Das Fischerei-Forschungsschiff der DDR

Ein Verbündeter im Klassenkampf

Biologiedidaktiker veröffentlichen Aufsätze zur Haeckel-Rezeption in der DDR
Das Fischerei-Forschungsschiff der DDR "Ernst Haeckel".
Foto: W. K. Wittig, mit freundlicher Genehmigung von Kapitän G. Kröger
  • Forschung

Meldung vom: 08. August 2019, 11:17 Uhr | Verfasser/in: Stephan Laudien

Ernst Haeckel Ernst Haeckel wurde auch in der DDR zum ideologisch angepassten "Wissenschaftsstar". Foto: Archiv Hoßfeld

Der Naturforscher, Evolutionsbiologe und Monist Ernst Haeckel, des­sen Todestag sich am 9.8.2019 zum 100. Mal jährte, machte posthum eine steile Kar­riere in der DDR. Zwei Fischerei-Forschungsschiffe trugen seinen Namen, ebenso eine Jugend­brigade im Kombinat „Carl Zeiss Jena“. DDR-Staatschef Walter Ulbricht regte während seines Besuches an der Universität Jena einen Haeckel-Film an, der den Titel „Der Mann mit dem Schöpferhut“ tragen sollte. Zudem wurde eine Ernst-Haeckel-Medaille verliehen, außerdem erschienen zahlreiche Publikationen über Haeckel. Ein Forscherteam um den Biologiedidaktiker und Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Uwe Hoßfeld von der Universität Jena hat die Haeckel-Rezeption in der DDR untersucht. Ihre Ergebnisse haben die Wissen­schaftler jetzt in der „Naturwissen­schaftlichen Rundschau“ veröffentlicht.

Positive Sichtweisen dominierten

Uns hat überrascht, wie mannigfaltig die Haeckel-Rezeption in der DDR war“, sagt Uwe Hoßfeld. So seien Haeckels Theorien Unterrichtsstoff in Schule und Studium gewesen, auch wurde der Jenaer Gelehrte zu einem Verbündeten im Kampf um eine materialisti­sche Weltanschauung erklärt. „Dabei unterblieb im Schulkontext in der Regel eine kritische Auseinandersetzung mit Haeckels rassentheoretischen Vorstellungen“, ergänzt Ko-Autor Dr. Karl Porges. Wie schon in der Nazizeit sei Ernst Haeckel zum Kronzeugen für eine den jeweiligen ideologischen Erfordernissen angepasste Wissenschaftsauffassung erhoben worden.

Dr. Stefan Wogawa, der als Gastwissenschaftler an der Studie beteiligt war, verweist auf die hohe mediale Präsenz Haeckels in der DDR-Presse. Im „Neuen Deutschland“, dem Zen­tralorgan der SED, fand sich der Suchbegriff Ernst Haeckel 196 Mal, in der „Berliner Zei­tung“ waren es 104 Beiträge. Präsent waren zudem die Wirkungsorte Ernst Haeckels: Das Ernst-Haeckel-Haus, die einstige „Villa Medusa“, und das Phyletische Museum in Jena waren biologiehistorische Forschungsstätten und zugleich Orte, an denen Haeckels Theorien den Besuchern vermittelt wurden. „Das Haeckel-Haus und das Phyletische Museum gehörten zum Besuchsprogramm in Vorbereitung auf die Jugendweihe“, sagt Dr. Wogawa. Das heißt, Jahr für Jahr besuchten hunderte Heranwachsende die beiden Museen.

Geschichte der Naturwissenschaften an der Uni Jena studieren

Wer sich intensiver mit Ernst Haeckel und der Geschichte der Biologie beschäftigen möchte, kann an der Universität Jena „Geschichte der Naturwissenschaften“ studieren. Es gibt den Studiengang als Ergänzungsfach zum Bachelor, für den die Einschreibefrist für das kommende Winterse­mester am 15. September endet. Das Fach ist mit zahlreichen anderen Bachelorstudien­gängen kombinierbar.

Kontakt:

apl. Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3
07743 Jena
Telefon
+49 3641 9-49491
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