Neuer Bachelor Umweltwissenschaften
Sanierungsprojekt im Uranbergbaugebiet stand Pate für neuen Studiengang
Interdisziplinäre Seminare von Bio- und Geowissenschaftlern erwarten die Anwärter für einen neuen Bachelorstudiengang an der Universität Jena. Von der Chemisch-Geowissenschaftlichen Fakultät soll ab dem Wintersemester 2004/05 der neue Bachelor (B. Sc.) „Angewandte Umweltwissenschaften“ angeboten werden, wenn das Ministerium der Einrichtung zustimmt. Dann führt der Studiengang nach sechs Semestern zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss für Tätigkeiten im Umweltbereich. Er qualifiziert die Absolventen darüber hinaus für weiterführende Master-Studiengänge im In- und Ausland.

Disziplinenübergreifend soll im neuen Bachelor-Studiengang „Angewandte Umweltwissenschaften" gelehrt und geforscht werden. Foto: Scheere
Nachfrage gestiegen „Einerseits wollen sich immer mehr Studienanwärter für die Lösung von Umweltproblemen einsetzen. Andererseits besteht auf dem Arbeitsmarkt eine Nachfrage nach Absolventen umweltorientierter Studiengänge mit starker naturwissenschaftlicher und praxisorientierter Ausrichtung“, sagt Prof. Dr. Georg Büchel. Vor allem, so der Jenaer Geologe, in Ingenieur- und Planungsbüros, in Kommunen, Behörden und Verbänden, deren geringe Größe keine Bearbeitung umweltrelevanter Fragestellungen durch verschiedene Spezialisten erlaubt, seien interdisziplinär ausgebildete Absolventen gefragt. Grundlage des Studiums ist daher eine Ausbildung in den Fächern Geowissenschaften, Biologie, Geographie und Chemie. Hinzu kommen spezielle mathematisch-physikalische Studieninhalte. Ein hoher Praxisanteil soll den Studierenden den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Die Praxiserfahrungen werden insbesondere durch Wahlpflichtmodule im 3. Studienjahr gefördert, die ein außeruniversitäres Praktikum und ein Projektmodell mit einer konkreten Umweltproblematik in der Bachelor-Arbeit beinhalten.
Im Bachelor „Angewandte Umweltwissenschaften“ werden die vorhandenen Umweltkompetenzen der Chemisch-Geowissenschaftlichen, der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät sowie des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie interdisziplinär zusammengefasst. Das ist notwendig, da die technische Entwicklung nationale und internationale Entscheidungen und Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt erfordert. „Diese Schutzmaßnahmen beruhen häufig auf wissenschaftlich äußerst dürftigen Grundlagen“, weiß Prof. Büchel. Genau da setze der Studiengang inhaltlich an.
„Bei Forschungsarbeiten in der ostthüringischen Uranbergbauregion, wo wir u. a. den Schwermetalltransport vom Boden in die Pflanzen und letztlich in die Nahrungskette untersuchten, wurde es für uns offensichtlich, dass sich neue Forschungsfelder zwischen der Geologie und Biologie formieren“, berichtet Büchel.
Diese Erfahrungen, die er, Prof. Dr. Erika Kothe und Prof. Dr. Hans Bergmann bei der Erarbeitung sanfter Sanierungsstrategien für Bergbauhalden sammelten, flossen in die Konzeption des neuen modular aufgebauten Bachelors ein. Die Studierenden sollen die Mechanismen der Transportflüsse der Natur erkennen, begreifen und prognostizieren. Sie erlangen Kenntnisse zum Wirken von Schadstoffen in natürlichen Systemen (von Lithosphäre bis Biosphäre). Das Studium soll sie in die Lage versetzen, effektive und nachhaltige Schutzmaßnahmen vorzuschlagen, die Ingenieure, Politiker oder Naturschützer letztlich umsetzen können. ash

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