Der neuberufene Röntgenphysiker Prof. Dr. Ralf Röhlsberger.

Der Natur neue Erkenntnisse entlocken

Neu in Jena: Prof. Dr. Ralf Röhlsberger arbeitet am Institut für Optik und Quantenelektronik
Der neuberufene Röntgenphysiker Prof. Dr. Ralf Röhlsberger.
Foto: Anne Günther (Universität Jena)
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Meldung vom: 04. November 2020, 09:00 Uhr | Verfasser/in: Stephan Laudien

Wir schießen einen Pfeil ab und wo er steckenbleibt, da malen wir eine Ziel­scheibe hin“, so umschreibt Prof. Dr. Ralf Röhlsberger das übliche Vorgehen in der Grundla­gen­forschung. Der gebürtige Hamburger ist neuer Inhaber des Lehrstuhls für Röntgenphysik am Institut für Optik und Quantenelektronik der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die ima­ginäre Zielscheibe steht dabei für den potenziellen Nutzen der Grundlagenforschung: Nicht immer sei vorhersehbar, welche Anwendungen sich aus neuen Entdeckungen ergeben.

Neue Beschichtungsanlage entsteht an der Universität Jena

Ralf Röhlsberger betont, wie wichtig es für ihn ist, bei seinen Forschungen buchstäblich aus­getretene Pfade zu verlassen. So habe beispielsweise die Entdeckung der magnetischen Eigenschaften von Dünnschicht-Elementen zur Entwicklung neuartiger Sensoren geführt, die in der Automobilindustrie einsetzbar sind. Die Entwicklung dieser Sensoren trieb Röhlsber­gers Team in Hamburg voran. In Jena möchte er an diese Forschungen anknüpfen. Gezielte Veränderungen der optischen Eigenschaften von Atomkernen zu untersuchen, die mit Rönt­genstrahlen beschossen werden, ziehe sich als „roter Faden“ durch seine wissenschaftliche Arbeit. Dieser „Mößbauer-Effekt“ war schon Thema in Ralf Röhlsbergers Dissertation an der Universität Hamburg: „Grazing Incidence Optics for Nuclear Resonant Filtering of Synchro­tron Radiation“. Nun wird auch an der Universität Jena eine neue Beschichtungsanlage ge­baut, die weitere Forschung am Mößbauer-Effekt ermöglicht. In den Fokus des Teams um Ralf Röhlsberger rücken Materialien wie Eisen 57, Zinn und die sogenannten Seltenen Erden.

Etwas Verrücktes ausprobieren

Ich bin optimistisch, dass es noch viele unbekannte Inseln gibt, die es zu entdecken gilt“, sagt Prof. Röhlsberger. Das sei ja das Faszinierende an der Physik: Als Forscher könne er der Natur Geheimnisse entlocken, Dinge sehen, die noch keiner gesehen hat. Ein großes „unent­decktes Land“ gebe es noch in der Physik. Hier kommen die Studierenden ins Spiel: Ralf Röhlsberger schätzt den frischen, unverstellten Blick der Nachwuchswissenschaftler. „Die Studierenden sollen ruhig mal etwas Verrücktes ausprobieren“, sagt er. Wer nichts Neues versuche, kann auch nichts Neues entdecken.

Ralf Röhlsberger ging als Postdoc nach Chicago, wechselte dann an die Universität in Rostock. Dort entstand seine Habilitationsschrift: „Nuclear Condensed Matter Physics with Synchrotron Radiation: Basic Principles, Methodology and Applications“. Von 2003 an arbei­tete er am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg. Hier begann die Zusam­menarbeit mit Wissenschaftlern aus Jena. Der Wechsel von der Weltstadt Hamburg nach Jena sei ihm leichtgefallen, sagt Röhlsberger. Zumal er die Kooperation mit den Fachkol­legen hier intensivieren kann.

Leidenschaft für Astronomie

Die Liebe zur Physik begann bei Ralf Röhlsberger mit dem Teleskop seines Vaters: „Schon in der Grundschule wollte ich unbedingt später einmal Astronom werden“, sagt er. Am Gym­na­sium leitete er eine Astronomie-AG, während des Studiums war die Sternenkunde eines seiner Nebenfächer. Doch schließlich wählte er die Astronomie ab, um sie als Leidenschaft zu behalten. In seiner Freizeit sind es neben der Familie – Ralf Röhlsberger ist verheiratet und hat einen 16-jährigen Sohn – ganz irdische Probleme, mit denen sich der Neu-Jenaer be­schäf­tigt. Röhlsberger konstruiert und fertigt selbst Möbel an. Auf diese Weise sind schon Sessel, eine Sitzbank und diverse Regalsysteme entstanden. Sein aktuelles Heimwerker­projekt führt indes wieder zur Physik: Ralf Röhlsberger arbeitet an einer Maschine, mit der sich die Streuung von Röntgenstrahlen zeigen lässt. Als Photonen dienen dabei kleine Ku­geln. Die Konstruktion sei gewissermaßen sein ganz persönliches Corona-Projekt, sagt Ralf Röhlsberger lächelnd.

Information

Samstagsvorlesung am 7. November zu 125 Jahren Röntgenstrahlung nur digital

Erleben kann man Prof. Röhlsberger bereits am 7. November. Er spricht im Rahmen der Samstags­vor­lesungen der Physikalisch-Astronomischen Fakultät ab 10.30 Uhr über „125 Jahre Röntgenstrahlung: Von der Entdeckung bis zum Röntgenlaser“. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wird die Vorlesung ausschließlich digital zu verfolgen sein. Der Live-Stream kann unter http://online.mmz.uni-jena.de und dort im „Hörsaal 1 Physik“ verfolgt werden.

Kontakt:

Ralf Röhlsberger, Prof. Dr.
Raum 322
Max-Wien-Platz 1
07743 Jena
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