Friedrich-Schiller-Universität Jena
 

Uni Home | Stabsstelle Kommunikation
Inhalt
Editorial
Forschung
Medizin
Lehre
Rubriken
Impressum
platzhalter

Forschungsprojekte

Flexible Elektronik aus dem Drucker

Chemiker entwickeln in EU-Projekt „LOTUS“ hochleitfähige Strukturen

Elektronische Anwendungen effektiver, sparsamer und umweltfreundlicher zu gestalten - dieses Ziel verfolgen die Chemiker um Prof. Dr. Ulrich S. Schubert im neuen europäischen Gemeinschaftsprojekt "LOTUS". LOTUS steht für "LOw TemperatUre Sintering" und wird im 7. Forschungsrahmenprogramm (FP-7) der Europäischen Union in den kommenden drei Jahren mit vier Millionen Euro gefördert. 400 000 Euro davon gehen an die Arbeitsgruppe um Prof. Schubert vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie. In Zusammenarbeit mit neun Partnern aus Industrie und Wissenschaft wollen die Jenaer Chemiker im LOTUS-Projekt neue Technologien zur Herstellung hochleitfähiger Strukturen für die Massenproduktion von großflächiger und biegsamer Elektronik entwickeln.

Umweltfreundliche Technologie

"Wir konzentrieren uns im LOTUS-Projekt speziell auf Anwendungen, die bereits weit entwickelt sind und die größten Kommerzialisierungsmöglichkeiten bieten", sagt Prof. Schubert und nennt biegsame Dünnschicht-Photovoltaik für neuartige Solarzellen, das berührungslose Auslesen und Beschreiben eines Datenträgers mithilfe der Funktechnologie (RFID) sowie organische LEDs (OLEDs) für die Beleuchtungstechnik als Beispiele. "Unser Ziel ist es, eine Technologiebasis für die kostengünstige, energieeffiziente, umweltfreundliche sowie Rollendruck-kompatible Herstellung hochleitfähiger Strukturen mit hoher Auflösung zu schaffen", so Schubert.

Innerhalb des LOTUS-Projekts, das vom Holst Centre im niederländischen Eindhoven koordiniert wird, haben Prof. Schubert und sein Team die Aufgabe, neue selektive Heiztechniken für das Sintern gedruckter leitfähiger Strukturen zu verbessern. Diese sollen möglichst geringe Prozesstemperaturen ermöglichen, was den Einsatz gängiger Polymerfolien erlaubt. "Eine dieser Methoden ist die Mikrowellenstrahlung, welche die Herstellungszeit erheblich reduzieren kann, so wie es auch beim Erhitzen von Speisen der Fall ist", macht Projektmitarbeiter Dr. Jolke Perelaer deutlich.

Von der Zusammenarbeit mit Materialwissenschaftlern, Technologieentwicklern und Endverbrauchern versprechen sich die Chemiker innovative Lösungen, die sich schnell und effektiv mit geringem finanziellen und zeitlichen Aufwand umsetzen lassen. "Dies wird auch die Umsetzung in die Massenproduktion beschleunigen", erwartet Schubert.  doc

Biegsame Elektronik. Kontakt: Prof. Dr. Ulrich S. Schubert Tel.: 03641 / 948200 E-Mail: ulrich. schubert@uni-jena.de
Biegsame Elektronik.

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich S. Schubert
Tel.: 03641 / 948200
E-Mail:

Foto: Perelaer

 

[nach oben]

Im Supermarkt den Überblick behalten

Wirtschaftswissenschaftler prüfen Kennzeichnung von Lebensmitteln

Etikette2Die Verpackungen von Lebensmitteln sind heute voll von Informationen: Wie viel Energie enthält ein Produkt? Was steckt an Nährstoffen wie Zucker, Fett oder Salz darin? Welche Zutaten enthält es? "Hinzu kommen Label wie das ,Bio'- oder ,fair trade'-Siegel oder gesundheitsbezogene Informationen", sagt Prof. Dr. Roland Helm von der Universität Jena. "Die dargestellten Informationen richtig lesen und interpretieren zu können, ist nicht leicht", so der Inhaber des Unilever-Stiftungslehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.

Besonders ältere Menschen haben es schwer, am vollen Supermarktregal den Überblick zu behalten. Wie sich die steigende Informationsfülle auf Lebensmittelverpackungen auf das Kaufverhalten speziell von älteren Menschen auswirkt, das wollen Marketingexperten im Team um Prof. Helm in den kommenden zwei Jahren in einem Forschungsprojekt herausfinden. Das Projekt wird vom Stiftungsfonds Unilever zur Förderung der Wissenschaften unterstützt.

"Wir wollen zunächst die Einflussfaktoren ausfindig machen, die das Kaufverhalten von älteren Menschen bestimmen und prüfen, ob diese bei der Lebensmittelkennzeichnung eine Rolle spielen", erläutert Projektmitarbeiter Daniel Conrad. Dieser Frage komme angesichts der sich stetig ändernden Altersstruktur der Gesellschaft eine wachsende Bedeutung zu. "Zum anderen wollen wir ermitteln, in welchem Umfang altersbedingte Effekte in der Informationsverarbeitung veränderte Ansprüche an die Kennzeichnung von Lebensmitteln erwarten lassen", so Diplom-Kaufmann Conrad.

Für ihre Untersuchung planen die Wirtschaftswissenschaftler zunächst verschiedene konkurrierende Kennzeichnungssysteme hinsichtlich ihrer Eignung zur Informationsvermittlung zu vergleichen. So wollen sie z. B. die aktuell diskutierte "Ampelkennzeichnung" unter die Lupe nehmen, die dem Verbraucher den Nährwertgehalt anhand der Farben rot, gelb und grün signalisiert.

Anschließend geht es darum zu analysieren, ob und wie sich in einzelnen Altersgruppen die Wahrnehmung von Kennzeichnungssystemen unterscheidet und ob sich daraus altersbedingte Faktoren ergeben, die Unterschiede im Kaufverhalten erklären können. Langfristiges Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen für ein Lebensmittelkennzeichnungssystem geben zu können, das speziell auf ältere Menschen zugeschnitten ist.     US

Kontakt:
Prof. Dr. Roland Helm / Daniel Conrad
Tel.: 03641 / 943110
E-Mail:


Was steckt in unseren Lebensmitteln? Wie Kennzeichnungssysteme aussehen müssen, damit ältere Menschen sie richtig verstehen, das untersuchen Marketingexperten der Uni Jena.

Foto: Scheere

[nach oben]

Stabile Energiebündel

Verbundvorhaben „MOFA“ will Faserlaser besser fokussieren

Faserlaser_bathkeFaserlaser sind heute ein unverzichtbares Werkzeug in der industriellen Fertigung. Noch lässt sich allerdings der Strahl ab einem bestimmten Leistungsniveau nur schlecht fokussieren. "Die Skalierung von brillanten Faserlasern stößt durch das Auftreten von Instabilitäten und durch Degradationseffekte an Grenzen", erläutert Prof. Dr. Andreas Tünnermann. "So wird bei zunehmenden thermischen Lasten ein anormales, teilweise chaotisches Modenverhalten beobachtet, das die Stabilität und Strahlqualität unkontrolliert verschlechtert", so der Direktor des Instituts für Angewandte Physik (IAP) der Universität Jena und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) weiter.

Faserlaser weiter entwickeln

Für die Weiterentwicklung von Faserlasersystemen, insbesondere im Hochleistungs- und im Impulsbetrieb, sei das Verständnis dieser Effekte von grundlegender Bedeutung. Deshalb werden diese nun in dem gerade gestarteten Jenaer Verbundprojekt "Modenfeldstabilisierung in Hochleistungs-Faserlaser- und -verstärkersystemen" (MOFA) erforscht. Das Projekt wird in den nächsten drei Jahren im Rahmen des Programms ProExzellenz vom Freistaat Thüringen mit 1,65 Millionen Euro gefördert. Gemeinsam wollen das IAP, das IOF sowie das Institut für Photonische Technologien nun neuartige Faserlaser mit monomodiger Strahlqualität bei höchsten Leistungen entwickeln.

"Mit dieser Förderung wird die Kompetenz der Partner nachhaltig gestärkt und der wissenschaftliche Nachwuchs im Bereich optischer Technologien gefördert und gesichert", betont Projektkoordinator Tünnermann. "Wir haben durch die Kooperation der Partner die Chance, die Grundlagen für die Lasertechnik der nächsten Generation zu schaffen."

Faserlaser bestehen aus optischen Fasern, in die geringe Mengen eines aktiven Materials, meist Selten-Erd-Metalle, eingebettet werden. Speist man in die Faser Licht ein, werden diese Teilchen angeregt und geben Energie als emittierte Laserstrahlung ab.                                     AB

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Tünnermann
Tel.: 03641 / 947800 oder 807202
E-Mail:

Ein Hochleistungs-Faserlaser in Aktion.

Foto: Bathke


[nach oben]

Hat Ernst Abbe sich geirrt?

Forschungsverbund „PhoNa“ erprobt neuartige photonische Materialien

PhoNa3Selbst das beste Mikroskop hat seine Auflösungsgrenze. Diese fundamentale Erkenntnis von Ernst Abbe hat seit 100 Jahren in der Optik Bestand. Demnach ist die maximale Auflösung eines Mikroskops durch die Wellenlänge des verwendeten Lichtes begrenzt. "Für ein gewöhnliches Lichtmikroskop heißt das, das beobachtete Objekt muss mindestens eine Größe von einigen Hundert Nanometern haben, um eindeutig erkennbar zu sein", macht Prof. Dr. Thomas Pertsch von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich. Das sei zwar für den Laien schon ziemlich klein. Doch für Optikexperten wie den Professor für Angewandte Physik und Nanooptik "keineswegs als Limit akzeptabel".

Um die optischen Technologien grundlegend weiter zu entwickeln, hat sich an der Jenaer Universität der Forschungsverbund "PhoNa" zusammengeschlossen. Im Rahmen der Initiative "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern" fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung "PhoNa" in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt zehn Millionen Euro. Das Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur steuert innerhalb des ProExzellenz-Programms weitere fünf Millionen Euro bei. Im März hat das Konsortium mit einem hochkarätig besetzten internationalen Workshop seine Arbeit aufgenommen.

Ziel von "PhoNa" sei es, Materialien mit völlig neuen optischen Eigenschaften zu erschaffen, sagt "PhoNa"-Sprecher Pertsch. Dazu setzen die Forscher gezielt die Gesetze außer Kraft, nach denen die Natur normalerweise die Strukturen der Materie schafft. "Mittels Elektronenstrahllithographie lassen sich z. B. Goldteilchen in geometrische Anordnungen strukturieren, die in der Natur nicht vorkommen würden", so Pertsch. Die so erreichte hoch-symmetrische Anordnung von Goldteilchen ermöglicht eine viel stärkere Wechselwirkung mit Licht für diese nano-strukturierten Materialien. Mit derartigen nano-strukturierten optischen Materialien wollen die Jenaer Physiker nicht nur den Weg zu neuen hochauflösenden Mikroskopen ebnen, für die Abbes Auflösungslimit keine Geltung mehr hat. Auch in der Mikroelek­tronik, der Dünnschicht-Photovoltaik oder der bioanalytischen Sensorik ergeben sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten.

Neben Jenaer Uni-Instituten sind auch das Institut für Photonische Technologien e. V., das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik sowie Industriepartner (Jenoptik AG, Carl Zeiss AG) an "PhoNa" beteiligt.                 US


Kontakt:
Tel.: 03641 / 947840
E-Mail:

Nano-strukturierte Oberfläche aus Gold
Foto: IAP

Pertsch_laudien
"PhoNa"-Sprecher Prof. Dr. Thomas Pertsch.
Foto: Laudien

 

[nach oben]

Die Kinderstube des Sonnensystems

Astro- und Festkörperphysiker erforschen die Planetenentstehung

meteor2Ist unser Sonnensystem ein ganz "normales" oder weist es im Vergleich mit anderen ungewöhnliche Eigenschaften auf? Dieser Frage geht die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bei ihrem Schwerpunktprogramm "The first 10 Million years of the solar system" nach, das 2009 gestartet wurde. Wissenschaftlern der Universität Jena ist es jetzt gelungen, daraus Drittmittel für zwei Jahre in Höhe von etwa 450 000 Eu­ro einzuwerben.

"Beteiligt sind die Astrophysiker mit der Beobachtergruppe und der Labor-Astrophysik sowie das Institut für Festkörperphysik", sagt Prof. Dr. Ralph Neuhäuser, der den Lehrstuhl für Astrophysik innehat. Insgesamt können fünf Wissenschaftler für zunächst zwei Jahre eingestellt werden, außerdem wurden Reise- und Sachmittel bewilligt. "Darunter sind gut 100 000 Euro für Arbeiten mit unserem Teleskop in Großschwabhausen, für das wir erstmals DFG-Drittmittel einwerben konnten", betont Neuhäuser.

Die Jenaer Wissenschaftler beobachten nun zum einen "junge" Sonnensysteme, die jünger als zehn Millionen Jahre alt sind. Zum anderen untersuchen sie Material aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. In den Fokus rücken deshalb Asteroiden und Kometen. "Meteorite enthalten Material aus dem Weltraum, das so alt ist wie unser Sonnensystem", sagt Dr. Harald Mutschke. Der Astrophysiker wird zusammen mit einem neuen Doktoranden Proben solcher 4,56 Milliarden Jahre alten Materialien im Labor untersuchen. Analysiert werden etwa die optischen Eigenschaften der enthaltenen Minerale bei Temperaturen bis zu 800 Grad Celsius. "Das entspricht den Temperaturen, wie sie in den Sonnensystemen herrschen, die unsere Kollegen beobachten", sagt Mutschke. Aus dem Vergleich erhoffen sich die Wissenschaftler neue Einblicke in die Frühzeit unseres Sonnensystems.

Die "jungen" Sonnensysteme sind zwischen 100 und 400 Lichtjahre von der Erde entfernt, also relativ enge Nachbarn. Neben den eigenen Beobachtungen in Großschwabhausen werden Daten an der europäischen Südsternwarte in Chile aufgenommen und ausgewertet. Die Universität Jena kooperiert bei diesen Projekten mit den Universitäten in Rostock, Kiel und Hamburg.

Dr. Cornelia Jäger vom Institut für Festkörperphysik untersucht sogenannte GEMS - das sind häufige, isotopisch abweichende Partikel in Meteoriten. GEMS steht für Glas mit eingebetteten Metall- und Sulfidpartikeln. Es wird vermutet, dass diese GEMS älter sind als unser Sonnensystem - ein Beweis steht indes noch aus. "Wir wollen im Labor mögliche kosmische Bildungsmechanismen von GEMS simulieren", sagt Dr. Jäger. Die Forscher setzen ihre im Labor erzeugten Proben Ionen energiereicher Strahlung aus. Danach werden die Silikate untersucht, um ihre Veränderungen zu verfolgen. "Unsere Ergebnisse sollen die Beziehungen zwischen zirkumstellaren, interstellaren und primitiven Silikaten im Sonnennebel dokumentieren. Und sie werden dazu beitragen, die Natur der Festkörpermaterialien zu erfassen, die am Anfang der Planetenentstehung stehen", sagt Jäger. Auf diese Weise wollen die Wissenschaftler einen Blick in die Kinderstube unseres Sonnensystems werfen.                                                      sl

Kontakt:
Prof. Dr. Ralph Neu­häuser / Dr. Harald Mutschke / Dr. Cornelia Jäger Tel.: 03641 / 947500, 947533, 947354 E-Mail: ,
,

Ein Stück des Meteoriten "Allende", der 1969 mit einem Gewicht von über drei Tonnen in Mexiko auf die Erde fiel. Kalzium-Aluminium-Einschlüsse (wie das helle unregelmäßig geformte Gebilde, links der Bildmitte) werden als die ältesten Festkörper des Sonnensystems angesehen und in dem aktuellen Projekt untersucht.
Foto: Posch

Sternhaufen_tr37
In dem wenige Millionen Jahre "jungen" Sternhaufen Truempler-37 wird im Rahmen des neuen DFG-Schwerpunkts nach Planeten-Transits gesucht.
Foto: Mugrauer, Marka, Baar

 

[nach oben]

Sex unter Insekten

Zoologen untersuchen die Vielfalt des männlichen Genitalapparates

Insektensex_SchnakenVon "Bienen" und "Blumen" handelt so manch umständlicher Versuch, über die sexuelle Fortpflanzung aufzuklären. Doch wie machen "es" die Bienen tatsächlich? Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Rolf Beutel von der Universität Jena nimmt den Paarungsakt von Bienen, Fliegen, Käfern und anderen Insekten in den kommenden zwei Jahren intensiv unter die Lupe: In einem Forschungsprojekt wollen die Insektenforscher ergründen, welche Rolle der männliche Genitalapparat für die Evolution von Insekten spielt. Das Projekt wird von der VolkswagenStiftung mit rund 150 000 Euro unterstützt.

Evolution des Genitalapparates

Im Mittelpunkt des Vorhabens stehen die "holometabolen" Insekten: Sie machen in ihrer Entwicklung eine Metamorphose von einer Larve über eine Puppe zum ausgewachsenen Insekt durch. Neben vielen morphologischen Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen innerhalb der Vertreter einer Ordnung fällt auf, dass der männliche Genitalapparat dieser Insekten außerordentlich vielgestaltig ist. "Häufig dient er als alleiniges Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Arten", macht Prof. Beutel deutlich. Dem Entomologen und seinem Team vom Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie stellt sich deshalb die Frage, warum es diese Vielfalt der männlichen Genitalien gibt und welche Bedeutung sie für die Evolution der Insekten hat.

"Inhaltlich wird es vor allem um anatomische Aufnahmen der Genitalien der Insekten gehen", erläutert Projektmitarbeiter Dr. Frank Hünefeld die bevorstehende Arbeit. Mit der Mikro-Computertomographie (Mikro-CT) wird von den Jenaer Entomologen ein besonderes bildgebendes Verfahren verwendet, das hochauflösende morphologische Aufnahmen ermöglicht.

"Wir wollen nicht nur die Geschlechtsorgane im Detail studieren, sondern auch den Paarungsakt selbst im Bild festhalten", so Dr. Hünefeld. Am Ende der zweijährigen Laufzeit des Forschungsprojekts sollen die Ergebnisse in einen wissenschaftlichen Workshop und eine Sonderausstellung im Phyletischen Museum für die Öffentlichkeit münden. Geplant ist, aus den Mikro-CT-Aufnahmen überlebensgroße dreidimensionale Modelle der Insekten zu erstellen. Der Arbeitstitel der Ausstellung steht bereits fest: "Was Sie schon immer über Insekten und Sex wissen wollten." "Wir betreiben folglich ,Aufklärung' im wörtlichen Sinne", sagt Prof. Beutel mit einem Augenzwinkern. Den Bienen sei Dank.                               US

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf Beutel
Tel.: 03641 / 949153
E-Mail:


Einblick in die Hinterleibsenden kopulierender Schnaken, aufgenommen mit Mikro-CT (Rot: Weibchen, Blau: Männchen).
Foto: Beutel


 

[nach oben]

Zweiflüglern aufs „Maul“ geschaut

DFG fördert Projekt zur Evolution von Mücken und Fliegen

Unter mehr als einer Million Insektenarten zählen die "Diptera" (zu Deutsch: Zweiflügler) nicht eben zu den Sympathieträgern. "Zu dieser Insektenunterordnung gehören Mücken und Fliegen und die sind in erster Linie lästig und als Überträger von Krankheiten bekannt", weiß Insektenforscher Prof. Dr. Rolf Beutel von der Universität Jena. Andererseits dienen Fliegen - neben Bienen und Schmetterlingen - als Blütenbestäuber. Ihre Larven beseitigen Fäkalien und Kadaver und sind daher wichtige Bindeglieder in den Stoffkreisläufen von Ökosystemen.

"Es handelt sich um eine in ihrer Evolution höchst erfolgreiche Insektengruppe", macht Prof. Beutel deutlich. Mehr als 120000 Zweiflügler-Arten sind bislang beschrieben. Was die Diptera - neben der Zweiflügligkeit - auszeichnet, ist die außerordentliche Vielseitigkeit und Vielgestaltigkeit der Maden und der hoch-spezialisierte Saug- und Stechapparat. Beutel und sein Team wollen in den kommenden drei Jahren in einem neuen Forschungsprojekt herausfinden, "wie sich diese Phänomene in der Stammesgeschichte der Gruppe entwickelt und zu ihrer ,Erfolgsstory' beigetragen haben." Mittels eines hochauflösenden bildgebenden Verfahrens - der Mikro-Computertomographie (Mikro-CT) - werden die Insektenforscher die spezielle Morphologie der Dipteren untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das Vorhaben der Zoologen von der Uni Jena mit rund 150000 Euro.

Im Rahmen des Forschungsprojekts wollen die Entomologen neben heutigen Dipteren, wie Schnaken, Stechmücken oder Gnitzen, auch fossile Vertreter, die eingeschlossen in Bernstein konserviert worden sind, sprichwörtlich unter die Lupe nehmen. Zu den anatomisch-morphologischen Aufnahmen aus Jena werden Kooperationspartner aus den USA und Singapur molekularbiologische Daten beisteuern. "Alle Ergebnisse zusammen werden uns erlauben, die frühe Evolution dieser Insektenordnung zu rekonstruieren", ist Prof. Beutel überzeugt.

3D-Atlas von Drosophila

Quasi als "Nebenprodukt" erwartet Prof. Beutel einen elektronischen anatomischen Atlas von Drosophila melanogaster. Die Tau- oder auch Fruchtfliege ist nicht nur im heimischen Obstkorb weit verbreitet, sondern als Modellorganismus in zahlreichen Forschungslabors zu Hause. "Wir wollen einen dreidimensionalen Atlas von Drosophila im Insekten- und Larvenstadium erstellen."          US

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf Beutel
Tel.: 03641 / 949153
E-Mail:

Deuterophlebia_Beutel
Mikro-CT einer Bergmücke (Deuterophlebia): Neben Komplexaugen, Antennen und der Mundöffnung sind auch die Mundwerkzeuge zu sehen.
Foto: Beutel

[nach oben]

Wie wirkt die „Neue Rückenschule“?

Studie am Klinikum verfolgt ganzheitlichen Ansatz gegen Rückenschmerz

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in deutschen Arztpraxen. Zweistellige Milliardenbeträge fallen pro Jahr an Behandlungskosten und Kosten durch Krankentage an. Sind die chronischen Rückenbeschwerden da, ist der Kampf oft fast verloren. Die Bemühungen der Ärzte und Gesundheitsfachleute richten sich daher seit langem darauf, akute Rückenschmerzen und deren Übergang in ein chronisches Leiden durch Rückenschulen zu verhindern. Die vorbeugende Wirkung dieser klassischen Rückenschulen, die vor allem auf Aufklärung über korrekte Bewegungsabläufe setzen, gilt als unzureichend und der Ansatz als zu einseitig. Ein ganzheitliches Konzept unter Einbeziehung psychosozialer Aspekte wie es in der "Neuen Rückenschule" umgesetzt wird, scheint Erfolg versprechender.

Die Wirksamkeit dieser neuen ganzheitlichen Rückenschule untersuchen jetzt Wissenschaftler des Jenaer Universitätsklinikums in einer zweijährigen Studie. "Wir werden mit einem Team aus Ärzten, Psychologen und Sportwissenschaftlern über 24 Monate die Teilnehmer des neu entwickelten Rückenschulprogramms begleiten und anhand verschiedener Parameter die Effektivität des veränderten Konzepts überprüfen", erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle. Der Physiologe leitet die in Zusammenarbeit mit den medizinischen Psychologen durchgeführte Studie, die vom Forum Gesunder Rücken Wiesbaden unterstützt und von der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung Bonn beratend begleitet wird.

Die "Neue Rückenschule" setzt in einem umfassenden Konzept neben der aktiven Rückenstärkung vor allem auf die Aktivierung psychischer und psychosozialer Gesundheitsressourcen. Als Erfolgskriterien gelten dabei ein Rückgang der Schmerzen sowie eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Rumpfmuskulatur.

"In der Studie erfassen wir neben Messdaten zu Schmerzen und Muskelkoordination auch psychosoziale Faktoren wie Arbeitszufriedenheit, subjektiv erlebte Funktionsbeeinträchtigung und Angstvermeidungseinstellungen, die Rückenschmerzsymptome beeinflussen können", so Professor Scholle.

Studienteilnehmer gesucht

Die Studienteilnehmer werden dazu vor Beginn der dreimonatigen Rückenschule, kurz nach Beendigung sowie in einer Nachuntersuchung drei und zwölf Monate später untersucht und befragt. Teilnehmen können Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren, die seit mindestens drei Monaten über einen unspezifischen Rückenschmerz klagen. "Über die endgültige Eignung als Studienteilnehmer entscheiden wir in einer Eingangsuntersuchung", so Prof. Scholle weiter.

Interessierte können sich unter der Te­lefonnummer 01850027/1514 für die Studienteilnahme anmelden.            HR

Kontakt:
Prof. Dr. Hans-Christoph Scholle
Tel.: 03641 / 937373
E-Mail:


ruecken_gekauft
Ist der Schmerz erst chronisch, wird man ihn nicht mehr los.
Foto: PeJo

 

[nach oben]

Ist Gier messbar?

Psychologe untersucht Emotionen als Verhaltensgrundlage

Hewig_quer_gntherIrren ist menschlich. Und Banker sind auch nur Menschen. Das ist spätestens seit der anhaltenden Weltwirtschaftskrise bekannt. Als Ursache für die folgenschweren Entscheidungen der Finanzberater und Investoren werden immer wieder leichtsinniges Handeln und zuviel Selbstsicherheit genannt.

"Emotionen - sowohl positive als auch negative - haben einen entscheidenden Einfluss auf unser Handeln", sagt der Psychologe Dr. Johannes S. Hewig. Für seine Untersuchungen zu "Psychologischen Einflussfaktoren bei ökonomischen Entscheidungen" hat der Forscher eines der renommierten Stipendien der VolkswagenStiftung erhalten. Das mit 521 300 Euro dotierte "Schumpeter-Fellowship" stellt Hewig umfassende Sach- und Personalmittel zur Verfügung, die es ihm ermöglichen, seine Studien in den kommenden fünf Jahren fortzusetzen.

Die Wirkung von Emotionen auf unser Verhalten genauer zu beschreiben, um dieses gegebenenfalls sogar steuern zu können, ist das Ziel des Forschungsprojektes, welches Dr. Hewig am Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie leitet. "Ein wichtiger Aspekt in der Steuerung von Verhalten wird durch das Gesetz des Effektes beschrieben", er­läutert der Psychologe. "Es besagt, dass wir durch Belohnung oder Erfolg zur Wiederholung unserer Taten angeregt werden", so Hewig weiter, der in Kürze eine Professur in Würzburg antreten wird. Diese Erkenntnisse aus der klassischen Lernpsychologie will er nun in einen ökonomischen Kontext einbetten. Das Projekt ist in drei Schwerpunkte unterteilt.

Beim "Ultimatum-Spiel" werden anhand computersimulierter Szenarien Testpersonen in zwei Gruppen aufgeteilt, die miteinander um virtuelle Geldbeträge "spielen". Dabei möchte der 35-Jährige herausfinden, welche emotionalen Zustände die Entscheidungen der Spieler beeinflussen. Ist Gier womöglich messbar? Außerdem untersucht Hewig die spezielle Gefühlswelt von Jugendlichen, da deren Hirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist. "Sie haben oftmals Probleme, ihre Emotionen zu kontrollieren und neigen zu einem erhöhten Risikoverhalten", weiß der Psychologe. Er möchte nun herausfinden, ob Jugendliche deswegen sensibler auf Emotionen und Veränderungen reagieren als Erwachsene. Das dritte Teilprojekt mit dem Namen "Entscheidungsprozesse unter Risikobedingungen" soll die Wirkung von Bestrafungs- und Belohnungseffekten bei riskanten wirtschaftlichen Entscheidungen untersuchen. "Als Probanden für diese Gruppe wurden Unternehmer ausgewählt", erzählt Hewig.

Bereits wenn im Herbst die ersten Zwischenergebnisse vorliegen, könnte die Vermutung, dass Finanzanleger in scheinbar unsicheren Zeiten aus Angst durchaus zurückhaltender handeln als in Zeiten der Euphorie, eine wissenschaftliche Bestätigung erfahren.                doc

Kontakt:        
Tel.: 03641 / 945144    E-Mail:



Der Psychologe PD Dr. Johannes S. Hewig untersucht u. a., ob uns ein Sicherheitsgefühl waghalsiger macht.
Foto: Günther

[nach oben]

Wer Schokolade am besten verkauft

Humboldt-Stipendiat Dominik Güss erforscht komplexes Verhalten

Gss2_scheereEinmal Feuerwehrmann sein - mit der Computersimulation "WINFIRE" erfüllt sich Prof. Dr. Dominik Güss nicht nur einen Jugendtraum. Für den kulturvergleichenden Kognitionspsychologen geht es nicht in erster Linie um Spielfreude und Spaß an strategischem Handeln. In der Regel spielt er auch nicht selbst, sondern beobachtet andere dabei. "Mich interessiert, wie Menschen mit komplexen Problemen umgehen", so der Wissenschaftler von der University of North Florida in Jacksonville (USA), der mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung u. a. in Jena forscht. Dazu konfrontiert Güss Personen aus verschiedenen Kulturen mit Computersimulationen und untersucht, wie sie gestellte Aufgaben lösen. "Vor allem das Wechselspiel zwischen logisch-strategischem Handeln und der breiten Palette an Emotionen ist interessant", sagt Güss schmunzelnd. Während sich deutsche Versuchspersonen vor allem als strategische Planer mit kühlem Kopf entpuppten, äußerten Brasilianer äußerst wortreich Freude oder Unmut über das Erreichte.

Für seinen Aufenthalt in Deutschland hat sich der gebürtige Augsburger Jena ausgesucht. Wichtigster Partner hier ist Prof. Dr. Stefan Strohschneider, mit dem ihn bereits frühere Kontakte verbinden. "Professor Güss ist einer der ganz wenigen Kognitionspsychologen mit kulturvergleichender Orientierung und kulturwissenschaftlichen Interessen", so der Professor für Interkulturelle Kommunikation, der Güss nach Jena einlud.

Wie Unsicherheit erlebt wird

Mit seinen Kollegen vom Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Jenaer Uni richtet Prof. Güss seit Jahresbeginn nun den Blick auf die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA. Anhand der Computersimulation SchokoFin wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie Menschen mit dem Erleben von Unsicherheiten umgehen. Dazu bekommen die Testpersonen die Leitung einer Schokoladenfabrik übertragen. "Es geht darum, möglichst gut zu wirtschaften und im Wettbewerb mit der Konkurrenz gut zu bestehen", sagt Prof. Güss.

Die Vorbereitungen für die Studie, an der 140 Personen aus beiden Ländern teilnehmen sollen, laufen bereits. Die Untersuchungen werden parallel in Jena und in Jacksonville in Florida laufen. Wenn Güss ab Juni zurück in Jena ist, wird sich zeigen, wo die geschicktesten Schokoladen-Fabrikanten wohnen.
Wer in Jena an dem Experiment teilnehmen möchte, der kann sich per E-Mail bei Prof. Strohschneider anmelden ().  US


Kontakt:       
E-Mail:

Prof. Dr. Dominik  Güss sitzt am Computer bei der In­terkulturellen Wirtschaftskommunikation und spielt Feuerwehrmann, um zu erforschen, wie Menschen mit komplexen Problemen umgehen.
Foto: Scheere

[nach oben]

Zellen im Überwachungskanal

Künstliches Gefäßsystem ersetzt Tierversuche in der Wirkstoffforschung

Gemeinsam mit den Industriepartnern AVISO GmbH, Polymet e. V. und Carl Zeiss MicroImaging GmbH entwickeln Wissenschaftler des Uniklinikums ein Flusskammersystem, das die Echtzeitbeobachtung des Verhaltens lebender Zellen in den Gefäßen eines künstlich geschaffenen Zellverbandes ermöglicht. Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Technologie unterstützt die Kooperation mit über einer Million Euro. In zwei Jahren wollen die Partner einen Prototyp ihres Flusskammersystems präsentieren, das Tierversuche in der Wirkstoffforschung verzichtbar macht.

Die Wanderung von Zellen innerhalb des Gefäßsystems und die Wechselwirkung mit den Zellen der Gefäßwand spielen eine zentrale Rolle bei nahezu allen Lebensprozessen - auch bei der Entstehung von Krankheiten. Beispiele dafür sind Krebszellen oder auch kleinste Verletzungen an der Arterieninnenhaut, die Ablagerungen von Blutfetten begünstigen und so zum Verstopfen von Arterien führen. Wegen der Vielzahl biologischer, chemischer und auch physikalischer Faktoren, die diese Prozesse beeinflussen, sind bei der Suche nach neuen Pharmawirkstoffen Tests im Reagenzglas nicht ausreichend. Kandidaten für neue Medikamente müssen im lebenden Organismus getestet werden - also im Tierversuch.

Analyse in Echtzeit

"Neben dem großen ethischen Problem haben wir in der gefäßmedizinischen Forschung den Nachteil, dass wir immer nur eine Momentaufnahme vom Krankheitsprozess sehen", gibt Dr. Sandy Mosig vom Klinikum zu bedenken. "Eine Echtzeitanalyse der physiologischen Vorgänge, die Wochen oder Monate andauern, ist so nicht möglich." Die Zellen auf ihrem Weg durch Blut- oder Lymphgefäße direkt beobachten zu können, das ist das Ziel des jetzt gestarteten Entwicklungsvorhabens. "Unser Ziel ist ein Gefäß-Modell mit vollständigem, aus mehreren Zelltypen bestehendem Wandgewebe, das echten Blutgefäßen sehr nahe kommt, und in dem wir wichtige physiologische Parameter einzeln regulieren können", so Projektleiter Mosig.

Die AVISO GmbH wird die Geräte- und Steuerungstechnik entwickeln. Das fluoreszenzmikroskopische Auswertungssystem liefert und betreut die Carl Zeiss MicroImaging GmbH. Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Dieter Klemm vom POLYMET Jena e. V. haben große Erfahrung im Design von Biomaterialien aus Nanocellulose. Auf einem solchen Gerüst aus Nanocellulose sollen die Zellverbände aufwachsen, die die Gefäßwände des Modells bilden werden.

Mit Hilfe modernster elektronenmikroskopischer Verfahren werden die Wissenschaftler des Elektronenmikroskopischen Zentrums des Uniklinikums die feinsten Strukturen im Aufbau der künstlichen Blutgefäße charakterisieren.                                              vdG

Kontakt:
Dr. Sandy Mosig
Tel.: 03641 / 934813
E-Mail:


 

[nach oben]

letzte Änderung:  am 2010-06-28 15:57:24   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang