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Die Natur als Lernort

Biologiedidaktiker Prof. Dr. Uwe Hoßfeld über Lehre und Lernen außerhalb des Klassenzimmers
Hofeld_kasperSie empfehlen den Biologielehrern, mit ihren Schülern das Klassenzimmer zu verlassen und außerschulische Lernorte aufzusuchen. Weshalb?
Der Unterricht in der Natur schärft das Bewusstsein für die Umwelt. Im Freien werden viele menschliche Sinne mobilisiert. Es ist zum Beispiel ganz wichtig, haptische Erfahrungen zu machen. Die Schüler lernen, wie sich Fell anfasst oder das Federkleid eines Vogels.

Was heißt das für die Lehre?
Das Fach Biologie bietet in einzigartiger Weise dem Lehrenden die Chance, zweigleisig zu fahren. Der Unterrichtsstoff kann nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch im Freiland oder Labor vermittelt werden.

Was bietet der außerschulische Lernort, was das Klassenzimmer nicht kann?
Die Begegnung mit der Natur soll nicht nur für den Umweltschutzgedanken mobilisieren, sie erfüllt auch einen breiten Bildungsauftrag - über die Artenkenntnis hinaus. Die Schüler können beispielsweise durch die Naturbeobachtung auch etwas über physikalische Gesetze, deren Geschichte und mehr erfahren.

Biologie und Physik? Wie geht das zusammen?
Beim herbstlichen Besuch einer Streuobstwiese können die Pädagogen beispielsweise den Bogen zum "fallenden" Apfel schlagen, der Newton anregte, die Gravitationsgesetze zu beschreiben.

Welche Voraussetzungen müssen außerschulische Lernorte erfüllen?
Zu beachten sind die Entfernung von der Schule, die sichere Erreichbarkeit, die Finanzierung, die Aufsichtspflicht, die didaktische Aufbereitung des Lernorts und die Bedeutung für die Umsetzung der Lehrplanziele.

Das klingt recht aufwendig.

Aber der Aufwand lohnt sich. Ein Beispiel: Auf dem Lehrplan stehen die Amphibien. Warum sollten die Lehrer nicht mit der Klasse einen Ausflug ins Jenaer Paradies unternehmen? Der Besuch an einem Teich vermittelt Wissen, das kein Lehrbuch oder -film bieten kann.

Besteht nicht die Gefahr, dass eine Exkursion zum fröhlichen Ausflug wird?
Bei guter Vorbereitung durch die Lehrerinnen und Lehrer sehe ich diese Gefahr nicht. Zudem bieten Ausflüge an außerschulische Lernorte die Chance, in kleinen Gruppen zu arbeiten, verschiedene Aufgaben im Team zu lösen.

Empfehlen Sie den Besuch von Museen?
Selbstverständlich. In Thüringen haben wir Naturkundemuseen in Altenburg, Jena, Gera, Erfurt, Gotha und Rudol­stadt. Durch ihre Dauerausstellungen eignen sie sich hervorragend als Lernorte für alle Klassenstufen. Aber auch kleinere Einrichtungen wie die Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf oder das Ernst-Haeckel-Haus in Jena versprühen ihren ganz eigenen Charme.

Welche Möglichkeiten haben die Schulen selbst, etwa im Schulgarten?
Hier ist jede Schule selbst gefragt, wobei sich vieles ohne großen Aufwand und Kosten erreichen lässt. Ein Barfuß-Pfad etwa garantiert ein Naturerlebnis par excellence. Dabei werden Gesundheit und Bewegungskompetenz gefördert, zudem die Sinneswahrnehmung geschärft. Einen Schulgarten sollte es ebenfalls in jeder Schule geben. Gemeinsam wird dann Gemüse angepflanzt, gepflegt und geerntet. Auf spielerische Weise lässt sich so Wissen über den Gartenbau, Landwirtschaft, Biologie, Umwelt und Natur vermitteln.

Wie setzen Sie Ihre Forschungsbefunde in der universitären Lehre um?
Wir stellen gegenwärtig die gesamte Lehramtsausbildung in unserer Fakultät auf neue Füße. Die Module sollen für die Studenten praxisbezogener werden. Dabei streben wir eine Vereinheitlichung von universitärer Lehre mit den Lehrinhalten der Lehrpläne und Schulbücher an. Grundlegende naturwissenschaftliche Kompetenzen sind auch im Zeitalter der neuen Medien immanenter Bestandteil einer soliden Allgemeinbildung.

Wer sollte die Broschüre zu den außerschulischen Lernorten lesen?
Unser Anliegen ist es, Lehrer, Studierende und Lehramtsanwärter in konzentrierter Form über Möglichkeiten der biologischen Bildung an außerschulischen Lernorten in Thüringen zu informieren und ihnen damit eine Hilfestellung in der Ausbildung und im Beruf zu geben.

(Interview: Stephan Laudien)

Prof. Dr. Uwe Hoßfeld gehört zu den Autoren des kürzlich erschienenen Buches "Biologische Bildung an außerschulischen Lernorten in Thüringen", das beim Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) gegen eine Schutzgebühr von vier Euro erhältlich ist (ISSN 0944-8705).

Foto: Kasper

 

letzte Änderung:  am 2013-04-22 15:27:52   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang