Die Sprecher des SFB ChemBioSys Prof. Christian Hertweck (l.) und Prof. Georg Pohnert im Studio.

Mikrobielle Kommunikation im virtuellen Raum

Internationale Online-Konferenz zu mikrobiellen und biomolekularen Interaktionen
Die Sprecher des SFB ChemBioSys Prof. Christian Hertweck (l.) und Prof. Georg Pohnert im Studio.
Foto: Alena Gold
  • Light
  • Life
  • Veranstaltung
  • Internationales

Meldung vom: 08. September 2020, 12:00 Uhr | Verfasser/in: Alena Gold

Eine internationale Konferenz mit rund 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt ist gerade an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu Ende gegangen. In Zeiten ohne Pandemie wäre das vermutlich keine große Nachricht, ist die Universität Jena doch regelmäßig Treffpunkt für internationale Gäste. Eine dreitägige Konferenz während der anhaltenden Corona-Pandemie ist dagegen schon eine Herausforderung. Dieser Aufgabe haben sich der Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ und die beiden Sonderforschungsbereiche „ChemBioSys“ und „AquaDiva“ gestellt und gemeinsam mit dem Konsortium „InfectControl“ das „Microverse I – Joint International Symposium on Microbial and Biomolecular Interactions“ als Online-Konferenz an der Universität Jena veranstaltet.

Gastgeber Prof. Dr. Axel Brakhage, Sprecher des Exzellenzclusters und Professor für Mikrobiologie und Molekularbiologie der Universität Jena, zieht eine positive Bilanz: „Die Monate der intensiven Vorbereitung, die ausgezeichnete Unterstützung des Multimediazentrums der Universität und die hochkarätigen Beiträge der eingeladenen Forschenden haben die Konferenz zu einem Erfolg werden lassen. Wir freuen uns, dass wir die neuesten Erkenntnisse über mikrobielle Kommunikation, Umwelt- und Wirtsmikroben in diesem Online-Format austauschen konnten.“

Mikroorganismen helfen beim Pflanzenschutz und sind Naturstoffproduzenten

Insgesamt 29 Sprecher berichteten während der drei Tage vom 1. bis 3. September von ihrer Forschung. Prof. Dr. Leo Eberl von der Universität Zürich gab beispielsweise Einblicke in seine Arbeit zur Rolle einer neuen Signalmolekülklasse bei der umweltfreundlichen Bekämpfung eines verheerenden Pflanzenpathogens. Bestimmten Klassen von bakteriellen Signalmolekülen wird erst seit Kurzem Aufmerksamkeit geschenkt, darunter Valdiazen. Dieses beeinflusst unter anderem, wie Gene zum Ausdruck kommen. So auch beim Bakterium Pseudomonas syringae, das wichtige Kulturpflanzen wie Mangobäume schädigt.

In einem anderen Vortrag sprach Prof. Dr. Muriel Gugger vom Institut Pasteur in Paris über Cyanobakterien als ergiebige Hersteller von Naturprodukten. Diese uralten Lebewesen sind nicht nur die ersten Sauerstoffproduzenten, ihre Genome eignen sich auch als Quelle für Naturstoffe. Die Sessions endeten jeweils mit der Möglichkeit, die Sprecher in einem virtuellen Raum zu treffen und mit ihnen zu diskutieren. Weitere Möglichkeiten der Interaktion wurden durch 38 Posterpräsentationen in virtuellen Sitzungsräumen geboten.

Ein weiterer Höhepunkt waren die drei Diskussionsrunden am letzten Tag des Microverse I-Symposiums. Diskussionsleiter und Teilnehmende debattierten die Möglichkeiten der Biotechnologie zur Beschreibung mikrobieller Interaktionen und was Mikrobiologen bei der Suche nach neuen Wirkstoffen, also möglichen Medikamenten, von der Natur lernen können. In der dritten Diskussionsrunde besprachen die Wissenschaftler aktuelle Fortschritte und Herausforderungen bei omics-Technologien, um mit Metagenomics gezielt seltene oder funktionell bedeutsame Mikroorganismen zu untersuchen und die Kluft zwischen Daten aus verschiedenen omics-Ansätzen und Experimenten zu überbrücken. "Wir hatten eine wirklich lebhafte Diskussion mit sich ergänzenden Meinungen. Diese Diskussion ist notwendig, besonders in Zeiten, in denen der übliche Austausch mit Wissenschaftlern aus aller Welt begrenzt ist", sagt AquaDiva-Lehrstuhlassistent Martin Taubert, der die Diskussionsrunde leitete und bald eine eigene Nachwuchsgruppe im Microverse-Cluster aufbauen wird.

Hintergrund: Die beteiligten Forschungsverbünde

Der Exzellenzcluster Balance des Mikroversums erforscht die komplexen Wechselwirkungen von Mikroorganismen mit anderen Lebewesen und mit ihrer Umwelt, die für das Funktionieren von Ökosystemen, unser Klima und das Wohlbefinden von Pflanzen, Tieren und Menschen von großer Bedeutung sind.

Das Ziel des SFB ChemBioSys ist die Erforschung grundlegender regulatorischer Prozesse in komplexen Biosystemen, die unser tägliches Leben beeinflussen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf chemischen Mediatoren, die eine Schlüsselrolle bei der Regulierung der Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften und Interaktionen einzelner Organismen einer oder mehrerer Arten spielen.

Der SFB AquaDiva konzentriert sich auf die wichtige Rolle von Wasser (Aqua) und Biodiversität (Diva) für die Gestaltung der Struktur, Eigenschaften und Funktionen des Untergrundes, dem Teil der Kritischen Zone der Erde, der unterhalb der höchsten Dichte von Pflanzenwurzeln beginnt und sich bis in die ersten Grundwasserleiter erstreckt.

InfectControl repräsentiert ein Konsortium, in dem sich Wissenschaft und Industrie zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten zusammengeschlossen haben. Sein Ziel ist es, Infektionen langfristig zu verhindern, schneller zu erkennen und mit innovativen Therapien konsequent zu bekämpfen. InfectControl unterstützt Aufklärungskampagnen für Impfungen und ein stärkeres Bewusstsein für Infektionskrankheiten.

Kontakt:

Axel A. Brakhage, Univ.-Prof. Dr.
Lehrstuhlinhaber
Prof. Dr. Axel Brakhage, Sprecher "Balance of the Microverse"-Cluster
Telefon
+49 3641 532-1001
Fax
+49 3641 532-0802
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie
Beutenbergstraße 11a
07745 Jena
Diese Seite teilen
Die Uni Jena in den sozialen Medien:
Ausgezeichnet studieren:
  • Logo der Initiative "Total E-Quality"
  • Logo des Best Practice-Club "Familie in der Hochschule"
  • Logo des Projekts "Partnerhochschule des Spitzensports"
  • Qualitätssiegel der Stiftung Akkreditierungsrat - System akkreditiert
Zurück zum Seitenanfang