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Alumni

Die Erfindung der Null

Alumnus Carsten Müller ist Leiter des Carl-Zeiss-Gymnasiums

Wenn Carsten Müller Vertretungsstunden in seiner Schule gibt, dann geht es meist um ein besonderes Thema - seine Lieblingszahl 1/7. "Mit ihr kann man das Besondere der Mathematik wunderbar zeigen", erklärt der Mathematiker. "Auch wenn heute fast alles mit dem Rechner erklärbar wird, ist so ein simpler Bruch doch ein gutes Beispiel für die Grundlagen und die Qualität von Zahlen. Es ist erstaunlich, dass ich mit meinen Schülern stundenfüllend darüber sprechen kann, was hinter dem Komma passiert, wenn man 1/7 als Dezimalbruch schreibt." Seine Schüler überfordert er damit nicht, denn das Carl-Zeiss-Gymnasium hat sich der Förderung von naturwissenschaftlich und technisch Begabten verschrieben. Wenn Müller mit Faszination in den Augen von der Erfindung der Null und der Mathematik als kultureller Leistung spricht, dann ist klar, dass der Weg zum Mathematiklehrer für ihn fast schon vorherbestimmt gewesen sein muss.

Förderung für Begabte

Von 1978 bis 1982 studierte der gebürtige Sachse an der Friedrich-Schiller-Universität Mathematik und Physik auf Lehramt und schlug zuerst den Pfad der Wissenschaftskarriere ein. Als Doktorand und wissenschaftlicher Assistent blieb er bis 1990 an der Uni, veröffentlichte sogar noch zu DDR-Zeiten einen Fachartikel in den USA. Nachdem nach der Wende im Schuldienst einige Stellen zu besetzen waren, entschied sich Müller als 33-Jähriger, die Schreibtische zu tauschen, und wurde Schulleiter. Als erste Aufgabe musste er die 1963 gegründete Spezialschule "Carl Zeiss" in das neue Schulsystem eingliedern. "Wir wurden zu einem ganz normalen Gymnasium mit Spezialklassen in der Oberstufe", erläutert Müller. "Als die geburtenschwachen Jahrgänge kamen, konzentrierten wir uns vollkommen auf die Begabtenförderung." Seit dem Schuljahr 2008/09 besuchen alle Schüler den Spezialschulteil, wenn sie nach der 8. Klasse eine Prüfung bestehen. Heute gibt es bereits vor der fünften Klasse ein Auswahlverfahren, um "Spezi" zu werden - die Nachfrage steigt.

Lehrer als "Trainer"

Der Anspruch der Schule fordert von Schülern und Lehrern überdurchschnittliches Engagement. "Wir haben in einigen Klassen schon kleine Genies. Das zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe", sagt der Schulleiter stolz. "Momentan ist sogar ein Kopfrechen- Weltmeister unter uns." Das stellt auch die Lehrer vor besondere Herausforderungen. "Bei manchen Schülern ist man mehr Trainer als Lehrer, diesen wirklich Neues beizubringen ist schwierig. Heike Drechslers Trainer ist schließlich auch nicht weiter gesprungen als sie."

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist die Nähe zur Jenaer Universität. Schon seit der Umbruchszeit in den 1990er Jahren steht sie immer an der Seite der Schule, denn natürlich erkennen die Professoren die Qualität der Carl-Zeiss-Abiturienten. Prof. Dr. Richard Kowarschik, der Dekan der Physikalisch-Astronomischen Fakultät, meint dazu: "Wir haben durch die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahrzehnten viele Physikstudenten gewinnen können, die neben sehr guten schulischen Kenntnissen in Physik und Mathematik auch die erforderliche Leistungsbereitschaft und Motivation für das Studium mitgebracht haben." Und die "Spezies" sind als Studenten äußerst erfolgreich - das Konzept der Schule geht auf. Den Kontakt zur Uni hält in der Schule ein eigens ernannter Verbindungslehrer. "Manche Schüler sind einfach schon so weit, dass es besser ist, wenn sie durch einen Uni- Spezialisten weiter gefördert und gefordert werden", ist sich Müller sicher.

Er persönlich hat den Kontakt zur Friedrich-Schiller- Universität stets aufrecht gehalten. "Meine Frau und ich - wir haben uns übrigens beim Studium kennengelernt - schaffen es jedes Jahr gemeinsam mit einem weiteren ehemaligen Mitstudenten und Freund, unsere ehemaligen Kommilitonen in Jena zu versammeln. Mir ist das sehr wichtig, denn ich verdanke der Uni wirklich sehr viel", erzählt er und fügt augenzwinkernd hinzu: "Nicht zuletzt die Begeisterung für die Erfindung der Null." sh

Carsten Müller tauschte nach der Wende die Wissenschaftskarriere
gegen den Schuldienst.

Foto: Günther

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letzte Änderung:  am 2010-06-28 15:59:56   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang