Eine Virtual Reality-Brille und zwei Joysticks ermöglichen die besonderen Einblicke.

Willkommen in der Rheumality

Wie Virtual Reality trotz Corona-Beschränkungen praktische Erfahrung in der Lehre ermöglicht
Eine Virtual Reality-Brille und zwei Joysticks ermöglichen die besonderen Einblicke.
Foto: UKJ
  • Studium & Lehre

Meldung vom: 23. Juli 2020, 14:06 Uhr | Verfasser/in: Anne Curth

Es erinnert an Science Fiction, wenn PD Dr. Alexander Pfeil mit Virtual Reality-Brille und zwei Joysticks ausgestattet seine Medizinstudierenden auf einen virtuellen Spaziergang durch das Innere eines Knochens mitnimmt. Was zunächst nach Unterhaltung auf dem Laptop aussieht, hat jedoch einen lehrreichen Hintergrund: Denn der Oberarzt der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Jena (UKJ) vermittelt Medizinstudierenden im achten Semester damit Wissen zu den häufigsten Erkrankungen im Bereich Rheumatologie. „Eigentlich findet das rheumatologische Pflichtpraktikum traditionell vor Ort im Klinikum statt – mit sechs realen Patienten, die den Studierenden ihre Erkrankungen vorstellen“, so Dr. Pfeil. „In Corona-Zeiten war das reale Aufeinandertreffen nicht möglich. Deshalb haben wir uns eine digitale Alternative gesucht.

Virtuelle Rheumatologie am Laptop

Schon seit Mitte vergangenen Jahres testet der Rheumatologe ein digitales Konzept, welches um das Team von Dr. Arnd Kleyer von der Medizinischen Klinik 3 des Universitätsklinikums Erlangen entwickelt wurde. Dabei werden in einem virtuellen Raum rheumatologische Fälle zur Schulung von Patienten und Studierenden vorgestellt. „Eigentlich wollten wir diese sogenannte Rheumality unseren Studierenden zunächst alternativ zum Praktikum vor Ort zur Verfügung stellen, um das Konzept auf Herz und Nieren zu prüfen. Vor Start des Sommersemesters mussten wir schnell reagieren und haben allen Studierenden den Zugriff ermöglicht“, sagt der Jenaer Rheumatologe. Seit Mai können sich die Studierenden in Gruppen in die anderthalbstündige Web-Konferenz einwählen, die Dr. Pfeil zweimal wöchentlich anbietet. Nach einer kurzen theoretischen Auffrischung geht es los: Er setzt die Virtual Reality-Brille auf und steuert mit zwei Joysticks durch den virtuellen Raum. Die Studierenden verfolgen ihn dabei auf ihren Laptops. Sie sehen das, was er durch seine Brille sieht. „Anhand von drei virtuellen Patienten können wir unseren Studierenden drei häufige rheumatologische Erkrankungen näherbringen: die rheumatoide Arthritis im frühen und im fortgeschrittenen Stadium und die Psoriasis Arthritis“, sagt Dr. Pfeil. Welche Beschwerden liegen bei den verschiedenen Erkrankungen vor? Sind Veränderungen der Knochenstruktur auf den Röntgenbildern erkennbar? Und bei welchen Erkrankungen sind Aufnahmen im Computertomographen notwendig? Der besondere Clou: Die hochauflösenden dreidimensionalen Bilder der Computertomografie ermöglichen es dem Rheumatologen, die Knochen beliebig zu vergrößern und die Strukturen „begehbar“ zu machen. Dank Chatfunktion und Ton-Übertragung können die Studierenden jederzeit Fragen stellen und mit dem Lehrenden interagieren. 

Ein Konzept mit Zukunft

Der Jenaer Rheumatologe ist begeistert von den Möglichkeiten, die die virtuelle Rheumatologie bietet. „Die Darstellung der Krankheitsbilder ist sehr präzise und anschaulich. Die 3D-Bilder sind noch anschaulicher als beim realen Praktikum“, so Dr. Pfeil. „Und wir können sogar ein Problem lösen. Manche rheumatologischen Erkrankungen sind sehr selten. Behandeln wir aktuell keinen passenden Patienten, können wir unsere Studierenden bestimmte Krankheitsbilder im Praktikum nicht präsentieren. Das könnten wir mit der virtuellen Version des Praktikums ändern.“ Deshalb setzt sich der Rheumatologe für die Erweiterung der Rheumality ein – auch hinsichtlich seltener rheumatologischer Erkrankungen.  

Wie das neue Format bei den Studierenden ankommt, wird sich in der begleitenden Evaluation zeigen. Erste Rückmeldungen lassen Dr. Pfeil hoffen, dass er die Studierenden mit seiner Begeisterung für die digitale Version und für das Fach Rheumatologie angesteckt hat. 

Kontakt:

Alexander Pfeil, PD Dr.
Am Klinikum 1
07747 Jena
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