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Hilprecht-Sammlung Vorderasiatischer Altertümer





Informationen zur Jenaer Altorientalistik und zur Hilprecht- Sammlung



Das Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde 1996 gegründet; vorausgegangen war 1993 die Einrichtung der Lehrstühle für Altorientalistik bzw. für Semitistik und Islamwissenschaft. Die Universität hat damit eine bis ins 18. Jh. zurückreichende Tradition wiederbelebt, die mit den Namen hervorragender Orientalisten wie Eichhorn, Kosegarten oder Stickel verknüpft ist.

Jena ist der Ursprung der deutschen Altorientalistik. Erstmals wurden hier durch den Alttestamentler Eberhard Schrader altorientalistische Lehrveranstaltungen abgehalten. Schraders Schüler Friedrich Delitzsch habilitierte sich 1874 in Leipzig für "Assyriologie" und etablierte damit die Wissenschaft von den Keilschriftsprachen und -kulturen als selbständige Disziplin.

In Jena wurde die Orientalistik und insbesondere die Altorientalistik von 1909 bis 1919 durch Arthur Ungnad vertreten. Zwischen 1919 und 1993 gab es, von einer kurzen Episode zu Beginn des 2. Weltkrieges abgesehen, keine orientalistische Professur mehr.

Bereits Ungnad hatte für das Orientalische Seminar Keilschrifttafeln erworben. 1925 vermachte der deutsch- amerikanische Professor Hermann Hilprecht seine altorientalischen Sammlungen der Universität Jena. Der aus Sachsen-Anhalt stammende Gelehrte war Professor für Assyriologie in Philadelphia und hatte als Philologe an den Ausgrabungen in Nippur, einer der bedeutendsten Städte des Alten Mesopotamien, mitgewirkt. Von 1899 bis 1905 hatte er eine Wohnung in Jena. Nach seinem letzten Willen sollte die Sammlung zur Erinnerung an seine erste Frau, die 1902 in Jena verstorben war, "Frau Professor Hilprecht Collection of Babylonian Antiquities" genannt werden. Hilprechts Nachlaß umfaßte Keilschrifttexte fast aller Epochen und Textgattungen aus einem Zeitraum von annähernd 3000 Jahren, ferner archäologische Kleinfunde und "Zauberschalen" mit aramäischen Beschwörungen.
Bekanntestes Stück der Sammlung ist der häufig abgebildete Plan von Nippur aus der Mitte des 2. Jt.s v. Chr., der bislang älteste Stadtplan. Besonders wertvoll sind die zahlreichen literarischen und lexikalischen Texte in sumerischer und akkadischer Sprache.
1932/33 erhielt die Sammlung wichtigen Zuwachs aus dem Besitz von Hilprechts Schwester: Teile von Hilprechts schriftlichem Nachlaß, seine Abrollungen altorientalischer Siegel sowie 87 islamische Fayencen-Fliesen. Auch die Ungnad'schen Stücke wurden der Sammlung einverleibt. Heute umfaßt die Hilprecht-Sammlung - ohne moderne Siegelabrollungen und Repliken - ca. 3300 Stücke, davon ca. 3000 Keilschrifttexte. Sie ist nach dem Vorderasiatischen Museum in Berlin die umfangreichste Sammlung ihrer Art in Deutschland.

Erster Leiter der Sammlung 1929 Julius Lewy, außerordentlicher Professor an der Universität Gießen. Er begründete als Publikumsorgan die Reihe "Texte und Materialien der Frau Professor Hilprecht-Collection" (TMH). Band I (1932) verfaßte er selbst, der Doppelband II/III (1933) stammt von Oluf Krückmann, der damals Privatdozent in Jena war, Band IV (1934) von Bruno Meißner (Berlin), Band V (1935) von Alfred Pohl (Rom). Lewy wurde 1933 zusammen mit weiteren jüdischen Professoren aufgrund der nazionalsozialistischen Gesetzgebung seines Amtes enthoben und emigrierte nach Paris. Sein Nachfolger wurde Krückmann (1933 Privatdozent, 1940 außerplanmäßiger Professor). Da Lewy seine Rechte als Herausgeber der TMH nicht abtreten wollte, initiierten Meißner und Krückmann eine "Neue Folge" (TMHNF), von der sie 1937 den Doppelband I/II, verfaßt von Pohl, herausbrachten.

Krückmann kehrte nach Kriegsende nicht nach Jena zurück. 1949 wurde die Sammlung einem Vorstand unterstellt, dem die Professoren Rudolf Meyer (Altes Testament), Friedrich Zucker (Klassische Philologie) und Ferdinand Hestermann (Sprachwissenschaft) angehörten. Letzterer wurde 1951 zum Leiter der Sammlung ernannt. Er übte dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 1960 aus. Seit 1951 war auch Dr. Inez Bernhardt mit der Sammlung befaßt: zunächst als Assistentin, dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin Hestermanns, und schließlich als Kustodin. 1958/59 veröffentlichte sie zusammen mit Jussi Aro die mittelbabylonischen Briefe (WZJ 8, 565-574 + Tf. I-XV), 1961 bzw. 1967 publizierte sie zusammen mit Sumerologen Samuel Noah Kramer die Bände TMHNF III und IV, welche die wichtigsten sumerischen literarischen Texte der Sammlung enthalten. Kramer hatte sich seit 1955 mehrmals in Jena aufgehalten. 1972 schied Bernhardt aus Altersgründen aus dem Dienst. Der von ihr damals fertiggestellte Band V der TMHNF erschien 1976, die Bearbeitung der darin publizierten mittelbabylonischen Texte durch Herbert Petschow 1974 (ASAW 64/4). Die Kustodenstelle wurde Joachim Oelsner übertragen, der seit 1966 an der Sammlung tätig war. Er führte die von seinen Vorgängern begonnene Inventarisierung zu Ende, publizierte und bearbeitete Texte in zahlreichen Einzelveröffentlichungen und hatte eine besonders glückliche Hand beim "Joinen" von Tafelfragmenten. 1993 wurde er auf die neu gegründete Professur für Altorientalistik berufen, die er bis zu seiner Pensionierung 1997 innehatte. Er war mageblich an der Gründung des Instituts beteiligt.

Gut die Hälfte der Sammlung ist mittlerweile publiziert, der Rest soll so schnell wie möglich folgen. Weitere Bände der Reihe TMHNF, darunter auch ein Katalog, sind geplant bzw. in Vorbereitung.

Die Interessen der Hilprecht-Sammlung werden vertreten durch den Förderverein Altorientalistik und Hilprecht-Sammlung Jena e.V.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. M. Krebernik
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
Lehrstuhl Altorientalistik
Fürstengraben 6, 07743 Jena
Tel. (0)3641/ 944871 Fax (0)3641/ 944872



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