Prof. Dr. Alexander Krivov

Über Trümmerscheiben das Universum erschließen

DFG fördert astrophysikalische Forschungsgruppe drei weitere Jahre
Prof. Dr. Alexander Krivov
Foto: Anne Günther/FSU
  • Forschung

Meldung vom: 02. April 2019, 09:00 Uhr | Verfasser/in: Sebastian Hollstein

Bestünde unser Planetensystem nur aus der Sonne und den acht Planeten, dann wäre es ziemlich leer und ziemlich langweilig. Davon ist Prof. Dr. Alexander Krivov von der Friedrich-Schiller-Universität Jena überzeugt. Seit vielen Jahren erforscht der Astrophysiker deshalb all das, was sich sonst noch in einem Planetensystem befindet, nämlich Kleinstplaneten, wie Pluto, Kometen, Asteroiden und jede Menge Staub. Zusam­men­ge­nommen bezeichnen Astronomen dieses Material als Trümmerscheibe. Seit vier Jahren unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) diese Arbeit. Nun verlängert sie die Finanzierung für die vom Jenaer Experten geleitete Forschungsgruppe "Trümmerscheiben in Planetensystemen" um drei weitere Jahre. Die Förderung beträgt rund zwei Millionen Euro – etwa drei Viertel davon gehen an Krivov und seine Kollegen vom Astrophysikalischen Institut, vom Institut für Festkörperphysik sowie vom Institut für Geowissenschaften der Universität Jena. Weitere Mittel erhalten Arbeitsgruppen an der TU Braunschweig und der Universität Kiel. 

"Wir konzentrieren uns während unserer Arbeit einerseits auf die Erforschung der Trüm­merscheiben anderer Planetensysteme, sammeln aber andererseits Informationen über unsere eigene, da sie uns als maßgebliche Referenz für die Einordnung unserer extraso­laren Beobachtungen dient", erklärt Alexander Krivov. "Asteroiden und Kometen verteilen sich in unserem System beispielsweise auf zwei Bereiche: einen Asteroidengürtel zwi­schen Mars und Jupiter und den sogenannten Kuipergürtel am äußeren Rand des Sys­tems. Eine Verteilung in zwei, manchmal sogar mehr Komponenten sehen wir auch in anderen Systemen." Dank solcher Untersuchungen könne man Aussagen über die Struktur anderer Planetensysteme treffen und diese mit dem Sonnensystem vergleichen. Um weitere Informationen über die Bestandteile unserer Trümmerscheibe zu erfahren, werten die Wissenschaftler der Forschungsgruppe beispielsweise Daten aus, die die Sonde "Rosetta" auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko sammeln konnte.

Staub ist entscheidend

Entscheidend für die Beobachtung der Trümmerscheiben ist ein winziges Detail: der Staub, den die Himmelskörper freisetzen. "Das Leuchten, das wir sehen, wenn wir von der Erde aus einen Kometen anschauen, wird durch den Staub erzeugt, der sich um das massive Objekt ausbreitet", erklärt der Jenaer Experte. "Genauso ist das auch bei allen Bestandteilen einer Trümmerscheibe. Erst der Licht oder Wärme emittierende Staub er­möglicht es uns, die Kometen oder Asteroiden um andere Sterne wahrzunehmen." Um mehr über die Staubpartikel zu erfahren, bilden die Astrophysiker sie im Rahmen der Forschungsgruppe nach und experimentieren mit ihnen im Labor.

Lassen sich dank Staub ausreichend Spuren einer extrasolaren Trümmerscheibe auf der Erde detektieren, dann können sie einen erheblichen Beitrag zur Entdeckung neuer Pla­neten in ihrer Umgebung leisten. "Die von Planeten ausgehenden Kräfte verursachen Krümmungen und Verschiebungen an der Scheibe", erklärt Krivov. So könne es passieren, dass man erst diese Auswirkungen registriert und dann den dazugehörigen Planeten. Über die Trümmerscheibe lassen sich also die Architekturen ganzer Planetensysteme nach­zeichnen.

Masseproblem

In den kommenden drei Jahren wollen die Jenaer Forscher zudem weiterhin Theorien entwickeln, wie die Trümmerscheiben überhaupt entstanden sind. Dafür entwerfen die Astrophysiker auch Modelle der Scheiben. Hierbei ist Krivov auf ein Problem gestoßen, dessen Lösung ihn ganz besonders antreibt: Welche Masse haben Trümmerscheiben anderer Planetensysteme? "Unsere Modelle funktionieren prinzipiell sehr gut – vor­aus­gesetzt wir legen eine Masse zugrunde, die diese Scheiben unmöglich haben können. Denn so viel Material kann es dort nicht geben", erklärt er die Fragestellung. "Unsere Berechnungen hierzu sind zwar richtig, aber offensichtlich haben wir etwas Großes bisher übersehen – die Lösung dieses Problems könnte also möglicherweise noch andere wichtige Erkenntnisse über Planetensysteme bereithalten."

Kontakt:

Prof. Dr. Alexander Krivov
Astrophysikalisches Institut und Universitäts-Sternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Schillergässchen 2-3
07745 Jena
Telefon
+49 3641 9-47530
Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
  • Logo der Initiative "Total E-Quality"
  • Logo des Best Practice-Club "Familie in der Hochschule"
  • Logo des Projekts "Partnerhochschule des Spitzensports"
  • Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat - System akkreditiert
Zurück zum Seitenanfang