisierung und Internationalisierung gesellschaftlicher Berufsfelder dies erfordert.
Eines der Kennzeichen der heutigen Universität Jena ist ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein, das nicht nur auf punktuelle Höhepunkte der Universitätsentwicklung wie insbesondere die Zeit der Weimarer und Jenaer Klassik zurückblicken kann, sondern vor allem deren Innovationspotential und Ausstrahlung auf die Zukunft immer wieder aufgegriffen und nutzbar gemacht hat. So kann die geisteswissenschaftliche Forschung an der Universität Jena mit den Vertretern der deutschen Klassik, des deutschen Idealismus und der Frühromantik auf ein geistiges Erbe zurückgreifen, mit dessen jeweiliger Aneignung nicht nur Traditionspflege betrieben wird, sondern aus der heraus sich immer auch neue Impulse für Fragestellungen der Gegenwart ergeben. Ausdruck dessen ist beispielsweise der 1998 eingerichtete Sonderforschungsbereich "Das Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800", der sich der interdisziplinären Erforschung des kulturellen und wissenschaftlichen Wandels widmet, der mit dem Phänomen der deutschen Klassik verbunden ist. Mit Inter- und Transdisziplinarität ist ein zweites Charakteristikum der FSU benannt: Die Hürden zwischen einzelnen Disziplinen sind in Jena sehr niedrig. Dies mag neben den Gegebenheiten der Stadt auch auf die Dominanz eines bestimmten Hochschullehrertyps zurückzuführen sein, findet aber in durchaus traditionsorientierten Veranstaltungen der Universität wie den stark besuchten Antrittsvorlesungen und akademischen Feiern ebenso wie durch eine offene Tagungs- und Kongresskultur nachdrückliche Unterstützung. Das hohe Niveau von Lehre und Forschung sowie die Attraktivität des Studienstandorts Jena widerspiegelt sich auch in folgenden Eckdaten zur Universität:
Personal: Stand 31. 12. 2002 Angaben in Personen ohne Differenzierung nach Teil-/ Vollzeitbeschäftigung
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Studierende:Die Gesamtzahl der Studierenden stieg von 5862 im WS 1990/91 auf 18.358 im WS 2002/2003. Die Anzahl der ausländischen Studierenden stieg von 176 im WS 1990/91 auf 783 im WS 2002/ 2003. 58,6 % der Studierenden sind weiblich. Die größten Fakultäten sind die Fakultt für Sozial- und Verhaltenswissenschaften mit 4175 Studierenden, die Philosophische Fakultät mit 3575 Studierenden, die Biologisch-Pharmazeutische Fakultät mit 2274 und die Medizinische Fakultät mit 2023 Studierenden. Die kleinste Fakultät ist die Theologische Fakultt mit 126 Studierenden ( Stand WS 2002/ 2003 ).
Finanzielles: Das Gesamtbudget der Universität betrug im Jahr 2002 ca. 434 Mio Euro (138 Mio Euro Kernuniversität, 296 Mio Euro Klinikum/Medizinischen Fakultät). Von den 138 Mio Euro der Kernuniversität stammten ca. 109 Mio Euro aus Landesmitteln (einschließlich Sondermitteln) und 29 Mio Euro aus Drittmitteln. Von den Drittmitteln kamen ca. 5 Mio Euro von Unternehmen und Stiftungen. Von den 296 Mio Euro des Klinikums/ der Medizinischen Fakultät waren ca. 190 Mio Euro Erlöse im Rahmen der Krankenversorgung und ca. 92 Mio Euro sonstige Erträge sowie Landes- und sonstige Zuschüsse. Die Summe der Drittmittel betrug über 14 Mio Euro (ohne Sondermittel des Landes), davon kamen knapp 6 Mio Euro von Unternehmen und Stiftungen.
Im Hinblick auf die Lehre ist auf eine hohe Betreuungskultur, die in verschiedenen Rankings bestätigt wurde, und die gute Studienstimmung in Jena hinzuweisen. Die Fähigkeit der Lehrenden, für ihr Fach zu begeistern, ist in Jena stark ausgeprägt. In der Forschung ist mit fünf Sonderforschungsbereichen, fünf Graduiertenkollegs, zwei DFG-Forschergruppen und zwei DFGSchwerpunktprogrammen sowie einer klinischen Forschergruppe der DFG und einer eingeworbenen Summe an Drittmitteln von 44 Mio Euro (einschließlich Medizin, ohne Landesmittel) im Jahr 2002 ein zwar erfreuliches, aber noch zu verbesserndes Ergebnis erreicht. Hervorzuheben ist die stark angewachsene sehr enge Kooperation universitärer Forschung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie der lokalen und regionalen Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund begreift sich die Friedrich- Schiller-Universität Jena als eine Traditionsuniversität mit modernem Profil, die sich für das kommende Jahrzehnt folgende Ziele gesetzt hat:
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Nach der grundlegenden Erneuerung seit 1990 soll die FSU in den Jahren bis 2010 in ihrer Leistungsfähigkeit in Forschung, Lehre und Dienstleistung den erreichten Standard festigen, ihre Schwerpunkte im Sinne moderner Profilbildung weiter ausbauen und das Lehr- und Forschungsprogramm den sich wandelnden Berufsorientierungen und Akademisierungstendenzen der Gesellschaft anpassen.
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Dazu sind auf der Basis des Erreichten verstärkte Anstrengungen notwendig, um angesichts der Entwicklung zur Wissensgesellschaft insbesondere die Interdisziplinarität und Innovationsfähigkeit der Universität weiter zu stärken.
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Dafür bedarf es einer ebenso offenen wie effizienten Universitätsstruktur, die es in gleichem Maße ermöglicht, Anstöße von außen aufzunehmen und gestaltend umzusetzen, die in Tradition, Standort und Qualität der Universität begründeten komparativen Vorteile der FSU zu nutzen sowie ihr im nationalen wie internationalen Rahmen sichtbare Außenwirkung zu verschaffen.
Die Freunde und Förderer der Friedrich-Schiller- Universität Jena werden uns bei der Umsetzung unserer ehrgeizigen Ziele wie auch schon in den vergangenen Jahren ein zuverlässiger und kreativer Partner sein.
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Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena
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