Die italienische Musikwissenschaftlerin Sara Elisa Stangalino.

Operngeschichte veranschaulicht frühe europäische Identität

Italienische Musikwissenschaftlerin erforscht an der Universität Jena den Kulturtransfer im 18. Jahrhundert
Die italienische Musikwissenschaftlerin Sara Elisa Stangalino.
Foto: Anne Günther (Universität Jena)
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Meldung vom: 15. Oktober 2019, 07:45 Uhr | Verfasser/in: Sebastian Hollstein

Pietro Metastasio gilt als einer der bedeutendsten Opernlibrettisten des 18. Jahrhunderts. Mit Büchern zu fast 30 Opern zwischen 1723 und 1771 prägte der ge­bür­tige Römer die Hochzeit der sogenannten Opera seria, also der „ernsten Oper“ – heute auch unter dem Begriff „Dramma per musica“ bekannt. Seine Stücke – neben den Opern schrieb er auch Serenaten, Kantaten und Oratorien – wurden viele Male vertont und über­all auf dem Kontinent aufgeführt und noch heute stehen sie regelmäßig auf dem Spiel­plan. Neben Italien erfreuten sich Metastasios Werke vor allem in Städten und an Höfen im deutschsprachigen Raum großer Beliebtheit. Warum das so war und wie die Opern hierzulande aufgeführt wurden, das will die italienische Musikwissenschaftlerin Sara Elisa Stangalino in den kommenden 14 Monaten an der Friedrich-Schiller-Universität Jena er­forschen. Dabei interessiert sie sich vorrangig für die Dramaturgie. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung unterstützt sie dabei mit einem Forschungsstipendium für erfahrene Wissenschaftler.

Didos tragisches Ende

Stangalino beschäftigt sich vor allem mit dem ersten Libretto Metastasios, „Didone ab­ban­donata“. Die Oper wurde 1724 in Neapel uraufgeführt, landete bereits sieben Jahre später auf einer deutschen Bühne und gehört zu seinen populärsten Werken. Den Stoff da­für fand der Librettist – wie bei fast allen seinen Büchern – in den antiken Mythen: Der Held Aeneas verliebt sich auf seiner Flucht aus Troja in die karthagische Königin Dido, ver­lässt sie aber wieder, um die Stadt Rom zu gründen. Dido begeht daraufhin Selbst­mord. „Das Besondere an dieser Oper ist ihr tragisches Ende. Das war zu dieser Zeit nicht üblich, weshalb es von außerordentlichem Interesse ist zu erforschen, warum die Oper dennoch solch großen Erfolg hatte“, sagt die italienische Opernexpertin.

Abtauchen in die Archive

Während meiner Zeit in Jena will ich mehr erfahren über die Verbindungen zwischen deutschen und italienischen Aufführungen, wie die Oper in einer anderen Sprache funk­tioniert und welche thematischen Schwerpunkte beispielsweise am Hof von Braun­schweig oder in der Stadt Hamburg gesetzt wurden, wo die Oper sehr früh auf die Bühne kam“, sagt Stangalino. „Solche Vergleiche geben uns einen Einblick in die verschiedenen Arbeitsweisen rund um die Inszenierung einer Oper in unterschiedlichen Rahmenbedin­gun­gen. Zudem veranschaulicht ein solcher Kulturtransfer beispielhaft, wie sich trotz ganz unterschiedlicher politischer Strukturen schon früh eine europäische Identität heraus­bilde­te.“ 

Für ihre Arbeit wird Stangalino, die in Bologna promoviert wurde und in Forschungsin­stitu­ten in Venedig und Rom geforscht hat, vor allem in verschiedene deutsche Bibliotheken und Archive abtauchen. Sie freue sich darauf, Originalquellen zu studieren und aus erster Hand zu erfahren, was die Zeitgenossen Metastasios hierzulande über seine Werke ge­dacht haben und wovon sie sich bei ihren Inszenierungen leiten ließen. Der Austausch zwi­schen Italien und Deutschland habe schließlich deutlichen Einfluss auf die Herausbildung der deutschen Operntradition gehabt. Mozart etwa griff auf die Texte des Italieners zu­rück.

Jena als Standort für ihre Forschungen in Deutschland hat sie nicht ohne Grund gewählt. Zum einen genieße die Friedrich-Schiller-Universität in Italien einen hervorragenden Ruf und sie habe hier sehr gute Arbeitsbedingungen, berichtet die Gastwissenschaftlerin, zum anderen könne sie sich hier mit ihrem Kollegen Michael Klaper austauschen. Auch der Gast­geber begrüßt die Kooperation: „Unsere wissenschaftlichen Interessengebiete über­schneiden sich an vielen Stellen, so dass ich mich auf die Zusammenarbeit und die neuen Ergebnisse meiner Kollegin sehr freue“, sagt der Jenaer Musikwissenschaftler, der bei­spielsweise intensiv zur Oper im Barock forscht.

Kontakt:

Michael Klaper, Univ.-Prof. Dr.
Telefon
+49 3641 9-44990
Fax
+49 3641 9-44992
Frommannsches Anwesen, Raum 231
Fürstengraben 18
07743 Jena
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