Untersuchung der Neustädter Blut- und Rachenwasserproben.

Große Neustadt-Studie zu Corona geht in die nächste Runde

Mediziner untersuchen Langzeitverhalten von Antikörpern und Abwehrzellen
Untersuchung der Neustädter Blut- und Rachenwasserproben.
Foto: Hoppert/UKJ
  • Corona
  • Forschung

Meldung vom: 01. Oktober 2020, 16:23 Uhr | Verfasser/in: Annett Lott

Zum dritten Mal wird Anfang Oktober ein Wissenschaftsteam des Universitätsklinikums Jena (UKJ) unmittelbar in Neustadt tätig sein. Ziel ist es, anhand neuer Untersuchungen in Zusammenhang mit COVID-19 weiterführende Erkenntnisse über das Verhalten von Antikörpern und Abwehrzellen zu erhalten.

Während im Rahmen des ersten Forschungsaufenthaltes in Neustadt im Frühjahr 71 Prozent der Bevölkerung von Neustadt auf das Virus und den Immunstatus getestet und in einer zweiten Runde durch die HNO-Ärzte des UKJ Personen mit Geschmacks- und Geruchsstörungen untersucht wurden, stehen diesmal lediglich rund 150 Bürger im Fokus der Wissenschaftler. Diese 150 Probanden setzen sich zum einen aus Personen zusammen, die im Frühjahr positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Zum anderen geht es um die Bewohner, bei denen im Mai Antikörper nachgewiesen werden konnten. In Summe handelt es sich dabei um etwa 65 bis 70 Neustädter. Für die wissenschaftliche Methodik notwendig ist zudem noch einmal eine etwa gleich große Kontrollgruppe, die weder Antikörper noch COVID-19 hatten, aber der ersten Gruppe unter anderem in Alter und Geschlecht entsprechen.

Wie schnell lässt das immunologische Gedächtnis nach?

Die Wissenschaftler erhoffen sich Antworten auf die Frage, ob und wie schnell das immunologische Gedächtnis gegen COVID-19 nachlässt. Prof. Dr. Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am UKJ, beschreibt die existierenden offenen Fragen: „Es gibt Berichte, die nahelegen, dass die gebildeten Antikörper gegen SARS-CoV-2 relativ schnell wieder verloren gehen. Wir wollen herausfinden, ob dies nur auf Einzelfälle zutrifft oder ein generelles Phänomen ist und ob Abwehrzellen den Verlust der Antikörper kompensieren und den Schutz nach einer durchlaufenen COVID-19 Infektion aufrechterhalten.

Das achtköpfige Wissenschaftsteam wird vom 7. Oktober bis 9. Oktober in Neustadt wieder im Gemeindehaus tätig sein. Mit ersten Ergebnissen zu Fragen der Antikörper kann etwa Ende Oktober gerechnet werden. Die Forschungen zu den spezifischen Abwehrzellen, die am UKJ im Institut für Immunologie unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Kamradt durchgeführt werden, dauern voraussichtlich bis Ende des Jahres. Diese Untersuchungen sind technisch sehr aufwendig. Eine weitere Runde ist dann für das kommende Frühjahr geplant.

Einfach erklärt:
Das menschliche Immunsystem reagiert sehr komplex auf unerwünschte und krankmachende Eindringlinge. Erkennt es eine Infektion im Körper, produziert es für gewöhnlich Antikörper, die diese Erreger, meistens Viren oder Bakterien, angreifen und für deren Zerstörung sorgen. Viren sind jedoch Erreger, die körpereigene Zellen zur Vermehrung benötigen. Einmal in eine Zelle eingedrungen, sind sie dort vor Antikörpern geschützt. Das Immunsystem setzt dann andere Abwehrwaffen, sogenannte T-Zellen, ein. Das sind weiße Blutkörperchen (Lymphozyten), die in der Regel als Immunantwort auf spezielle Viren gebildet werden und die befallenen Körperzellen zerstören können.

Rückblick:
Der knapp 1.000-Einwohner-Ort im südlichen Ilm-Kreis stand ab 22. März 2020 für zwei Wochen unter Quarantäne. Am Ende dieser Quarantäne waren 49 Personen mit dem neuen Corona-Virus infiziert, zwei davon verstarben.

Mit einem zehnköpfigen Team war Pletz bereits Mitte Mai in Neustadt, nahm von den Teilnehmern Blut- und Rachenspülwasserproben, befragte sie über Einzelheiten zur Symptomatik und möglichen Exposition mit dem Virus.

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