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„Navi“ für die Nerven

Prof. Stumm ist neuer Neuropharmakologe

Woher weiß eine Zelle an welcher Stelle des Organismus sie gebraucht wird? "Sie wird von Botenstoffen - den Chemokinen - an ihren Einsatzort gelockt", weiß Prof. Dr. Ralf Stumm (Foto). Der Humanbiologe ist zum Professor für Neuropharmakologie der Universität Jena berufen worden. Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie des  Universitätsklinikums Jena erforscht er die Regulationsmechanismen für die Wanderung von Nervenzellen.

Das Zusammenspiel der Chemokine mit hochspezifischen Rezeptoren in den Zellmembranen wirkt wie ein Navigationssystem für die Zellwanderung. Vor allem in der vorgeburtlichen Entwicklung wandern auch Nervenzellen. Im Gehirn gibt es kurzzeitig richtige "Straßen", auf denen sich bestimmte Zelltypen bewegen. "Von den etwa 50 Chemokinen, die wir kennen, interessiert mich zurzeit besonders das für diese Zellwanderung verantwortliche Neuropeptid und der zugehörige Rezeptor", so Prof. Stumm.

Wie die Produktion des Botenstoffs reguliert wird, unter welchen Umständen welche Zellen mit dem entsprechenden Rezeptor ausgestattet werden und wann er wieder abgebaut wird - das sind einige Fragen, an deren Beantwortung Ralf Stumm forscht. Damit findet der Wissenschaftler zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Forschungsprojekte im Uniklinikum, beispielsweise die Schmerzforschung, die Signalweiterleitung in Zellen oder die Regenerationsprozesse nach einem Schlaganfall sowie im alternden Gehirn.

In die studentische Ausbildung ist Professor Stumm bereits voll eingebunden: Im neu gestarteten Master-Studiengang Molekulare Medizin hält er eine englischsprachige Vorlesung. "Eine echte Herausforderung", so der Hochschullehrer, der sich auch an der Pharmakologie-Ausbildung der Human- und Zahnmediziner beteiligen wird.

Nach seinem Studium der Humanbiologie mit Diplom und Promotion an der Universität in Marburg arbeitete Ralf Stumm an der Universität Magdeburg, wo der Vater von drei kleinen Töchtern sich habilitierte und eine eigene Arbeitsgruppe leitete. vdG

Foto: von der Gönna

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Frauen in der Geschichte

Prof. Mettele hinterfragt Geschlechterentwürfe

Bei einem Blick in Geschichtsbücher fällt auf: Es sind überwiegend Männer, die dort agieren. Dabei haben auch Frauen ihren speziellen Anteil an der Geschichte gehabt. Diesen möchte Prof. Dr. Gisela Mettele (Foto) nun stärker in den Vordergrund stellen, die die erste Professorin für Geschlechtergeschichte der Friedrich-Schiller-Universität ist.

"Bei Geschlechtergeschichte geht es prinzipiell um das Verhältnis von weiblichen und männlichen Geschlechterentwürfen", erläutert die gebürtige Offenbacherin und stellt klar: "Auch Männer sind zu Männern gemacht worden". Die ausgebildete Schneiderin hat sich mit den Frauen seit ihrem Studium an der Universität Frankfurt/M. beschäftigt. In ihrer Dissertation (1994) hat sie das Bürgertum in Köln im 19. Jahrhundert untersucht und dabei auch die weibliche Lebenswelt mit ihren weit gestrickten Netzwerken betrachtet. So haben sich die bürgerlichen Frauen damals unter anderem in Wohltätigkeitsvereinen engagiert und damit manchen sozialen Konflikt entschärft.

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit habe sie "immer versucht, Geschlechtergeschichte als Teil der allgemeinen Geschichte zu sehen", betont Prof. Mettele, die sich 2004 über "Die Herrnhuter Brüdergemeine als internationale Gemeinschaft 1760-1857" an der TU Chemnitz habilitierte. Sie faszinierte die Gruppenidentität, die diese Gemeinschaft auch über den Atlantik hinweg erhielt. "Nicht die technischen Möglichkeiten, sondern der Wille zur Kommunikation war das Entscheidende", so das Fazit der Historikerin, die selbst bisher ein unstetes Wissenschaftlerleben geführt hat. Ein Jahr an der Harvard University (USA), zweieinhalb Jahre am Deutschen Historischen Institut in Washington DC (USA) und zwei Jahre als Lecturer an der Universität von Leicester (GB) belegen ihre international-vergleichende Ausrichtung. AB

Foto: Günther

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Mathematik der Eiszeiten

Prof. Pavlyukevich prüft stochastische Modelle

Verfolgt man den periodischen Wechsel von Hitzeund Kältephasen droht uns in nächster Zukunft keine Klimaerwärmung, sondern eine neue Eiszeit. "Jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach", sagt Prof. Dr. Ilya Pavlyukevich (Foto) von der Universität Jena. Der auf Wahrscheinlichkeitstheorie spezialisierte Mathematiker ist neuer Professor für "Stochastik mit Anwendungen in den Naturwissenschaften".

Seit seiner Doktorarbeit an der Humboldt- Universität Berlin (2002) widmet sich Pavlyukevich speziellen stochastischen Phänomenen. "Die hochkomplexe angewandte Wissenschaft, etwa die Klimaforschung, arbeitet oft mit Tausenden von Variablen und kann trotz der voranschreitenden technischen Möglichkeiten nach wie vor nur näherungsweise Vorhersagen treffen", macht der aus Smolensk in Russland stammende Wissenschaftler deutlich. Dennoch könnten vereinfachte stochastische Modelle, mit denen sich Mathematik beschäftigt, wegweisend in dieser komplexen Welt sein. "Mathematik bildet das Fundament jener Prozesse", so der 36-Jährige.

Neben der Mathematik gilt sein Interesse schon seit langem der deutschen Sprache. Sie war u. a. ausschlaggebend für die Wahl Berlins als Ort seiner Promotion. Vor seinem Wechsel an die Universität Jena hatte Pavlyukevich eine Vertretungsprofessur in Heidelberg (SS 2008) und eine Gastprofessur in Cottbus (WS 2008/09) inne. Zeitgleich mit dem Ruf an die Uni Jena erhielt er auch einen Ruf der Marburger Philipps-Universität. Pavlyukevich ist überzeugt, mit seiner Entscheidung für Jena die richtige Wahl getroffen zu haben. "Der ausgezeichnete Ruf der Uni auf dem Gebiet der Analysis und der Wahrscheinlichkeitstheorie" nennt der zweifache Familienvater als Beweggründe dafür. Dass die Uni Jena ein eigenes Institut für Stochastik besitze, beweise den hohen Stellenwert, den das Fachgebiet hier genießt. doc

Foto: Günther

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letzte Änderung:  am 2010-06-28 16:01:39   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang