Förderkreis hat die Alumniarbeit „sportlich“ organisiert
Wer wäre besser geeignet, Alumni-Arbeit für die Sportwissenschaften zu koordinieren als ein Absolvent, der noch im Hochschulsport tätig ist und zudem zum Vorstand des Universitätssportvereins (USV) gehört. Dr. Hans-Georg Kremer scheut sich nicht anhand alter Akten ehemalige Sportler oder Studierende der Sportwissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität ausfindig zu machen und anzuschreiben. 2 000 Adressen hat er so zusammengetragen. Bei der Alumniarbeit behält der Sportpädagoge und Historiker auch die jeweiligen Jubiläen des Unisports im Blick.

1950 gibt Prof. Wolfgang Gutewort (l.) noch Sprunghilfe, heute hilft er durch seine Mitgliedschaft im Alumniverein dem Sport an der Uni Jena auf die Sprünge. Foto: Sammlung Kremer
„Jubiläen haben schon oft als Anlass gedient, um Alumniaktivitäten anzuschieben“, sagt Kremer. Die Grndung des Förderkreises Universitätssport fällt 1999 mit dem 50-jährigen Bestehen des USV zusammen. Seit 2001 (dem Jubiläumsjahr „90 Jahre Sportlehrerausbildung“) widmet sich der Förderkreis bevorzugt der Alumnipflege. Dazu gehört die regelmäßige Organisation von Absolventenverabschiedungen und Alumnitreffen - zwei Seiten ein und derselben Medaille. 200 Teilnehmer kamen 2003 zum Traditionstreffen.
Zugkräftiges Hanfriedturnier Die Treffen werden immer mit dem Hanfriedturnier kombiniert. „Denn das Uni-Sportfest zieht viele Ehemalige nach Jena“, berichtet Kremer. Da er als USV-Schatzmeister auch dessen Mitglieder-Datenbank kennt, die Ehemalige und potenzielle Ehemalige auflistet, sitzt er datentechnisch gesehen an der Quelle. Aber nicht jeder Absolvent wird zum Alumni, der mit dem Mindestmitgliedsbeitrag von 20 Euro Aktivitäten rund um den Sport an seiner ehemaligen Bildungseinrichtung fördert.
Zu den Fördermaßnahmen des Vereins zählt u. a. das Projekt Dreifelderhalle. Außerdem stiftet er den jährlichen Institutspreis für wissenschaftliche Studienleistungen. Ob Abschiedsfestakt oder Ehrenplaketten für die runden Absolventenjährgänge, der Förderkreis macht’s möglich. Die Mitglieder erhalten regelmäßig die USV-Vereinszeitung und zweimal jährlich die „Jenaer Beiträge zum Sport“. Das Journal berichtet über neueste Forschungsergebnisse aus den Sportwissenschaften. Hinzu kommen Rundbriefe, die über neue Mitglieder und Fördermaßnahmen informieren.
Der Weg vom Absolventen zum Alumni ist kein Sprint, sondern gleicht eher einem mühsamen Dauerlauf. Viele Absolventen müssen sich in der Arbeitswelt erst etablieren, ehe sie sich als Fördermitglied werben lassen. Angesichts der derzeit über 1 000 Studierenden ist das Kontakthalten schon während der Studienzeit schwierig. Immerhin sind zum offiziellen Abschiedsfestakt 2003 bereits die Hälfte der Absolventen erschienen. Ein positiver Trend. Auch in diesem Jahr am 12. Juni wird die kombinierte Absolventen-Alumni-Veranstaltung neu aufgelegt. Es sind die Absolventenjahrgänge von 1954 (50 Jahre) und 1979 (25 Jahre) eingeladen.
Dieses jahrgangsweise Vorgehen hat sich laut Dr. Kremer bewährt. Denn lädt man alle Alumni ein, kommen von jedem Jahrgang nur wenige, die dann enttäuscht sind, keine bekannten Gesichter zu treffen. Mit der Einladung nach Abgangsklasse statt Alumni-Masse „kommen wir den Interessen der Absolventen entgegen, so Kremer. Er hofft, dass einmal zusammengebrachte Jahrgänge dann von sich aus Kontakt untereinander und zur Universität halten. „Wir untersttzen ihre Treffen organisatorisch“, sagt Kremer. „Die jüngeren Absolventen binden wir eher über die sportliche Seite.“ So beteiligen sich z. B. bis zu zwölf Volleyballmannschaften aus Ehemaligen an den Hanfriedturnieren. Klar, sind das nicht nur Sportwissenschaftler.
Das Sport alle Fachrichtungen anspricht, ist eben das besondere der Alumniarbeit unter dem USV-Dach. „Unsere Zielgruppe sind diejenigen, die an der Uni Sportwissenschaft betrieben oder Sport getrieben haben“, bringt Kremer es auf den Punkt. Das bestätigt der Blick in die Mitgliedsliste des Alumnivereins. Unter den 70 Mitgliedern ist z. B. der Geograf Prof. Klaus Dubhorn, der 1955 deutscher Biathlonmeister war. Ältestes Mitglied ist Heinz Hamberger, der ehemalige Sportlehrer hat von 1934-38 an der Uni Jena studiert. Von solchen Alumni erhält Dr. Kremer oft wertvolles Material für seine Forschung über die Geschichte des Sports in Jena.
„2004 ist übrigens das Jahr der Jubiläen für den Universitätssport“, so Kremer. Vor 90 Jahren erwarb die Uni die Sportplätze an der Oberaue, vor 70 Jahren wurde das Institut gegründet und vor 75 Jahren wurde die Landesturnanstalt, auch Muskelkirche genannt, in Betrieb genommen. Das letztgenannte Jubiläum wird zum Anlass genommen, erstmals ein wissenschaftliches Symposium für Alumni anzubieten, die noch im Arbeitsprozess stehen und sich weiterbilden möchten. „Wir wollen verschiedene Interessengruppen adäquat ansprechen“, beschreibt Kremer das Ziel. „Es läuft noch nicht alles mustergültig“, ist seine selbstkritische Einschätzung. Frage: Kann man Alumniarbeit noch mustergültiger organisieren? ash |