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Wie Mehrsprachigkeit den Schulalltag prägt

Linguistin Olga Artamonova erhält Hans-Barkowski-Preis 2019
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Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Meldung vom: 18. April 2019, 18:30 Uhr

Über sieben Monate hinweg besuchte Olga Artamonova eine Hauptschulklasse mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Herkunft. Sie verbrachte mit ihnen die Pausen, beteiligte sich an ihrer Facebook-Kommunikation und beobachtete sie im Unterricht. Aus der umfangreichen Feldstudie entstand die Dissertation „Ausländersein an der Hauptschule“, für die die Linguistin nun mit dem Hans-Barkowski-Preis 2019 ausgezeichnet wird.

Der mit 1.200 Euro dotierte, erstmalig verliehene Preis wird ihr am Dienstag, 23. April, um 18 Uhr in den Rosensälen der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Fürstengraben 27, von JenDaF e.V. überreicht. Der gemeinnützige Verein des Instituts für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Interkulturelle Studien an der Universität Jena setzt sich für die Förderung von sprachlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Kooperationen ein. Bei der öffentlichen Preisverleihung trägt Artamonova ihre Forschungserkenntnisse vor. Im Anschluss sind eine Diskussion und ein kleiner Empfang geplant

In Sprache kommen kulturelle Identitäten zum Ausdruck

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit stellt Artamonova die Frage, wie Unterschiede der Herkunft im Klassenzimmer Zusammenhalt oder Abgrenzung schaffen können. Zunächst konzentriert sie sich auf ausgewählte Szenen des Schulalltags, in denen kulturelle Identitäten konstruiert werden. Beispielsweise stilisieren sich Schülerinnen und Schüler selbst als „Kanaken“ und inszenieren sich als Nicht-Muttersprachler. Andererseits tragen Lehrerinnen und Lehrer mit nett gemeinten „Frotzeleien“ zur Ausgrenzung der Jugendlichen bei. Einen zweiten Schwerpunkt der Studie bildet der Umgang mit Mehrsprachigkeit. In der Klasse wurden die verschiedenen Erstsprachen völlig ignoriert. Die Schülerinnen und Schüler nutzten dort das kreative Potenzial nicht aus, das sich in ihren mehrsprachigen Facebook-Chats zeigte.

Der Hans-Barkowski-Preis wird jährlich vergeben. Er richtet sich an Studierende, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und ehrenamtlich Tätige, die sich im Kontext von Mehrsprachigkeit, interkultureller Begegnung oder Deutsch als Zweitsprache engagieren. Namensgeber des Preises ist Hans Barkowski. Der langjährige Direktor des Instituts für Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der Universität Jena setzte sich neben wissenschaftlichen Belangen auch für viele bürgerschaftliche Aktionen ein, mit dem Ziel, die Integration von Migrantinnen und Migranten zu unterstützen.

Kontakt:

Dr. Wolf-Dirk Skiba
Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache & Interkulturelle Studien
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
Telefon
+49 3641 9-44364
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