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Forschungsprojekte

Lebe wohl Heimat, Amerika ruft

Historiker ergründen mit Schülern die Motivation von Auswandern

Die meisten Menschen kennen es nur aus dem Fernsehen: Auswanderung bietet Stoff für Filme und Serien. Dabei ist Auswanderung seit Jahrhunderten Realität. Mangelnde Perspektiven oder der Traum vom Glück in der Ferne sind von jeher die vornehmlichen Beweggründe von Emigranten, zu neuen Ufern aufzubrechen. Besonders beliebt - gestern wie heute - sind die USA.

Das Land steht auch im Zentrum eines Forschungsprojektes, das Historiker der Universität gemeinsam mit dem Salza-Gymnasium und der Brückenschule Aschara in Bad Langensalza durchführen. Unter dem Titel "Lebe wohl Heimat, Amerika ruft. Auswanderung aus Thüringen im 19. und 20. Jahrhundert" sollen die Schüler Motive und Überlegungen von Auswanderern während dieses Zeitraumes untersuchen. Mit 40.500 Euro wird das Projekt für insgesamt drei Jahre von der "Robert Bosch Stiftung" finanziert.

"Die Thematik des Projekts ist bis heute wenig erforscht und wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, mehr Licht auf dieses interessante Kapitel der thüringischen Geschichte zu werfen", ist Projektleiter Prof. Dr. Jörg Nagler überzeugt.

Eingebunden in das Projekt sind diverse thüringische Archive, wie die Thüringischen Staatsarchive in Rudolstadt, Gotha und Meiningen, sowie renommierte Experten der Migrationsforschung aus dem In- und Ausland. Pro Schuljahr werden sich rund hundert Schüler mit Methoden der Geschichtswissenschaft vertraut machen. "Das Projekt bietet die einmalige Gelegenheit, Schülern die Geschichtswissenschaft in all ihren Facetten nahezubringen und ihnen die Komplexität und Relevanz dieses Fachgebietes zu verdeutlichen", sagt Prof. Nagler.

Jeweils am Ende eines Projektjahres sollen die erzielten Ergebnisse präsentiert werden: durch Broschüren, Ausstellungen oder Internetseiten. Darüber hinaus werden die gesamten Forschungsergebnisse in einem Buch veröffentlicht.

Zudem soll dieses Projekt auch längerfristig eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Schule ermöglichen, um geisteswissenschaftliche Berufsfelder stärker in den Fokus der Schülerperspektiven zu rücken. Ein wichtiger Nebeneffekt des Projektes ist auch, so Nagler, "den Schülern Ablauf und Inhalte eines geschichtswissenschaftlichen Studiums zu vermitteln, um dadurch eine geeignete Informationsbasis für deren Berufs- und Studienwahlorientierung zu bieten". AB

Kontakt:
Tel.: 03641 / 944470
E-Mail:

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Prof. Dr. Jörg Nagler macht aus Schülern Jungforscher, die die Auswanderung aus Thüringen im 19. und 20. Jahrhundert untersuchen.

Foto: Günther

 

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Der Geschmack der Demokratie

„PolitCIGs“ untersucht die politische Kulturgeschichte der Zigarette

Die Augen zusammengekniffen, den Hut weit ins Gesicht geschoben: Betont lässig zündet sich der Marlboro-Mann eine Zigarette an. Der Macho im Cowboy-Outfit ist längst nicht der erste Kerl, der eine Werbebotschaft unters Volk brachte. In den 1930er Jahren warb ein grimmig aussehender SA-Mann in Uniform für die NS-Zigarette "Trommler". Der politische Gegner, die "Eiserne Front" der Sozialdemokratie, empfahl stattdessen die Marken "Freiheit" und "Disziplin".

"Zigaretten können durch ihre Symbolik, durch ihren Geruch und durch ihren Gebrauch versteckt politische Inhalte vermitteln, ja sogar politische Botschaften beglaubigen", sagt Prof. Dr. Rainer Gries. Der Historiker und Kommunikationswissenschaftler leitet den Forschungsverbund "PolitCIGs - Die Kulturen der Zigarette und die Kulturen des Politischen. Zur Sprache der Produkte im 20. und 21. Jahrhundert".

In diesem Projekt kooperieren die Universität Jena, das Museum der Arbeit Hamburg und die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert den Verbund mit rund einer Million Euro im Rahmenprogramm "Die Sprache der Objekte: Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen" für zunächst drei Jahre. Die Wissenschaftler fragen danach, ob und wie politische Kulturen gestützt werden, wenn Individuen, soziale Gruppen, Milieus, Generationen oder ganze Gesellschaften über Zigaretten kommunizieren.

In einer ersten Projekt-Phase wollen die Wissenschaftler das offen Politische in den Blick nehmen. Danach steht das Rauchen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute im Fokus. Für ihre Forschungsarbeit können die Wissenschaftler die Reemtsma-Archive im Museum der Arbeit nutzen: Dazu zählen etwa 3.500 Werbeplakate, rund 25.000 Anzeigenmotive sowie ungefähr 20.000 Zigarettenpackungen. "Dieser Schatz wartet darauf, gehoben zu werden", sagt Rainer Gries. sl

Kontakt:
Prof. Dr. Rainer Gries
Tel.: 03641 / 944409
E-Mail:
 

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Rauchen für die Marine - Welche politische Botschaft vermittelt dieses Werbeplakat von 1914? Das untersuchen Jenaer Historiker im interdisziplinären Forschungsverbund "PolitCIGs" mit Forschern aus Hamburg und Wien.

Foto: Museum der Arbeit

 

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Fossilienforschung mit Biss

Zoologe baut Forschungsgruppe zur Evolution des Kauapparates auf

Kupczik_quer_kasperEs ist das härteste Material des menschlichen Körpers: Der Zahnschmelz hält nicht nur ein Menschenleben lang. Unsere Zähne sind es auch, die uns am längsten überdauern. So gehören Zähne zu den häufigsten fossilen Funden, die von frühen Menschen und ihren Vorfahren übriggeblieben sind. "Einige von ihnen sind fünf Millionen Jahre und älter", sagt der Evolutionsbiologe Dr. Kornelius Kupczik. An ihnen lasse sich ablesen, dass sich Zähne und Kiefer heutiger Menschen stark etwa von denen der Neandertaler und anderer frühen Menschen unterscheiden. "Kurz gesagt: Das Gehirn wurde immer größer und die Zähne immer kleiner", so Kupczik weiter.

Modellsystem Hund

Doch wie genau hat sich der Kauapparat des Menschen im Laufe der Evolution zu seiner heutigen Form entwickelt? Diese und andere Fragen wollen Dr. Kupczik und einige Fachkollegen in den kommenden fünf Jahren intensiv erforschen. Gefördert durch die Max-Planck-Gesellschaft mit rund 2,5 Millionen Euro wird der Forscher eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema aufbauen und leiten.

Angesiedelt wird die Gruppe am Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie sein. Insgesamt zehn bis zwölf Wissenschaftler werden sich der Evolution der Ernährung und des Kauapparates widmen, darunter auch Doktoranden und Masterstudierende in Jena.

"Hier in Jena werden wir uns vor allem mit Hunden als Modellsystem befassen", sagt Kupczik. So werden u. a. Röntgenvideoaufnahmen von kauenden Hunden analysiert. "Aus diesen Daten lassen sich Computermodelle erstellen, an denen sich der Einfluss einzelner Parameter exakt bestimmen lässt." Außerdem soll untersucht werden, wie sich Zahn- und Kieferformen auf die Funktionalität beim Kauen auswirken. US

Kontakt:
Tel.: 0341 / 3550380
E-Mail:


Dr. Kornelius Kupczik vergleicht Hundeschädel.

 

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Röntgen-Energiebündel vermessen

BMBF fördert Projekt zu neuen Methoden der Röntgenspektroskopie

Wie bewegen sich Elektronen in Ionen und Atomen? Dank hochauflösender Analyseverfahren können Wissenschaftler heute immer kleinere Details abbilden und immer schnellere Natur-Prozesse verfolgen. "Mittlerweile können wir tief ins Innere von Atomen und Molekülen sehen", sagt Prof. Dr. Thomas Stöhlker. Das sei der rasanten Entwicklung von Quellen brillanter Röntgenstrahlung zu verdanken, so der Inhaber des Lehrstuhls für Atomphysik hochgeladener Ionen. Allerdings habe diese Entwicklung das verfügbare Instrumentarium zur Messung und Charakterisierung von Röntgen-Photonen weit abgehängt.

Der Physiker und seine Kollegen von Universität und Helmholtz-Institut haben daher im Verbund mit Forschern der Uni Heidelberg ein Projekt ins Leben gerufen: "PolarX: Präzisions-Röntgen-Spektroskopie und -Polarimetrie". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Forschungsverbund, an dem auch das Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig beteiligt sind, in den kommenden drei Jahren mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro. Neben der Arbeitsgruppe von Prof. Stöhlker sind auch die Jenaer Teams um Prof. Dr. Stephan Fritzsche und Prof. Dr. Gerhard Paulus beteiligt.

Ziel des Projekts ist, Nachweismethoden aus dem optischen Bereich auf das Röntgenspektrum auszuweiten, die auf der Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung - bestehend aus Photonen - mit Atomen oder Ionen beruhen. "Trifft Strahlung auf Elektronen in einem Atom, so gehen diese in einen angeregten Zustand über", erläutert Projektsprecher Stöhlker. Die dabei absorbierte Energie sei für den jeweiligen Elektronenübergang charakteristisch und gebe so Auskunft über die Struktur der Bindungen in Atomen und Molekülen.

"Im Vergleich zu Photonen im sichtbaren Bereich sind Röntgen-Photonen sehr viel energiereicher", sagt Prof. Fritzsche. "Treffen diese auf Materie-Teilchen sind ganz andere Anregungszustände möglich". Doch diese sind bislang nicht ausreichend charakterisiert und standardisiert, was die Physiker und ihre Partner nun vorantreiben wollen. US

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Stöhlker
Tel.: 03641 / 947600
E-Mail:

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Prof. Dr. Thomas Stöhlker ist Projektsprecher.

Foto: Günther

 

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Thüringen während der Reformation

Historiker arbeiten die Landesgeschichte des 16. Jahrhunderts auf

Luther_Wartburg_kasperAm 1. Oktober 2013 haben Historiker ihre Arbeit am Forschungsprojekt "Thüringen im Jahrhundert der Reformation" aufgenommen. Das Projekt läuft bis 2016 und wird mit rund 500.000 Euro vom Thüringer Wissenschaftsministerium, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen gefördert. Es ist ein gemeinsames Vorhaben der "Historischen Kommission für Thüringen" und der Professur für Thüringische Landesgeschichte der Jenaer Universität. Als wissenschaftliche Leiter fungieren die Jenaer Historiker Prof. Dr. Werner Greiling und Prof. Dr. Uwe Schirmer.

Das Forschungsprojekt ist mit fünf Promotionsstellen und einem Koordinator ausgestattet. Inhaltliche Schwerpunkte der gemeinsamen Forschungsarbeit liegen in den Bereichen Kirchenpolitik, Armut, Fürsorge und Armutsbekämpfung, Schulwesen, Stände und Universitäten sowie Mentalität und religiöser Wandel auf dem Lande. Die Kooperation und Koordination mit parallel laufenden Forschungsvorhaben, beispielsweise mit den Digitalisierungsprojekten der Staatsarchive in Thüringen, Hessen und Sachsen-Anhalt bzw. der Forschungsbibliothek Gotha, sind zentraler Bestandteil künftiger Arbeit.

Jährlich stattfindende Konferenzen sollen für eine überregionale Vernetzung sorgen. Neben weiteren Aktivitäten beabsichtigen die Historiker, Vorträge zu ausgewählten Problemen der Reformation in Thüringen auch einem Laienpublikum an wechselnden Orten zu präsentieren.

Alle Vorträge werden zudem in einer Schriftenreihe veröffentlicht. Soeben ist der erste Band der Reihe "Quellen und Forschungen zu Thüringen im Zeitalter der Reformation" erschienen. PM


Kontakt:
Prof. Dr. Werner Greiling, Prof. Dr. Uwe Schirmer
Tel.: 03641 / 944444, 03641 / 944420;
E-Mail: ,

Das Lutherzimmer auf der Wartburg bei Eisenach. Hier hielt sich der Reformator zum Übersetzen der Bibel auf. Die Geschichte Thüringens zur Zeit der Reformation steht im Mittelpunkt des neuen Forschungsprojekts.


Foto: Kasper

Buch_Schirmer

Joachim Emig, Volker Leppin, Uwe Schirmer (Hg.): Vor- und Frühreformation in Thüringischen Städten 1470-1525/30, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2013, 482 Seiten, ISBN 978-3-412-20921-6

 

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Das Denken eines Universalgelehrten

DFG fördert die Arbeit an der Kritischen Gesamtausgabe Schleiermachers

Meier_Winkler_kasperDer 1768 im schlesischen Breslau geborene Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher gilt mit Fug und Recht als Universalgelehrter. Von Haus aus protestantischer Theologe, wirkte er auch als Platonübersetzer, Philosoph, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker und Pädagoge. Seit 1980 gibt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, der auch Schleiermacher selbst angehörte, die Kritische Gesamtausgabe seines Werkes heraus, zu der auch in Jena ein gehöriger Beitrag geleistet wird.

"Wir bearbeiten die Vorlesungen Schleiermachers", sagt Dr. Dorothea Meier. Aktuell bereitet die dreiköpfige Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Winkler vom Institut für Bildung und Kultur die Vorlesungen Schleiermachers zur Psychologie auf. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat für dieses Projekt in den kommenden drei Jahren 400.000 Euro bewilligt. Bereits seit 2011 bearbeitet die Gruppe um Prof. Winkler Schleiermachers Vorlesungen zur Pädagogik. Ein entsprechender Band soll 2014 erscheinen.

Umfangreiches Quellenmaterial

Vier Mal hat Schleiermacher Vorlesungen zur Psychologie gehalten. Die Quellenlage dürfe als überaus glücklich angesehen werden, sagt Dorothea Meier. So gebe es originale Manuskripte in Form von Kollegheften und kleinen Zetteln mit Notizen, auf die Schleiermacher sich das Wichtigste seiner Vorlesungen notiert habe. Eine weitere Quelle sind Mitschriften von Studenten, von denen bis zu 130 in den Vorlesungen gesessen haben.

Das Material von Schleiermachers Hand liegt in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin und die studentischen Aufzeichnungen sind an vielen weiteren Orten verstreut. Die Jenaer Wissenschaftler sichten den Bestand, transkribieren die Texte und erstellen zwei Apparate dazu. Im ersten Apparat werden die sprachlichen Gegebenheiten des Textes erläutert. Im zweiten, dem Sachapparat, werden die Kontexte der Vorlesungen und zeitgenössische Diskussionen erklärt. "Das ist Detektivarbeit", sagt Dorothea Meier. sl

Kontakt:
Dr. Dorothea Meier
Tel.: 03641 / 945313
E-Mail:

Dr. Dorothea Meier und Prof. Dr. Michael Winkler arbeiten Schleiermachers Vorlesungen zur Psychologie auf.

Foto: Kasper

 

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10 000 Jahre Klimageschichte

Geographen erforschen erstes vollständiges Klimaarchiv Südafrikas

f19121301Wenn einer eine Reise tut, dann hat er nicht nur viel zu erzählen, sondern meistens auch ein Souvenir im Gepäck. Auch die Geographen und Geologen, die jüngst von einer Expedition aus Südafrika zurückgekehrt sind. Sie haben als "Reiseandenken" einen rund 30 Meter langen Bohrkern mit nach Jena gebracht und damit das erste vollständige Klimaarchiv Südafrikas für die vergangenen 10.000 Jahre.
 
Anhand von Bohrkernen können Forscher in die Vergangenheit schauen: In den Sedimenten sind zahlreiche Informationen zu den früheren klimatischen Verhältnissen gespeichert. "Diese helfen uns, das Klimasystem der Erde besser zu verstehen und Auswirkungen des Klimawandels auf die Region zuverlässiger vorherzusagen", erläutert Dr. Torsten Haberzettl vom Lehrstuhl für Physische Geographie.

Die Südafrika-Expedition war der Auftakt des Verbundprojektes "Regional Archives for Integrated iNvestigations" (RAIN). Kooperationspartner sind neben den Jenaer Forschern auch Wissenschaftler aus Bremen und Südafrika. Schwerpunkt des Forschungsvorhabens ist die Rekonstruktion der Klima- und Umweltveränderungen der vergangenen 10.000 Jahre in Südafrikas Küstengebiet. Die Jenaer Forscher konzentrieren sich auf die Klimaarchive auf dem Festland, die Bremer auf den küstennahen Bereich der Ozeane und die Südafrikaner analysieren die Blütenpollen und Kieselalgen innerhalb der Sedimente.

"Es ist weltweit eine Besonderheit, dass Geowissenschaftler des kontinentalen und des marinen Bereiches in einem Projekt zusammenarbeiten", betont PD Dr. Peter Frenzel, der zusammen mit Torsten Haberzettl die Jenaer Teilprojekte koordiniert. Im Frühjahr werden die Wissenschaftler erneut nach Afrika aufbrechen, um weitere Kerne zu gewinnen. ch

Kontakt:
Dr. Torsten Haberzettl
Tel.: 03641 / 948812
E-Mail:

PD Dr. Peter Frenzel
Tel.: 03641 / 948619
E-Mail: peter.


Mikroskopaufnahmen von Mikrofossilien aus einem Bohrkern, den die Wissenschaftler aus einem See in Südafrika gewonnen haben.

Foto: Frenzel


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Michael Wündsch, Dr. Torsten Haberzettl und PD Dr. Peter Frenzel von der Universität Jena (v. l.) untersuchen Bohrkerne aus Südafrika.

Foto: Kasper


 

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Das Sozialleben von Bakterien

Neue Nachwuchsforschergruppe untersucht „Terrestrische Biofilme“

biofilm_group_kasperSie sind überall - in Böden, auf Gestein, in Wasserleitungen, auf unserer Haut: Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen. "Die Bakterien bilden einen Biofilm - eine Art Schleimschicht, in der die Mikroben miteinander kommunizieren und interagieren", erklärt Dr. Ákos Kovács. Ähnlich wie Ameisen oder Bienen leben sie in einer sozialen Gemeinschaft, in der jeder Organismus eine bestimmte Rolle spielt und von den anderen profitiert. "Doch im Gegensatz zu Insekten sind die komplexen Wechselbeziehungen zwischen den Mikroorganismen in einem Biofilm bisher nur wenig erforscht", sagt der Biologe.

Mit der JSMC unter einem Dach

Kovács leitet die neue Nachwuchsforschergruppe "Terrestrial Biofilms", die sich ausschließlich mit dieser speziellen Lebensform von Mikroorganismen beschäftigt. Gerade hat die Gruppe das renovierte Gebäude in der Neugasse 23 bezogen, in dem auch die Exzellenz-Graduiertenschule "Jena School for Microbial Communication" zu finden ist.

Hier will das vierköpfige Team den molekularen Mechanismen innerhalb eines Biofilms auf den Grund gehen. Sein Forschungsobjekt ist Bacillus subtilis, der stäbchenförmige, zwei Mikrometer große Heubacillus. "Wir versuchen, die Signale und die Interaktionen der Bakterien zu entschlüsseln", erläutert Kovács. "Wir isolieren zum Beispiel eines der Bakterien und untersuchen dann, wie sich das auf die restliche Population auswirkt". Mithilfe von Fluoreszenzmikroskopie und mathematischen Modellen wollen die Wissenschaftler herausfinden, weshalb Bakterien sich lieber in solchen Gemeinschaften organisieren anstatt sich als Einzelkämpfer durchzuschlagen.

Denn Biofilme sind von essenzieller ökologischer und medizinischer Bedeutung. So sind Bakterien für zahlreiche Infektionskrankheiten verantwortlich, doch noch immer ist nicht vollständig geklärt, weshalb in Biofilmen gruppierte Bakterien resistent gegen Antibiotika sind. Gleichzeitig verursachen Biofilme aber auch positive Effekte, etwa in der Landwirtschaft: "Bakterien in Biofilmen können beispielsweise für besseres Pflanzenwachstum und damit einen höheren Ertrag sorgen, da sie die Pflanzen vor Pilzbefall schützen", erklärt der aus Ungarn stammende Biologe Kovács. ch

Kontakt:
Dr. Ákos T. Kovács
Tel.: 03641 / 949980
E-Mail:


Die vierköpfige Nach­wuchsgruppe (v. l.): Eisha Mhatre, Dr. Ákos T. Kovács, Theresa Hölscher und Ramses Gallegos.

Foto: Kasper

 

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letzte Änderung:  am 2014-04-11 13:43:28   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang