Horst Hoheisel (r.) und Andreas Knitz beginnen mit der Realisierung des Eduard Rosenthal-Denkmals.

Erste Erkundungsbohrung zum Eduard Rosenthal-Denkmal

Botho-Graef-Kunstpreisträger Horst Hoheisel und Andreas Knitz beginnen mit der Umsetzung ihres dezentralen Denkmals
Horst Hoheisel (r.) und Andreas Knitz beginnen mit der Realisierung des Eduard Rosenthal-Denkmals.
Foto: Angelika Bohn

Meldung vom: 29. Oktober 2019, 10:58 Uhr | Verfasser/in: Angelika Bohn

Mit der ersten Erkundungsbohrung haben die Botho-Graef-Kunstpreisträger der Stadt Jena am 28. Oktober mit der Realisierung ihres Denkmals für Eduard Rosenthal (1853-1926) begonnen. Für Horst Hoheisel und Andreas Knitz setzten Experten eine Bohrung von 20 Zentimeter Durchmesser in den Sandstein neben dem Eingang zur ehemaligen Lesehalle im Volkshaus Jena. Danach bargen die Künstler den Bohrkern und versorgten die Öffnung mit einer provisorischen Hülse. Das Denkmal der Preisträger für den Rechtswissenschaftler und ehemaligen Rektor der Jenaer Universität Eduard Rosenthal wird aus fünf solchen Erkundungsbohrungen in Gebäude seines Wirkens und seiner Nachwirkung bestehen. Es soll im kommenden Jahr zum Jubiläum „100 Jahre Thüringer Verfassung“ fertiggestellt werden.

Eduard Rosenthal gilt als Vater der Thüringer Landesverfassung von 1920 und war zwei Mal Rektor der Alma Mater Jenensis. Das nach Rosenthals Tod von Raffael Schuster-Woldan für die einzigartige Sammlung von Professoren-Porträts der Jenaer Universität geschaffene Bildnis wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wegen der jüdischer Herkunft des Gelehrten und seiner demokratischen Gesinnung entfernt und ist seit 1944 verschollen. Seit einem Jahrzehnt erinnern in Jena der kulturelle Veranstaltungsort Villa Rosenthal und die von JenaKultur vergebenen Clara- und-Eduard-Rosenthal-Stipendien an den Gelehrten. Nach wie vor aber ist er vielen Jenaern und Thüringern unbekannt. Darum setzte sich 2018 der alle drei Jahre von der Stadt Jena ausgeschriebene Botho-Graef-Kunstpreis für zeitgenössische Kunst das Ziel, in Zusammenarbeit mit der Universität Jena Eduard Rosenthal in das kulturelle Gedächtnis zurückzuholen.

Ein Erinnerungsnetzwerk

Gemeinsam mit Studierenden entwickelte Kuratorin Prof. Dr. Verena Krieger, seit 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Jenaer Universität, das Konzept eines beschränkten Wettbewerbs. Ein dezentrales Rosenthal-Denkmal sollte wie ein Erinnerungsnetzwerk seine Wirkungsorte in Jena und Weimar und, mit dem Thüringer Landtag in Erfurt, den Ort der Nachwirkung des Rosenthalschen Verfassungswerks verbinden. Für den von der Stadt Jena in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität ausgelobten Kunstwettbewerb entwickelten sechs Künstlerinnen, Künstler und Künstler-Duos Konzepte. Die hochkarätig besetzte Jury entschied sich für die Idee der Erkundungsbohrungen von Hoheisel und Knitz. Ihr Entwurf heile die Geschichte der antidemokratischen und antisemitischen Ausgrenzung Rosenthals nicht nachträglich durch das Denkmal, sondern mache sie sicht- und erfahrbar.

Bohrende Einblicke in wichtige Lebens- und Wirkungsorte

Das Denkmal sieht je eine Kernbohrung von 20 Zentimeter Durchmesser durch die Außenwand von Gebäuden vor, die wichtige Lebens- und Wirkungsorte Rosenthals waren. Zu ihnen gehören in Jena das Volkshaus, in dem er als Mitbegründer des Jenaer Kunstvereins, der Stadtbibliothek und der Ernst-Abbe-Stiftung wirkte, die von ihm 1890 erbaute Familienvilla und das Universitätshauptgebäude, wo Rosenthal als Wissenschaftler und Rektor tätig war. Weitere Kernbohrungen erfolgen in Weimar im Fürstenhaus, 1920 Gründungsort des Landes Thüringen, sowie im Thüringer Landtag Erfurt.

Wenn das Denkmal im zweiten Quartal 2020 fertiggestellt ist, ermöglicht es jeweils in Augenhöhe durch die Bohrung einen Blick in die Gegenwart der einstigen Wirkungsstätten Eduard Rosenthals. Module aus Messing und Glas werden in die Bohrungen eingesetzt und mit einer Inschrift versehen.

Wegbereiter einer kritischen Erinnerungskultur

Horst Hoheisel und Andreas Knitz gehören zu den wichtigen Wegbereitern einer kritischen Erinnerungskultur in Deutschland. So rekonstruierte Horst Hoheisel 1987 auf der Documenta 8 vor dem Kasseler Rathaus den von den Nationalsozialisten zerstörten „Aschrottbrunnen“ als in den Boden ragende Negativ-Form. Seit 1994 arbeiten sie als Künstler-Duo. In Thüringen haben sie zwischen 1997 und 2002 im Hof des Thüringer Staatsarchivs Weimar das Denkmal „Zermahlene Geschichte“ realisiert und 1995 das „Denkmal an ein Denkmal“ auf dem Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald geschaffen. Gegenwärtig arbeitet das Duo Hoheisel und Knitz neben der Realisierung des Rosenthal-Denkmals an Projekten in Kolumbien und Chile.

Kontakt:

Verena Krieger, Univ.-Prof. Dr.
Lehrstuhlinhaberin
Telefon
+49 3641 9-44160
Fax
+49 3641 9-44152
Frommannsches Anwesen, Raum 222, Zenkerhaus
Fürstengraben 18
07743 Jena
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