Das moderne Klosterareal in Yeha mit dem antiken Großen Tempel (r.).

Monumentalbau im äthiopischen Hochland entdeckt

Bei Ausgrabungen in Yeha wurden Reste eines 2700 Jahre alten Heiligtums freigelegt.
Das moderne Klosterareal in Yeha mit dem antiken Großen Tempel (r.).
Foto: Deutsches Archäologisches Institut
  • Forschung

Meldung vom: 19. Februar 2020, 11:26 Uhr | Verfasser/in: Nicole Kehrer (DAI)

Bei jüngsten Ausgrabungen im heutigen Kirchengelände des Fundplatzes Yeha im äthiopischen Hochland wurden die Reste eines weiteren 2700 Jahre alten Heiligtums freigelegt. Das religiöse Zentrum dieses Ortes lag bereits in der Antike auf einer zentralen Erhebung und zeugt von der Jahrtausende alten Kultkontinuität. 

Der Fundort Yeha liegt im nördlichen Hochland Äthiopiens in der Provinz Tigray und bildete in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. das politische und religiöse Zentrum einer der bedeutendsten komplexen Gesellschaften südlich der Sahelzone. Die Entstehung dieser Kultur hängt unmittelbar mit der Migration sabäischer Bevölkerungsgruppen aus dem heutigen Jemen zum nördlichen Horn von Afrika zusammen. Ein äthiopisch‐deutsches Kooperationsprojekt, an dem auch der Jenaer Epigrafiker Prof. Dr. Norbert Nebes beteiligt ist, untersucht die kulturellen Kontakte zwischen den eingewanderten Sabäern und der ansässigen Bevölkerung. Im Vordergrund steht die Erforschung des Prozesses der Interaktion dieser beiden  Kulturen. So fallen neben indigenen Merkmalen insbesondere die südarabischen Einflüsse auf,  die sich in der Kunst, der Repräsentationsarchitektur aber auch in Schrift, Sprache, Religion und der gesellschaftlicher Organisation widerspiegeln. 

3D-Scan der bisher ausgegrabenen Bereiche des neuen Heiligtums. 3D-Scan der bisher ausgegrabenen Bereiche des neuen Heiligtums. Abbildung: M. Lindstaedt, HCU Hamburg
Blick in die Grabung im November 2019. Blick in die Grabung im November 2019. Foto: Irmgard Wagner

Die monumentalen öffentlichen Bauwerke konzentrieren sich in der unbefestigten Siedlung  Yeha auf das heutige Kirchengelände und seine unmittelbare Umgebung. Neben dem „Großen  Tempel“, einem in den letzten Jahren erforschten und restaurierten Heiligtum des höchsten  sabäischen Gottes Almaqah, zählen zu diesen Monumentalbauten weiterhin ein  etwa 60 m x 60 m großer mehrgeschossiger Palast sowie mehrere bisher nur in Ansätzen  untersuchte Repräsentationsbauten. Mit den jüngsten Ausgrabungen kann nun ein weiterer Tempel mit 1,40 m starken Außenmauern sowie einer Pfeilerhalle im Inneren des Gebäudes rekonstruiert werden, auch wenn bislang nur wenige Reste freigelegt wurden. Typisch für eine südarabische Bauweise sind die gestufte Anordnung der Quaderlagen der Außenmauer  sowie der mörtel‐ und dübellose Versatz der Steine. Identisch mit der südarabischen Steinmetztechnik ist zudem die Gestaltung der Quadersichtflächen mit geglättetem Rand und aufgerauter Mittelfläche. Anhand dieser Details lässt sich das Gebäude in das 7. Jahrhundert v. Chr. datierten und entstand damit etwa zeitgleich mit dem Großen Tempel. Pfeilerhallen, die die mehrschiffigen Innenräume der Tempel gliedern, sind für südarabische Sakralbauten im heutigen Jemen bekannt. Mit den sabäischen Einwanderern fand dieser Bautyp Eingang in die architektonische Gestaltung der Heiligtümer von Yeha.

Mit dem neuen Sakralbau wird die herausragende religiöse Bedeutung unterstrichen, die der  Fundplatz Yeha in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. in dieser Region besaß.  

Die Arbeiten in Yeha werden von der Orient‐Abteilung des DAI gemeinsam mit der Friedrich-Schiller‐Universität Jena durchgeführt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Langfristvorhaben gefördert.  

Kontakt (in Jena):

Norbert Nebes, Univ.-Prof. Dr.
Telefon
+49 3641 9-44851
Fax
+49 3641 9-44852
Raum 208
Zwätzengasse 4
07743 Jena
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