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Neue Bücher
Krisen als Motor der Geschichte
Rückschau auf die Wendepunkte in 450 Jahren Jenaer Universität
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Soviel Krise war noch nie! Doch die gegenwärtige Weltfinanzkrise verstellt allzu leicht den Blick auf geschichtliche Krisen, die sich in der Rückschau oft als Wegscheiden zum Besseren darstellen. Wohl auch deshalb heißt das neue von Prof. em. Dr. Helmut G. Walther herausgegebene Buch "Wendepunkte in viereinhalb Jahrhunderten Jenaer Universitätsgeschichte".
Salana durch Krisen gestärkt
Es zeigt, dass die "Salana" aus den Krisen ihrer Geschichte stets gestärkt hervorging. Das neue Buch versammelt die Beiträge einer Ringvorlesung zur 450- jährigen Geschichte der Universität Jena im Jahr 2008. Es ist als 6. Band in der Reihe "Lichtgedanken. Texte zum Jenaer Universitätsjubiläum" erschienen.
Gleich im ersten Kapitel zeigt sich, dass bereits die Anfänge der Universität in Krisenzeiten lagen. Hatte doch Johann Friedrich, der "Hanfried", nach dem Schmalkaldischen Krieg seine Freiheit, die Kurwürde und große Teile seines Territoriums verloren. Dennoch gelang es ihm, in Jena eine neue Universität zu begründen.
Ende des 19. Jahrhunderts sicherten Visionen und vor allem finanzielle Zuwendungen Ernst Abbes den Fortbestand der Universität, die sich zugleich aus den Zwängen der Frühen Neuzeit löste. Sichtbares Zeichen dafür war der Umzug aus dem Collegium Jenense ins 1908 eröffnete Universitäts-Hauptgebäude am Fürstengraben.
Gut 100 Jahre zuvor war es der Weimarer Geheimrat Goethe, der es klug verstand, die schlingernde Universität durch strukturelle Veränderungen und eine dringend gebotene Neuordnung der Finanzen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.
Dem Übergang zur modernen Universität, die den mittelalterlichen Fächerkanon von Theologie, Medizin, Philosophie und Jura hinter sich lässt, ist ebenso ein Kapitel gewidmet, wie der Benennung in Friedrich-Schiller-Universität von 1934. Geschildert wird zugleich, wie der Namenspatron Friedrich Schiller sich im Verlaufe des Dritten Reichs als zunehmend unpassend herausstellte.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb über die DDR-Zeit hinaus bis heute Schiller der "Salana" seinen Namen gibt. Das Kapitel über die "Hochschule im Sozialismus" zeigt, dass die Umstrukturierungen während der DDR-Zeit durchaus auch Anforderungen der Moderne geschuldet und nicht nur ideologischer Natur waren. Der Band schließt mit zwei spannenden Kapiteln zum friedlichen Umbruch der Jahre 1989/90, in denen auch der einsetzenden Mythenbildung entgegengetreten wird. sl
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Helmut G. Walther (Hg): Wendepunkte in viereinhalb Jahrhunderten Jenaer Universitätsgeschichte.
Verlag IKS Garamond,
Jena 2010, 292 Seiten, Preis: 22,90 Euro, ISBN: 978-3- 941854-05-5
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Mehr Glaube als gedacht
Über die Verbindung von Religion und Pädagogik
| Wie veränderte sich der Religionsunterricht Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss der aufkeimenden Ideen der Reformpädagogik? Wie dachten sowohl evangelische als auch katholische Theologen in dieser Zeit über solche neuen Ideen der Erziehung? Welche berühmten Namen sind mit diesen Strömungen verknüpft? Das sind die wichtigsten Fragen, auf die das neue Buch von Michael Wermke Antworten gibt. Dem Professor für Religionspädagogik der Universität Jena und seinen Kollegen aus dem Arbeitskreis für Historische Religionspädagogik ist es damit gelungen, die theologischen Spuren in verschiedenen reformpädagogischen Ideen freizulegen. Andererseits arbeiteten die Autoren während der 7. Jahrestagung des Arbeitskreises für Historische Religionspädagogik auch den Einfluss der Reformpädagogik auf die Religionspädagogik heraus. Die Ergebnisse liegen nun unter dem Titel "Religionspädagogik und Reformpädagogik. Brüche, Kontinuität, Neuanfänge" vor.
So erklärt beispielsweise der Jenaplan- Spezialist Hein Retter in seinem Beitrag, welche Bedeutung die Theologie für die Pädagogik Peter Petersens und des amerikanischen Philosophen John Deweys besitzt. Gleichzeitig berichtet Werner Simon über die katechetische Reformbewegung und stellt mit Paul Bergmann einen der wichtigsten Vertreter vor, der heute weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Er setzte sich u. a. für einen ausgeprägten Bibelgeschichtsunterricht ein.
Das Buch wirft einen vielfältigen Blick auf eine der spannendsten Epochen der Pädagogik, die auch in der Religionspädagogik ihre Spuren hinterlassen hat. sh
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Michael Wermke (Hg.): Religionspädagogik und Reformpädagogik. Brüche, Kontinuitäten, Neuanfänge. Verlag IKS Garamond, Jena 2010, 260 Seiten, Preis: 27,90 Euro, ISBN: 978-3-
941854-00-0
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Siege und Niederlagen
Die Geschichte der Germanistik in Jena
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Im Jubiläumsjahr 2008 haben Germanisten und Volkskundler der Universität Jena eine Exkursion in die Geschichte ihrer Fächer unternommen, deren wissenschaftlicher Ertrag nun als Buch vorliegt. Es bietet einen fundierten Überblick über die Geschichte des Faches Germanistik in Jena. Der Titel "… und was hat es für Kämpfe gegeben." greift ein Zitat Joachim Müllers auf, der damit 1971 in einem Brief an die politischen Auseinandersetzungen der 1960er Jahre erinnerte.
Die Kämpfe der DDR-Zeit stehen jedoch am Ende des Buches, das als Band 29 in der Reihe Jenaer Germanistische Forschungen erschienen ist. Die Autoren des von Angelika Pöthe und Reinhard Hahn herausgegebenen Bandes stellen die Geschichte der Jenaer Germanistik chronologisch vor. Am Anfang stehen Karl Leonhard Reinhold und Christian Gottfried Schütz, die im 18. und 19. Jahrhundert lehrten, zu einer Zeit, in der das Fach noch längst nicht etabliert war. Weitere bedeutende Gelehrte der Frühzeit der Jenaer Germanistik waren Eduard Sievers, Hermann Hettner und der Philosoph Kuno Fischer. Der unter dem Dach des 1881 gegründeten Deutschen Seminars lehrende Volkskundler Hans Naumann wird vorgestellt, ebenso der Indogermanist Walter Porzig.
Immer wieder werden auch interne Kämpfe geschildert, wie sie sich insbesondere um Albert Leitzmann entsponnen haben, der mit einer zweijährigen Unterbrechung von 1890 bis 1950 in Jena arbeitete und lehrte. Im letzten Kapitel geben Pöthe und Hahn einen Überblick über die Germanistik in Jena zwischen 1945 und 1989. sl
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Reinhard Hahn, Angelika
Pöthe (Hg.): "…und was hat es für Kämpfe gegeben.", Studien zur Geschichte der Germanistik an der Universität Jena. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2010, 320 Seiten, Preis: 39 Euro, ISBN: 978-3- 8253-5648-4
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Ossis sind anders
Medien zementieren Vorurteile
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Der "Ossi" ist immer "Ossi"; "Wessi" ist man dagegen nur solange, wie man sich im Osten aufhält. So einer der zentralen Befunde der aktuellen Publikation "Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990". Am tradierten Bild von den "Ossis" habe sich bis ins zweite Jahrzehnt der deutschen Einheit hinein wenig geändert, macht Prof. Dr. Rainer Gries von der Uni Jena deutlich. Der Historiker ist einer der Herausgeber des neuen Bandes.
Bis heute würden Ostdeutsche von Westdeutschen als fremdartig wahrgenommen. So porträtiert die "taz" Ostdeutsche beispielsweise häufig als "von der Diktatur deformierte, autoritäre Persönlichkeiten". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) wiederum kritisiert regelmäßig, dass sich die Ostdeutschen zu wenig mit der Bundesrepublik identifizierten.
Wenn überregionale Medien Ostdeutschland thematisierten, dann vor allem zu Themen der Innenund Parteipolitik, Wirtschaftspolitik sowie Geschichte. Bei den Politik- und Wirtschaftsthemen erscheinen ostdeutsche Regionen zumeist passiv: als Objekt politischer Aktivitäten des Westens oder als Empfänger von Zuwendungen. Und im Bereich der Geschichts-Themen dominierte mit Abstand das Problem der "Stasi" und ihrer Machenschaften. sl
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Thomas Ahbe, Rainer
Gries, Wolfgang Schmale (Hg): Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990. Leipziger Universitätsverlag,
Leipzig 2009, 217 Seiten,
Preis: 24 Euro, ISBN:
978-3-86583-391-4
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Zugänge zur Politik
Wie Politik verständlich wird
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Was genau ist Politik? Welchen Mechanismen ist sie unterworfen? Antworten auf diese Fragen - und vor allem Möglichkeiten, diese zu vermitteln - bietet das Buch "Politik verstehen lernen. Zugänge im Politikunterricht". Herausgegeben wird der Band von Prof. Dr. Carl Deichmann, Professor für Didaktik der Politik der Universität Jena, und Prof. Dr. Ingo Juchler von der Uni Göttingen.
Die politische Realität stellt Politiklehrer vor eine besondere Herausforderung: Während in anderen Wissenschaften Textinterpretationen als Mittel zur Wissensvermittlung dienen, müssen politische Texte vertieft analysiert werden. Denn sie sind "vorinterpretiert und durch die in Gesellschaft und Politik Handelnden mit Sinn erfüllt", so die Autoren. Um zu verstehen, was ein Politiker sagt, müsse nicht nur seine Wortwahl beachtet, sondern auch die politische Situation, die unterschiedlichen Interessenlagen, die Adressaten und der Zeitpunkt der Rede berücksichtigt werden.
Im Theorieteil des neuen Bandes stellen die Autoren grundlegende politikdidaktische Ansätze vor: Interpretationen klassischer Texte ebenso wie die Auseinandersetzung mit politischen Reden, Bildern, Filmen und symbolischer Politik. Anschließend verknüpfen die Autoren die Theorie mit der Praxis: Jeder Autor erklärt in einem zweiten Aufsatz, wie sich sein Ansatz methodisch im Unterricht umsetzen lässt. sh
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Carl Deichmann, Ingo
Juchler (Hg): Politik
verstehen lernen. Zugänge
im Politikunterricht. Wochenschau Verlag,
Schwalbach/Ts. 2010, 141 Seiten, Preis: 14,80 Euro,
ISBN: 978-3- 89974570-2
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„Gentests“ für Pilze
| PD Dr. Kerstin Voigt von der Universität Jena hat mit ihrem Kollegen Youssuf Gherbawy von der saudi-arabischen Taif University ein Lehrbuch zur molekularbiologischen Pilzbestimmung herausgegeben. Bei der Neuerscheinung "Molecular Identification of Fungi" handelt es sich jedoch nicht um eine Bestimmungshilfe für Pilzsammler beim nächsten Waldspaziergang. "Uns geht es um mikroskopische Pilze, zum Beispiel Schimmel- oder Hefepilze", macht Dr. Voigt deutlich. "In jüngster Zeit hat sich das Methodenspektrum zur Bestimmung dieser Keime grundlegend gewandelt", erläutert die Leiterin des Jenaer Pilzreferenz- Zentrums. So haben mittlerweile molekularbiologische Methoden in die mykologischen Labore Einzug gehalten. Diese neuen Methoden prägnant und in ihrer gesamten Bandbreite darzustellen, ist das Anliegen des neuen Bandes. In 20 Beiträgen des über 500-seitigen Werkes werden neue, innovative Verfahren der Pilzdiagnostik vorgestellt. US |
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Youssuf Gherbawy, Kerstin Voigt (Hg.): Molecular Identification of Fungi. Springer Verlag Heidelberg
2010, 501 Seiten, Preis: 181,85 Euro, ISBN: 978-3-642-05041-1
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Orte der Geographie
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Eine Zwischenbilanz der Entwicklung der handlungszentrierten (Sozial-)Geographie hat Prof. Dr. Benno Werlen, Inhaber des Lehrstuhls für Sozialgeographie der Universität Jena, vorgelegt: Im Franz Steiner Verlag erschien soeben mit "Orte der Geographie" der erste Band des zweibändigen Buchprojektes "Gesellschaftliche Räumlichkeit".
Der Band mündet in der Darstellung einer theoretischen Neuorientierung sozialgeographischer Forschung: Demnach ist Geographie - also Räume, Regionen - nicht per se, sondern wird durch unser alltägliches Handeln erst gemacht.
Mit diesem Ansatz stellt Benno Werlen eine wichtige Weiche für die interdisziplinäre Anschlussfähigkeit der Geographie zu Sozial- und Geisteswissenschaften. "Orte der Geographie" gibt einen fachhistorischen, methodologischen und sozialtheoretischen Überblick über die wichtigsten Stationen hin zu einer handlungszentrierten Geographie. enk
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Benno Werlen: Gesellschaftliche
Räumlichkeit, Bd. 1: Orte
der Geographie. Franz
Steiner Verlag, Stuttgart
2010, 334 Seiten, Preis: 29 Euro, ISBN- 13: 978-3515091220, ISBN-10: 351509122X
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letzte Änderung: am 2010-06-28 16:04:57 © FSU Jena
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