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Porträt

Meeresbiologe als Manager

Dr. Carsten Thoms ist seit 2008 Geschäftsführer der JSMC

Thoms_kasperDie Burgen haben ihm dann doch gefehlt. Oder - ungeachtet der aufregenden Tropenlandschaft - einfach ein normaler Waldspaziergang. Schon wegen Robin Tiger, der all das kennenlernen sollte. Der nun fünfjährige Sohn von Dr. Carsten Thoms, dem Geschäftsführer der Exzellenz-Graduiertenschule "Jena School for Microbial Communication (JSMC)" an der Universität Jena, ist nämlich ein Kind der Tropen. Im Gegensatz zu Richard Ari, der 2010 als echter Jenenser das Licht der Welt erblickte, ist sein großer Bruder auf Guam geboren. Das Eiland im tropischen Pazifik, auf dem der Meeresbiologe Thoms gefördert durch das renommierte Feodor Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt- Stiftung zwischen 2004 und 2007 als Postdoc forschte, war in dieser Zeit das Zuhause der Familie. So schön es auf Guam war, Deutschland wurde irgendwann vermisst. Mittlerweile lebt Thoms mit den beiden Söhnen und seiner Frau, einer selbstständigen Goldschmiedin, in Kahla.

Von Guam nach Jena

Über ein Rückkehrstipendium der Humboldt-Stiftung trat Dr. Carsten Thoms 2007 zunächst eine weitere Postdoc- Stelle in Würzburg an. Den Wechsel von der Forschung ins Wissenschaftsmanagement zu vollziehen, hat den gebürtigen Karlsruher allerdings damals gereizt. "Es war die Zeit, als die Exzellenzinitiative begann", erinnert er sich. Diese Initiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen verhieß nach Thoms' Ansicht eine spannende Chance für den Wissenschaftsstandort Deutschland: "Ich habe gedacht: Hieran möchte ich mitwirken und meine eigenen Erfahrungen als Nachwuchswissenschaftler bei der Gestaltung neuer Wissenschafts- und Ausbildungsstrukturen mit einbringen."
Dass im Rahmen der zweiten Runde der Exzellenzinitiative ab Ende 2007 mit der JSMC in Jena - dem bisher einzigen geförderten Projekt in Thüringen - eine Graduiertenschule etabliert werden sollte, war für Thoms eine Fügung. "Schon allein das wissenschaftliche Konzept der JSMC passte hervorragend zu mir ", sagt der 36-Jährige. Denn die Forschungsthematik "mikrobielle Kommunikation" deckte sich mit Carsten Thoms' wissenschaftlichen Untersuchungsgegenständen. Die symbiotischen Beziehungen zwischen Meeresschwämmen und Mikroorganismen haben bereits im Zentrum seiner Diplom-Arbeit und Dissertation an der Uni Düsseldorf gestanden. "Viel lieber im Freiland als im Labor" hat der begeisterte Taucher Thoms gearbeitet. Bei seinen Experimenten im Meer untersuchte Thoms etwa die Art und Weise, auf die sich Schwämme mittels chemischer Waffen gegen Angreifer zur Wehr setzen. Der Clou: Die Schwämme produzieren diese Waffen nicht selbst, den Job erledigen vielmehr in ihnen lebende Mikroorganismen. Es handelt sich um eine Symbiose - und um einen klaren Fall von mikrobieller Kommunikation.
"Die Erkenntnis, dass Mikroorganismen kommunizieren und die Erforschung der dabei ablaufenden Signalprozesse ist noch ziemlich neu", sagt der JSMC-Manager. So erkennen Bakterien und Pilze beispielsweise aus chemischen Botschaften ihrer Verwandten, ob es sich lohnt, sich in einem bestimmten Lebensraum zu vermehren. Wie an der symbiotischen Beziehung zu den Schwämmen veranschaulicht, leben Mikroorganismen häufig in enger Gemeinschaft mit Pflanzen, Tieren oder dem Menschen und tauschen mit deren Zellen Signale aus.
Die Wissenschaftler der JSMC haben es sich zum Ziel gesetzt, diese komplexe und facettenreiche Sprache zu entschlüsseln. Ihre Erkenntnisse sind für viele Bereiche von Nutzen. Etwa in der Medizin zur Herstellung von Antibiotika, im Hinblick auf globale Prozesse wie den Klimawandel oder in der Landwirtschaft zur Entgiftung von Böden.
Aufgrund seines Facettenreichtums muss die Forschung hierbei in besonderem Maße interdisziplinär gestaltet werden. In der JSMC forschen daher unter anderem Chemiker, Physiker, Biologen, Bioinformatiker, Mediziner und Geowissenschaftler zusammen. Die universitären Forschungsinstitute verteilen sich über fünf Fakultäten der Friedrich- Schiller-Universität. Zum Netzwerk gehören außerdem sechs außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und dreizehn Partnerunternehmen am Standort Jena, die für einen regen Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft stehen.

Individuelles Karrieretraining

Auf die breite Ausbildung der gegenwärtig etwa 200 Promovierenden ist Dr. Thoms stolz. "Den Doktoranden steht ein riesiger Pool an Kursen zur Auswahl. Ihre Möglichkeiten, ihr individuelles Karrieretraining optimal zu gestalten, sind daher ungeheuer groß", sagt er. Dass die JSMC-Doktoranden ein überdurchschnittliches Maß an Eigeninitiative zeigen, freut ihn besonders. So organisierten sie etwa die "MiCom 2010", die erste internationale Konferenz zum Thema "Mikrobielle Kommunikation" von Doktoranden für Doktoranden.
"Unser wissenschaftliches Netzwerk ist ausgesprochen lebendig. Die Ideen, die hinter der Gründung der JSMC standen, ließen sich in Jena hervorragend umsetzen", resümiert der Geschäftsführer. Bis September 2011 wird die JSMC einen Fortsetzungsantrag für die Förderung stellen. "Ein Erfolg in der nächsten Phase der Exzellenzinitiative würde die Weiterentwicklung der JSMC für weitere fünf Jahre sichern", hofft Thoms, der sich für die Zukunft eine noch stärkere Internationalisierung wünscht.
Constanze Alt

Der Meeresbiologe Dr. Carsten Thoms steht voll hinter der Jenaer Exzellenz-Graduiertenschule und ist als Geschäftsführer der JSMC davon überzeugt, dass "solche Stellen mit Wissenschaftlern besetzt werden, die sich dann die nötigen Fähigkeiten im Management aneignen - den umgekehrten Weg halte ich für wesentlich schwieriger".

Foto: Kasper

 

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letzte Änderung:  am 2011-04-18 09:28:42   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang