Haus der Weimarer Republik.

Klischees über die Weimarer Republik korrigieren

Wissenschaftler der Universität Jena begleiten Ausstellungskonzeption im Haus der Weimarer Republik
Haus der Weimarer Republik.
Foto: Jan-Peter Kasper/FSU
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Meldung vom: 23. Juli 2019, 07:45 Uhr | Verfasser/in: Axel Burchardt

Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ So lautet der erste Satz der Weimarer Reichsverfassung, die am 31. Juli 1919 von der Weimarer Nationalversammlung im deutschen Nationaltheater in Weimar verabschiedet wurde. Als sie wenig später in Kraft trat, war die erste deutsche Demokratie geboren – weniger als ein Jahr nach dem Ausbruch der Revolution, die das Kaiserreich gestürzt hatte.

Genau 100 Jahre später wird das „Haus der Weimarer Republik. Forum für Demokratie“ am Ort des Geschehens mit einem Fest der Demokratie eröffnet. Gegenüber dem Weimarer National­theater, also dem Tagungsort der Nationalversammlung gelegen, wird das Haus der Weimarer Republik (HDWR) als dauerhafter Erinnerungsort an die erste deutsche Demokratie und als Ort der politischen Bildung und Begegnung eingerichtet. Beteiligt sind der Bund, der Freistaat Thü­ringen und die Stadt Weimar. In einem ersten Schritt eröffnet am 31. Juli in der sanierten Cou­drayschen Wagenremise, die bis vor Kurzem noch das alte Bauhaus-Museum Weimars beher­bergte, die Dauerausstellung. Sie ist mit intensiver Unterstützung von Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena konzipiert worden. Bis 2021 folgt ein Anbau mit einem variablen Veranstaltungsraum, einer Fläche für Sonderausstellungen und Büroräumen für Verwaltung und Forschung.

Dauerausstellung zur ersten deutschen Demokratie

Dann können wir den vollen Betrieb aus wechselnden Ausstellungen zu den Themen Demo­kratie und Weimarer Republik sowie verschiedenen Bildungs- und Veranstaltungsangeboten aufnehmen,“ stellt Prof. Dr. Michael Dreyer in Aussicht. „Aber schon jetzt starten wir mit einer faszinierenden und modernen Dauerausstellung zur ersten deutschen Demokratie, die den Kern des Hauses bilden wird,“ so der Politikwissenschaftler von der Universität Jena. Er ist Vorsit­zen­der des Weimarer Republik e. V., der Träger des Hauses ist. Außerdem leitet er an der Friedrich-Schiller-Universität zusammen mit Dr. Andreas Braune die Forschungsstelle Weimarer Republik. „Uns war von Anfang an ein großes Anliegen, dass auch die wissenschaftliche Forschung zur Weimarer Republik vor Ort ein erstes Zentrum in Deutschland findet. Wir sind daher dem Thürin­ger Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft sowie der Universität Jena sehr dankbar, dass sie die Forschungsstelle hier in Thüringen eingerichtet haben,“ sagt Dreyer. Sein Kollege Andreas Braune fügt hinzu: „Durch die Arbeit zur Vernetzung der interdis­ziplinären Weimar-Forschung in den vergangenen Jahren haben wir die nötigen Netzwerke und die Expertise aufgebaut, um gewährleisten zu können, dass die Dauerausstellung und die weite­ren Aktivitäten des HDWR auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung sind. Ein mit renom­mier­ten Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland besetzter Beirat hat uns dabei sehr geholfen.“ Wichtig ist den beiden Jenaer Politikwissenschaftlern dabei, alte, von der Forschung zum Teil schon seit Längerem ausgeräumte Klischees über die Weimarer Republik zu korrigie­ren. „Dazu zählt etwa die Vorstellung, dass die Republik von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, dass sie wehrlos und eine Republik ohne Republikaner gewesen sei, dass Konstruktions­fehler der Verfassung Schuld an der Machtergreifung der Nationalsozialisten gehabt hätten, oder überhaupt, dass die Republik ‚gescheitert‘ sei“, nennt Dreyer Beispiele. Stattdessen, so der Ex­perte, sei die parlamentarische Demokratie bewusst von den alten Eliten zerstört worden. „Des­halb ist es für uns ein wesentliches Ziel, mit der Ausstellung und dem HDWR insgesamt bei den Besucherinnen und Besuchern das Nachdenken über den Wert und die Fragilität der Demokratie in unserer Gegenwart anzuregen“, fügt Andreas Braune hinzu.

Ob und wie das gelungen ist, davon können sich Interessierte ab der Eröffnung am 31. Juli um 14:00 Uhr in Weimar ein Bild machen.

Kontakt:

Dr. Andreas Braune
Forschungsstelle Weimarer Republik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
Telefon
+49 3641 9-45427
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