Der 07. Januar ist auch in der Antarktis ein besonderer Tag, es wird Roshdjestwo gefeiert, das russisch-orthodoxe Weihnachtsfest.
Eingeläutet wurde dieser Festtag mit einem ökomenischen Gottesdienst in der Stationskirche St. Trinity. Die beiden Priester Sergej und Wladimir, die beide auch im Winter das religiöse Leben auf Bellingshausen gestalteten, hielten einen eineinhalbstündigen Gottesdienst ab. Henrike, eine unserer Expeditionsteilnehmerinnen, übernahm dabei einen Teil der Liturgien auf Deutsch.
Und dennoch wurde auch an diesem Feiertag die Arbeit nicht beiseite gelegt. Da das Wetter ungewöhnlich gut war, nutzten wir zusammen mit unseren russischen Kollegen die Chance, bei ruhiger See mit dem russischen Landungsboot „Anderma“ die Maxwell Bucht zu erkunden. In nordöstlicher Richtung fuhren wir die Küste entlang und konnten King George Island einmal aus anderer Perspektive betrachten. Vorbei an „Neftebasa“, dem ursprünglichen Treibstofflager von Bellingshausen und weiter in Richtung „Artigas“, der uruguayanischen Forschungsstation.
„Nebles Point“, eine markante Felsformation, die sich südlich von Artigas ins Meer vorstreckt, wurde angesteuert, um an einer vorgelagerten Felseninsel zu ankern. „Nebles Point beherbergte früher eine große Brutkolonie Südlicher Riesensturmvögel. Wegen starker Störung durch Flugverkehr wanderten die Brutvögel allerdings ab.
Der Ausflug aufs Meer gab uns die Möglichkeit, die Fisch-Fauna des Südpolarmeeres zu erkunden. Zwei Arten Südbarsche (Nothothenia) gibt es in diesem Gebiet in großer Zahl.
Der Rückweg führte uns rund um Ardley Island, vorbei am chinesischen Stationsversorger Xue Long und wir erreichten am Nachmittag wieder die Station Bellingshausen. Am Horizont kündigten Cirruswolken das Ende des guten Wetters für die nächsten Tage an. Am Nachmittag war jedoch noch strahlender Sonnenschein und so führte uns die Kartierung der Skuas auf einen Höhenzug südlich der Stationsbucht. Normalerweise war dieser Höhenzuh mit zahlreichen Skua-Brutpaaren besiedelt. Wir fanden jedoch nur zwei Brutpaare. Die noch aus dem kalten Winter verbliebenen teilweise jetzt noch vorhanden großen Schneemengen könnten der Grund sein, weshalb die Skuas nicht mit dem Brutgeschäft an dieser Stelle beginnen konnten. Skuas sowie die meisten anderen antarktischen Brutvögel benötigen schneefreie Flächen zum Bau ihrer Nester. Anders als sonst gab es an diesem Abend ein festliches Weihnachtsmahl zusammen mit allen Stationsbewohnern von Bellingshausen.