Lemuren kommen nur auf Madagaskar vor. Dieser Rotstirnmaki ernährt sich v. a. von Früchten.

Der verlockende Duft süßer Früchte

Neue Forschungsgruppe untersucht die Kommunikation zwischen Pflanzen und ihren Konsumenten
Lemuren kommen nur auf Madagaskar vor. Dieser Rotstirnmaki ernährt sich v. a. von Früchten.
Foto: Omer Nevo
  • Forschung

Meldung vom: 29. Oktober 2020, 15:52 Uhr | Verfasser/in: Sebastian Tilch, Axel Burchardt

Dr. Omer Nevo leitet die neue Nachwuchsgruppe „Evolutionsökologie". Dr. Omer Nevo leitet die neue Nachwuchsgruppe „Evolutionsökologie". Foto: Universität Ulm

An der Friedrich-Schiller-Universität wird ein neuer Forschungsbereich eingerichtet. Ab November 2020 leitet der Biologe Dr. Omer Nevo die Nachwuchsgruppe „Evolutionsökologie“, die am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig ihren Sitz haben wird. Der 35-jährige Wissenschaftler untersucht die chemische Kommunikation zwischen Pflanzen und Tieren – genauer gesagt, wie Pflanzen durch den Duft ihrer Früchte Tiere anlocken, die Frucht und Samen weitertragen und ausbreiten. Nevo interessiert sich vor allem für den evolutionären Aspekt: Wie haben sich beide Seiten im Laufe der Zeit aneinander angepasst. Nevos Forschungsgruppe konzentriert sich auf frei lebende Lemuren in Madagaskar, untersucht aber auch andere Tiere in Indien, Mosambik etc. Nevo und sein Team werden für sechs Jahre mit rund 1,3 Millionen Euro durch das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Wieso wirkt Feigengeruch bei Lemuren unwiderstehlich?

Der süße Duft von Feigen ist unwiderstehlich für die wilden Lemuren Madagaskars. Doch wie kam es dazu, dass der Feigengeruch bei den Tieren als Signal wirkt? Das ist eine der Hauptfrage der neuen Forschungsgruppe. Um Antworten zu finden, kombinieren die Forschenden chemische und genetische Ansätze. Verhaltensexperimente mit Lemuren sollen darüber hinaus zeigen, wie sich ihr Geruchssinn als Reaktion auf dieses Signal entwickelt haben könnte.

Die Samenverbreitung und der ökologische Prozess dahinter sind der Klebstoff, der viele tropische Systeme zusammenhält“, sagt Nevo. „Wenn diese Tier-Pflanzen-Interaktionen entfallen, können sich die Wälder nicht mehr erneuern, was langfristig zu einem Rückgang der tropischen Artenvielfalt führen würde.“

„Löwenduft“ als Werkzeug

Nevo und seinem Team arbeiten aber auch an praktisch anwendbaren Instrumenten im Naturschutz. So erforscht ein weiteres Projekt in Südafrika die chemische Ökologie von Elefanten und nutzt die Ergebnisse, um neue Instrumente für den Naturschutz zu entwickeln. Durch den stetigen Verlust ihres Lebensraums fallen Elefanten immer häufiger in die Felder von Kleinbauern ein und verwüsten zum Teil ganze Ernten, was zu erheblichen Konflikten mit der Lokalbevölkerung führt. Oft lassen die Elefanten dabei ihr Leben. Nevo und seine Kollegen haben Duftstoffe identifiziert, die als sichere und kostengünstige Abwehrmittel auf Elefanten wirken. So könnten Konflikte zwischen Mensch und Elefant entschärft werden. Die Forscher konnten zeigen, dass synthetische Stoffe, die den Duft von Löwen – den größten Feinden der Elefanten – imitieren, wirksame Mittel zur Vertreibung darstellen. Diese sollen in einem zweiten Schritt in die Anwendung gebracht werden.

An die Universität Jena ist Nevo auch gekommen, weil sie zu den Pfeilern des iDiv gehört. Dort arbeiten Forschende unterschiedlichster Hintergründe wie Biologie, Informatik, Psychologie, Sozialwissenschaften etc. zusammen mit dem Ziel, integrative Forschung zu betreiben. „iDiv hat sich als eines der spannendsten Forschungszentren weltweit etabliert“, sagt der Biologe Nevo. „Es bietet eine wirklich einzigartige Konzentration von Spitzenforschern im Bereich der Ökologie. Ich glaube, das wird meiner Forschung sehr zugute kommen.“

Das Emmy-Noether-Programm der DFG, das Omer Nevo und sein Team für die kommenden sechs Jahre fördert, gibt besonders qualifizierten Nachwuchsforschern die Chance, sich durch die Leitung einer unabhängigen Nachwuchsgruppe für eine Professur an einer Universität zu qualifizieren. Nevo hat zuletzt an der Universität Ulm gearbeitet.

Kontakt:

Omer Nevo, Dr.
Puschstrasse 4
04103 Leipzig
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