Die Ausstellung präsentiert neben Hüpfspielen und Reimen auch Spielsachen der damaligen Zeit.

Kinderspiele von damals

Studierende der Universität Jena präsentieren bis 12. August in einer Ausstellung Kinderspiele und Reime aus den 1930er Jahren
Die Ausstellung präsentiert neben Hüpfspielen und Reimen auch Spielsachen der damaligen Zeit.
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
  • Veranstaltung

Meldung vom: 26. Juli 2021, 07:45 Uhr | Verfasser/in: Vivien Busse

Aufgemalte Hüpfkästchen und Kreidezeichnungen auf den Straßen sind vor allem im Sommer ein wohlvertrauter Anblick in Wohnsiedlungen, denn gemeinsame Hüpf- und Fangspiele im Garten und auf der Straße sind seit jeher ein beliebter Zeitvertreib für Kinder. Mit dieser Art des Spielens befasste sich auch ein Projektteam der Friedrich-Schiller-Univer­sität Jena. Studierende des Instituts für Kunst- und Kulturwissenschaften untersuchten während der vergangenen zwei Semester unter Leitung von Julia Pfeiffer die Geschichte von Kinderspielen in Thüringen im vergangenen Jahrhundert. Die Ergebnisse ihres Projektes präsentieren die Studierenden ab 6. August in einer Ausstellung an der Universität.

„Himmel und Hölle“ sowohl damals als auch heute beliebt

Was und wie haben Schulkinder in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gespielt? Gibt es Unterschiede zu den heutigen Spielen? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des Projekts. „Es gibt einige Reime und Fingerspiele für Kleinkinder, die wir auch heute noch kennen und verwenden“, gibt Julia Pfeiffer Einblicke in die Ergebnisse. Als Beispiele nennt sie den Zählreim „Das ist der Daumen, der pflückt die Pflaumen“ oder auch „Backe, backe Kuchen“. Bewegungsspiele wie das Hüpfspiel „Himmel und Hölle“ wurden bereits damals gespielt und sind heute noch beliebt. Unbekannt aus heutiger Sicht sind vor allem die Lieder, die während der Bewegungsspiele gesungen wurden. Hier nennt Pfeiffer „Klingeling, die Elektrisch kommt“, bei dem die damals neue Straßenbahn besungen wurde.

Fragebögen der Thüringer Volkskunde bieten viel Potenzial

Grundlage der Ausstellung bilden Fragebögen aus den 1930er Jahren von der Landesstelle für Thüringer Volkskunde in Jena, die hierfür gemeinsam mit dem NS-Lehrerbund zusammenarbeitete. Darin wurden nach den Sitten und Bräuchen im damaligen Gau-Thüringen zu Geburt, Kindheit und Familie gefragt. Ausgefüllt wurden die Fragebögen vor allem von Lehrpersonal – handschriftlich und in Sütterlin-Schrift. „Wir mussten uns zunächst mit der Schrift vertraut machen und die Buchstaben lernen, um die Fragebögen angemessen transkribieren zu können“, sagt Pfeiffer. Nun, da die Schrift gelernt und die Fragebögen digitalisiert wurden, bieten sie noch viel Potenzial für weitere Forschungen, erklärt die Jenaer Kulturwissenschaftlerin. „Unsere Arbeit zu den Spielen ist sozusagen erst ein Anfang.“

Spielen und Kindheit im Kontext der NS-Zeit

In der Ausstellung, die am 6. August digital eröffnet wird, stellen Pfeiffer und ihr Team das Thema Spielen von Klein- und Schulkindern dar. Da die zugrundeliegenden Informationen aus der NS-Zeit stammen, stellt die Ausstellung gleichzeitig Hintergrundinformationen zum Thema Kindheit während des Nationalsozialismus bereit und setzt damit das Thema Spielen in den Kontext der Zeit. Das Team erläutert, was Kindheit und Spielen im Nationalsozialismus bedeutete und wie das Spielen durch die Zeit beeinflusst wurde. Neben der Darstellung der Spiele und Reime werden in der Ausstellung einzelne Fragebögen sowie Spielsachen und Kartenspiele gezeigt, die unter anderem aus der Thüringer Spielzeugindustrie stammen. Junge und jung gebliebene Ausstellungsgäste können sich darüber hinaus selbst bei Hüpfspielen ausprobieren.

„Ich finde es wichtig für die Studierenden, die Ergebnisse physisch als Ausstellung zu präsentieren und den Fortschritt ihrer Arbeit so zu dokumentieren“, betont Pfeiffer die Relevanz der Ausstellung für das Team des Projektseminars. Dies sei eine besondere Art der Lehre und des Lernens. Neben den Studierenden sollen aber auch Besucherinnen und Besucher der Ausstellung dazulernen und ihr Wissen zum Thema Spielen und Kindheit in der NS-Zeit erweitern.

Geöffnet vom 9. bis 12. August

Die Ausstellung wird am 6. August um 16 Uhr digital per Zoom eröffnet und ist dann vom 9. bis 12. August im Ausstellungsraum (Raum 023) im Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität (Fürstengraben 1) zu sehen. Zur Vernissage und zum Besuch der Ausstellung wird um vorherige Anmeldung gebeten per E-Mail an: spielend2021@gmail.com.

In Zusammenarbeit mit der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) wurde die Ausstellung digitalisiert und ist nach dem Ausstellungszeitraum virtuell begehbar. Auf seinem Blog „Spielend“ dokumentierte das Projektteam seine Arbeit und gibt Einblicke in den Entwicklungsprozess der Ausstellung.

Information

Öffnungszeiten der Ausstellung:

Mo., 9.8. – Do., 12.8.2021
9 – 18 Uhr

Es wird um vorherige Anmeldung gebeten per E-Mail an spielend2021@gmail.com.

Kontakt:

Lehrstuhl Volkskunde
Julia Anna Jasmin Pfeiffer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Telefon
+49 3641 9-44393
Fax
+49 3641 9-44392
Raum 306
Zwätzengasse 3
07743 Jena
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