Die digitale Lehre, hier Johannes Kretzschmar im Einsatz, wird im Studiengang Photonics ausgebaut.

Masterstudiengang Photonics auf dem Weg in die digitale Zukunft

DAAD fördert Digitalisierung von internationalem Studiengang an der Universität Jena
Die digitale Lehre, hier Johannes Kretzschmar im Einsatz, wird im Studiengang Photonics ausgebaut.
Foto: Sabine Best
  • Studium & Lehre

Meldung vom: 08. Dezember 2020, 10:00 Uhr | Verfasser/in: Vivien Busse/Axel Burchardt

Vom Ausland aus im Jenaer Labor experimentieren – dies soll mit Hilfe von Augmented und Virtual Reality bald im internationalen Masterstudiengang Photonics an der Universität Jena möglich sein. Die Weiterentwicklung des Studiengangs wird nun für zwei Jah­re vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit 400.000 Euro für das Projekt „digiPHOTON“ unterstützt. „Wir reagieren damit auf den, besonders bei internationa­len Studierenden, zunehmend größeren Bedarf nach digital und flexibel verfügbaren Lehrin­halten“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Pertsch. „Dieser Bedarf ist riesig und das Poten­zial groß, das hat uns nicht zuletzt das vergangene Semester unter Pandemie-Bedingungen gezeigt." Ziel ist es, den Photonik-Studiengang zum ersten komplett online studierbaren Stu­diengang der Universität Jena auszubauen und dieses Angebot international sichtbar zu machen.

Digitale Prüfungen und virtuelle Laborarbeit

Die Corona-Pandemie hat alle Hochschulen in Deutschland dazu veranlasst, sich intensiv mit digitaler Lehre zu beschäftigen. Während die Umstellung bei Vorlesungen und Seminaren vergleichsweise einfach machbar ist, stellt u. a. die Digitalisierung der Übermittlung for­schungspraktischer Fertigkeiten im Labor eine Herausforderung dar, betont Dr. Christian Helgert, Geschäftsführer der Abbe School of Photonics in Jena. Als stark forschungsorien­tierter Studiengang wird bei Photonics viel Wert auf die Erlangung praktischer Fähigkeiten im Labor gelegt. Mit Hilfe von digitalen Techniken wie Augmented Reality und Virtual Reality sollen Studierende, die nicht in Jena vor Ort sind, Experimente und Untersuchungen im Labor durchführen können. „Langfristig könnte es ein Ziel sein, Forschungsinfrastrukturen und Tech­nologien per Fern­steuerung zu bedienen und in virtuellen Umgebungen Zugang zu sonst stark eingeschränkten Labo­ren und Einrichtungen zu erhalten“, erläutert Helgert das Vorha­ben. „Auch die Prüfungen müs­sen digitalisiert werden und dabei dennoch faire und ver­gleich­bare Bedingungen zwi­schen allen Studierenden ermöglichen.“ Prinzipiell sieht Helgert eine gute Ausgangssituation für die Digitalisierung an der Universität Jena. „Die bisher genutzte E-Learning-Infrastruktur bietet eine gute Basis, um beispielsweise auch analysierende Elemen­te ins System einzubauen, mit denen die Studierenden während des Studiums in Eigenver­antwortung ihren Lernfortschritt objektiv und fair messen können, um sich so bestmöglich auf eine digitale Prüfung vorzubereiten.

Umstellung erfordert digitale Affinität

Wichtig beim gesamten Projekt ist es, den strategischen Ausbau der Digitalisierung durch­zuführen und dabei sowohl die Qualität als auch die Reichweite der Jenaer Lehre weiter steigern zu können. „Ein entscheidendes Ziel unseres Projektes ist es, eine Symbiose inner­halb des Studiengangs herzustellen, so dass ein Studierender je nach individueller Lebens­situation flexibel zwischen Präsenz- und Onlinelehre wechseln kann“, so Projektleiter Pertsch.

Diesen Wechsel müssen auch die Lehrenden und Mitarbeitenden bedenken. Helgert zeigt sich in dieser Hinsicht optimistisch: „Viele Kolleginnen und Kollegen sind digital sehr affin und haben bereits im vergangenen Semester mit großem Engagement eigene und zum Teil sehr unterschiedliche Lösungsansätze ausprobiert. Dies kommt uns in unserem Vorhaben zugute.“ Darauf will man sich aber nicht ausruhen, sondern für das Projekt beispielsweise einen Digital-Learning-Designer engagieren, der die passende Gestaltung der Methoden und Instrumente für die digitale Lehre professionalisiert und implementiert.

Stärkung des Forschungsstandortes Jena

Mit dem Vorhaben des Studiengangs soll der Zugang zur Lehre in Jena krisensicher und fle­xibel aufgestellt werden. Potenzielle Studiumshindernisse wie Reisebeschränkungen, aber auch physische Zugangsbeschränkungen oder die Schwierigkeit der Vereinbarkeit von Kin­derbetreuung und Studium könnten auf diese Weise stückweise abgebaut werden. Gleich­zeitig kann durch das digitale Angebot auch die Wahrnehmung der Universität als moderne innovative Forschungs- und Wissenschaftsein­richtung international gestärkt werden, sind sich die Physiker sicher. Außerdem werde die Digitalisierung langfristig mehr Studierende auf das Angebot aufmerksam machen, so dass der Studiengang wachsen kann.

Um das geplante Projekt umzusetzen, kooperiert Projektleiter Pertsch universitätsintern mit den Masterstudiengängen Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, Physik und Medical Pho­tonics. Mit Blick auf den Graduiertenbereich soll noch stärker als bisher mit der Max Planck School of Photonics, die in Jena koordiniert wird, zusammengearbeitet werden. Im dort kürzlich vorgestellten und eröffneten „Digital Teaching Lab“ wurden bereits erste inno­vative Formate digitaler Lern- und Lehrmöglichkeiten für die Photonik entwickelt.

Kontakt:

Thomas Pertsch, Prof. Dr.
Telefon
+49 3641 9-47560
Fax
+49 3641 9-47562
Abbe Center of Photonics, Raum 305
Albert-Einstein-Straße 6
07745 Jena
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