Die kanadische Historikerin Doris Bergen.

Zeitzeugenschaft und Holocaustforschung

Die kanadische Historikerin Doris Bergen ist Gastprofessorin am „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“
Die kanadische Historikerin Doris Bergen.
Foto: Michael Rajzman
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Meldung vom: 24. Mai 2019, 13:19 Uhr | Verfasser/in: Kristina Meyer

In diesem Sommersemester ist die kanadische Historikerin Doris Bergen Gastprofessorin am „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“ der Universität Jena. Am 5. Juni hält sie um 18.15 Uhr einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Die Überlebenden und die Historiker. Zum Verhältnis von Zeitzeugenschaft und Holocaustforschung“ in den Rosensälen (Fürstengraben 27) der Friedrich-Schiller-Universität.

Doris Bergen, geboren 1960 im kanadischen Saskatoon, ist Professorin für Holocaust-Studien an der University of Toronto. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen neben der Gewalt- und Genozidgeschichte des 20. Jahrhunderts auch die Geschichte der christlichen Kirchen sowie die Frauen- und Geschlechtergeschichte.

Ihre Doktorarbeit über die „Deutschen Christen” im Nationalsozialismus veröffentlichte Doris Bergen 1996 unter dem Titel „Twisted Cross: The German Christian Movement in the Third Reich“ – ein Standardwerk über die regimetreue Strömung innerhalb der evangelischen Kirche in Deutschland und ihre Bemühungen, alles „Jüdische” aus den christlichen Schriften und Riten zu verbannen. Mit der Verbindung von Klerus und Krieg beschäftigte sie sich auch in mehreren Aufsätzen über die Rolle der Wehrmachtspfarrer im Holocaust sowie in dem Sammelband „The Sword of the Lord: Military Chaplains from the First to the Twenty-First Century“ (2004).

Analyse von Gewalterfahrungen unterschiedlicher Gruppen

2003 publizierte Doris Bergen ihre vielbeachtete und zuletzt 2016 wiederaufgelegte Überblicksdarstellung „War and Genocide: A Concise History of the Holocaust“, in der sie die Gewalterfahrungen unterschiedlicher Gruppen von Tätern, Opfern und anderen Beteiligten auf der Basis zahlreicher Egodokumente in integrierter Perspektive analysierte. 2008 gab sie den Band „Lessons and Legacies VIII: From Generation to Generation“ heraus, der eine Konferenz über den Holocaust im Familiengedächtnis dokumentiert. Mit Andrea Löw und Anna Hájková veröffentlichte Doris Bergen 2014 außerdem den Band „Alltag im Holocaust. Jüdisches Leben im großdeutschen Reich 1941-1945“. In einer Vielzahl von Aufsätzen hat sie sich mit der Beteiligung der sogenannten Volksdeutschen an der Besatzungsgewalt gegen Juden in Osteuropa sowie mit dem Stellenwert sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg und in anderen Konflikten beschäftigt. Derzeit arbeitet sie an einem Buchprojekt mit dem Titel „Between God and Hitler: Military Chaplains in National Socialist Germany“.

Fellowships, Forschungsaufenthalte und Lehraufträge führten Doris Bergen unter anderem nach München, Tuzla, Poznań, Warschau und Pristina. Sie gehört zahlreichen wissenschaftlichen Gremien an, so etwa dem Academic Committee am Mandel Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. und den Beiräten der Zeitschriften Journal of Holocaust Research, German History, European Holocaust Studies und Holocaust and Genocide Studies. Seit 2018 ist Doris Bergen Mitglied der Royal Society of Canada, der kanadischen Akademie der Wissenschaften.

Kontakt:

Dr. Kristina Meyer
„Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“ der Universität Jena
Zwätzengasse 3
07743 Jena
Telefon
+49 3641 9-44458
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