Jun.-Prof. Dr. Thomas Scharinger

Französisch und Italienisch als Kultursprachen

Thomas Scharinger ist neuer Professor für Romanische Sprachwissenschaft mit Schwerpunkt Französisch und Italienisch
Jun.-Prof. Dr. Thomas Scharinger
Foto: Anne Günther (Universität Jena)
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Meldung vom: 15. Januar 2020, 08:00 Uhr | Verfasser/in: Till Bayer

"Dass das Englische heute wohl als die bedeutendste internationale Verkehrs- und Kultursprache zu betrachten ist, weiß jeder. In der Vergangenheit spielten die großen romanischen Sprachen aber nicht selten eine weitaus wichtigere Rolle als das Englische", erklärt Prof. Dr. Thomas Scharinger. Der 37-Jährige ist neuer Professor für Romanische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und hat sich mit der Verbreitung des Französischen und Italienischen außerhalb ihres angestammten Territoriums intensiv beschäftigt.

Romanische Sprachen am Weimarer Hof

Prof. Scharinger ist von der Ludwig-Maximilians-Universität München nach Jena gewechselt. In einem aktuellen Forschungsprojekt will er herausfinden, welchen Stellenwert das Französische im 18. Jahrhundert am Weimarer Hof hatte, wo sich auch Geistesgrößen wie Schiller, Goethe und Wieland aufhielten. Wie gestaltete sich der damalige Sprachunterricht, welche literarischen Klassiker wurden als Fremdsprachentexte rezipiert und in welchen Bereichen fand das Französische als gesprochene und geschriebene Sprache tatsächlich Verwendung?

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen stöbert Scharinger in den umfangreichen Textbeständen, die aus dieser Zeit erhalten sind. "Es existiert noch immer jede Menge unerforschtes Material", sagt der aus Mittelfranken stammende Experte für Sprachgeschichte. Erstaunlich sei vor allem, dass über die Rolle des Italienischen in Weimar schon viel mehr bekannt ist als über jene des Französischen. Immerhin habe das Französische damals in ganz Europa als galante Hofsprache schlechthin gegolten, wohingegen das Italienische vor allem im 16. Jahrhundert von Bedeutung war.

Italienisch als Migrantensprache

Mit der Verbreitung des Italienischen im Europa des 16. Jahrhunderts hat sich Scharinger u. a. in seiner 2018 veröffentlichten Dissertation auseinandergesetzt. Darin kam er zu dem Ergebnis, dass das Italienische nicht nur als Kultursprache – etwa in Form von Belletristik – die Landesgrenzen passierte, sondern auch durch Migration.

Verantwortlich dafür waren neben den vielen Malern, Bildhauern und Architekten, die aufgrund der Ausstrahlungskraft der italienischen Renaissancekultur an Europas Höfe geholt wurden, auch italienische Adlige, die nach ihrer Heirat mit einem ausländischen Fürsten nicht selten von ihrer italienischen Entourage an ihren neuen Herrschaftssitz begleitet wurden. "Die Migranten sorgten für einen regen Austausch und genossen in der Regel ein hohes Prestige", erklärt Scharinger. "So konnten viele italienische Wörter in andere Sprachen Eingang finden." Auch ins Deutsche gelangten Begriffe, die heute noch gebräuchlich sind, wie die finanzsprachlichen Ausdrücke "Konto", "Risiko" und "Bankrott".

Nach Abschluss seines Studiums forschte und lehrte Thomas Scharinger zunächst an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Für seine Promotion ging er an die Ludwig-Maximilians-Universität München, an der er bis 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, bevor er nun als Juniorprofessor an die Universität Jena wechselte. "Die Atmosphäre hier am Institut ist sehr familiär und mir wurde von Anfang an viel Wertschätzung entgegengebracht", sagt der junge Sprachwissenschaftler über sein neues Umfeld.

Kontakt:

Thomas Scharinger, Juniorprof. Dr.
Ernst-Abbe-Platz 8
07743 Jena
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