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Für Lehrer glich der Start ins Berufsleben früher oft einem Sprung ins kalte Wasser, kamen sie doch mit der Schulwirklichkeit meist erst nach ihrem Studium in Kontakt. Für heutige Lehramtsstudierende der Friedrich-Schiller-Universität ist das deutlich anders: Das "Jenaer Modell der Lehrerbildung" sieht für sie nach dem vierten bzw. fünften Semester verpflichtend ein fünfmonatiges Praxissemester in einer Thüringer Schule vor.
Begründete Berufswahl
"Die Studierenden sollen einerseits so viele praktische Erfahrungen sammeln, dass sie sich begründet für oder gegen das Lehramt entscheiden können", sagt PD Dr. Karin Kleinespel. "Andererseits sollen sie befähigt werden, ihre Erfahrungen zu theoretisieren und exemplarisch in Handlungsmodelle zu übersetzen", so die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung und Didaktikforschung (ZLD) der Jenaer Universität.
In zwei umfangreichen empirischen Studien geht das ZLD derzeit den Erfahrungen von Studierenden mit dem Praxissemester nach. Im Rahmen des Projekts "Kompetenzentwicklung und Lernerfahrungen im Praktikum (KLiP)" unter der Leitung von Dr. Alexander Gröschner werden die Studierenden vom Studienbeginn bis nach dem Praxissemester wissenschaftlich begleitet und zu drei Zeitpunkten - zu Beginn des Studiums, zu Beginn und am Ende des Praxissemesters - befragt. Die große Mehrheit (95 %) der bislang befragten 157 Studierenden verfügten bereits über pädagogische Vorerfahrungen. Im Vergleich: Nur knapp ein Drittel der Studierenden früherer Jahrgänge konnte pädagogische Vorerfahrungen nachweisen: ein Erfolg des Eingangspraktikums im "Jenaer Modell", das vor dem Studium absolviert werden muss.
Weiterhin zeigen die Befunde, dass die Studierenden - aufgrund des Praxissemesters - sieben Mal häufiger die Glegenheit hatten als ihre Kommilitonen in früheren Praktikumsformen, Unterricht selbst zu halten und zu gestalten. "In dieser Hinsicht sprechen die bisher erhobenen Daten zum Kompetenzerwerb im Praxissemester eine deutliche Sprache", betont Dr. Kleinespel. In den Selbsteinschätzungen der Studierenden zeige sich eine generelle Zunahme ihrer Kompetenzentwicklung in den Bereichen Erziehen, Beurteilen und Innovieren. "Besonders stark ist der Kompetenzzuwachs im Bereich des Unterrichtens."
Gute "Noten" vergeben
In der Befragung zeigen sich die Studierenden sehr zufrieden mit dem Praktikum: Auf einer Skala von 1 ("unzufrieden") bis 5 ("sehr zufrieden") votierten sie im Durchschnitt für 4. Im Gegensatz zu früheren Praktikanten fühlen sie sich stärker in das Lehrerkollegium integriert und insgesamt an der Schule besser betreut. Umgekehrt loben die Schulleiter die Vorbereitung der Studierenden auf das Praxissemester. "Diese positive Wechselwirkung von Selbst- und Fremdeinschätzung hat den Berufswunsch der Studierenden, Lehrer zu werden, deutlich bestärkt", freut sich Dr. Kleinespel.
In einer zweiten Untersuchung im Auftrag des Senats der Jenaer Universität gehen die Didaktikforscher studentischen "Belastungen im Studium der Lehrämter (BiS)" (Leitung Dr. Andreas Jantowski) nach. Die Studie ist eine Vollerhebung: Sie erfasst alle Studierenden des Jenaer Modells. Zu den Belastungen im Praxissemester wurden 113 Studierende befragt. "Zwar erfährt die Mehrheit der Studierenden eine deutlich gestiegene Belastung gegenüber dem reinen Universitätsstudium", so Karin Kleinespel, "insgesamt aber schließt die Mehrheit das Praktikum mit einer hohen allgemeinen Studienzufriedenheit ab und erreicht die persönlich gestellten Lernziele." Als Lernziele nennen die Studierenden vor allem, das Berufsbild des Lehrers kennenzulernen, erste Erfahrungen im Umgang mit Schülern zu sammeln und den eigenen Berufswunsch zu überprüfen.
Weiterentwicklungsbedarf bestehe derzeit noch in der Ausgestaltung der universitären Begleitveranstaltungen des Praxissemesters. US
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Differenzierte Ergebnisse
der vorliegenden Studien sind zu finden unter:
www.uni-jena.de/ZLD_Forschung.hmtl

Frontalunterricht à la LehrerLämpel ist passé - dank des Praxissemesters erlangen angehende Lehrer einen erheblichen Kompetenzzuwachs im Unterrichten.
Foto: Archiv
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