Im EU-Verbund

Mediziner erforschen personalisierte Immuntherapie bei Sepsis

Forscher der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums Jena an neuem EU-Projekt beteiligt
Im EU-Verbund "Immunosep" testen Jenaer Mediziner eine individualisierte Immuntherapie.
Foto: Anna Schroll/UKJ
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Meldung vom: 11. Februar 2020, 11:32 Uhr | Verfasser/in: Uta von der Gönna

Im EU-Projekt ImmunoSep untersucht ein Forschungsverbund mit insgesamt 14 Partnern, ob Sepsispatienten von einer spezifischen Immunbehandlung profitieren, die nicht bei allen Patienten gleich angewandt wird, sondern den individuellen Krankheitsverlauf von Patienten berücksichtigt. Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) ist als klinisches Studienzentrum an dieser Studie beteiligt. Das Vorhaben wird im Rahmen des Horizon 2020 Förderprogramms der Europäischen Union in den nächsten vier Jahren mit insgesamt über zehn Millionen Euro gefördert.

„Von Therapien, die entsprechend dem Patientenstatus auf das Immunsystem gerichtet sind, erhoffen wir uns einen großen Schritt in der Verbesserung der Überlebens- und Heilungschancen bei Sepsis“, so Prof. Dr. Michael Bauer, Sprecher des Center for Sepsis Control & Care (CSCC) der Medizinischen Fakultät der Universität Jena und des UKJ. Antibiotika und moderne Intensivmedizin haben die Sterblichkeit der Sepsis in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich reduziert, jedoch stirbt immer noch etwa ein Drittel der Patienten an der Erkrankung, die durch eine fehlgesteuerte Antwort des Körpers auf Infektionen hervorgerufen wird. Dabei beeinflussen individuelle Unterschiede den Verlauf der Erkrankung und den Behandlungserfolg deutlich. Zum Beispiel steht bei einigen Patienten eine überschießende Entzündungsantwort im Vordergrund, bei anderen bestimmt eine geschwächte Abwehrantwort den Verlauf.

Jena als einziges klinisches Studienzentrum in Deutschland beteiligt

Diese Unterschiede nimmt ImmunoSep ins Visier und startet eine klinische Studie, um eine Individualisierung der Immuntherapie bei Sepsis zu testen. „Wir werden die Studienpatienten in Gruppen mit verstärkter und zu schwacher Abwehrreaktion einteilen und in beiden Gruppen eine immundämpfende bzw. eine immununterstützende Therapie mit der etablierten Standardtherapie vergleichen“, beschreibt PD. Dr. Sebastian Weis, der die Studie am UKJ mit Prof. Bauer leitet, das Vorgehen. In die Studie sollen knapp 300 Patienten in sechs europäischen Ländern aufgenommen werden. Jena ist das einzige klinische Studienzentrum in Deutschland.

In einem breit angelegten Screening erstellt ImmunoSep zudem von den Studienpatienten umfassende genetische, immunologische, mikrobiologische und Stoffwechselprofile, in denen mit systembiologischen Methoden nach charakteristischen Markern für den individuellen Krankheitsverlauf gesucht wird. Das Ziel des Projektes ist es, den Weg für eine individualisierte Immuntherapie zu ebnen, die die Sterblichkeit der Sepsis signifikant senken kann. „Wir freuen uns, die Jenaer Expertise in der klinischen Sepsisforschung in diese möglicherweise bahnbrechende Studie einbringen zu können, die das Potenzial hat, die Sepsistherapie nachhaltig zum Wohle der Patienten zu verändern“, betont Prof. Bauer.

Kontakt:

Sebastian Weis, PD Dr.
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