Die DAAD-Preisträgerin 2021 Gabriela Miranda Miranda

Aus Angst und Unsicherheit wurden Mut und Unterstützung

Studentin aus Bolivien erhält in diesem Jahr den DAAD-Preis für ausländische Studierende an der Universität Jena
Die DAAD-Preisträgerin 2021 Gabriela Miranda Miranda
Foto: Anne Günther (Universität Jena)
  • Preise & Personalia

Meldung vom: | Verfasser/in: Vivien Busse

Mit 21 Jahren kam sie das erste Mal im Rahmen eines Austauschprogramms als Gaststudentin aus Bolivien nach Jena. Ihr gefiel es so gut in Jena, dass sie blieb und an der Friedrich-Schiller-Universität Romanistik und Soziologie studierte. Nun absolviert Gabriela Miranda Miranda den Masterstudiengang Romanische Kulturen in der modernen Welt mit dem Schwerpunkt Latino-Amerikastudien und wird außerdem in diesem Jahr mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für ausländische Studierende an der Universität Jena ausgezeichnet. Ihre besonderen akademischen Leistungen und ihr vielfältiges kulturelles und soziales Engagement überzeugten die Auswahlkommission. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wird ihr am 21. Oktober im Rahmen der Feierlichen Immatrikulation der Friedrich-Schiller-Universität überreicht.

Auszeichnung ist gleichzeitig ein Symbol für Unterstützung

„Ich sehe den Preis nicht nur als Auszeichnung für mich als einzelne Frau. Hinter mir stehen und standen so viele Personen, die an mich geglaubt und mich immer unterstützt haben. Der Preis steht bei mir symbolisch für meine Community“, erklärt Miranda die Bedeutung des Preises für sie. Das Preisgeld will sie deshalb nutzen, um ihren Förderinnen und Förderern mit kleinen Aufmerksamkeiten und Geschenken zu danken. Die Unterstützung, die sie erfahren und für die sie den Preis erhalten hat, gibt sie längst selbst weiter und engagiert sich für andere Studierende aus dem Ausland sowie für Migrantinnen und Migranten.

Ehrenamtliche Integrationshilfe

Neben ihrem Studium engagiert sich die aufgeschlossene Bolivianerin im Verein Iberoamerica e. V., einer Migrationsorganisation in Jena, die die gesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnen und Migranten fördert und ihr gesellschaftliches Engagement sichtbar macht. Dort organisiert sie die jährlich stattfindenden Kulturfestivals, gibt Spanisch-Sprachkurse und hilft bei der Betreuung der bilingualen Kinderstunde, während der Kinder sowohl Deutsch als auch ihre Muttersprache üben können. Auch bei Behördengängen, Übersetzungen und Fragen der Integration unterstützt sie hilfesuchende Migrantinnen und Migranten. Zusätzlich engagierte sie sich 2019 im InfoCafé des Internationalen Büros der Friedrich-Schiller-Universität. In Workshops und im offenen Café beriet sie neue internationale Studierende zu ihren Fragen und leistete Hilfestellung für Neuankömmlinge.

Die Motivation für ihr soziales Engagement resultiert aus eigenen Erfahrungen. „Als ich nach Deutschland kam, hatte ich Angst davor, als Mädchen der Dritten Welt abgestempelt zu werden, aber auch vor Hierarchien und davor, Fehler zu machen.“ Dank einer Mentorin an ihrer Seite konnte sie diese Angst ablegen, integrierte sich schnell und fühlte sich wohl in ihrer neuen Wahlheimat. In diesem Prozess lernte sie, dass sie selbst ihre Vorurteile ablegen und die Dinge hinterfragen musste, um sie besser zu verstehen.

Wertschätzung anderer Kulturen fördern

Als Mitglied des Iberoamerica-Vereins unterstützt sie die politische Bildungsarbeit des Vereins. Im Rahmen des Konzepts „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zeigt sie Schülerinnen und Schülern die südamerikanischen Länder aus ihrer Sicht. „Das Ausland wird häufig als exotisch präsentiert und darauf reduziert. Dabei bieten andere Länder so viel mehr und oftmals können wir in Deutschland von ihnen lernen“, erzählt sie. So sei der Respekt gegenüber der Natur in Bolivien seit langem tief in der Kultur verankert, was sich etwa durch das große Wissen zur Naturmedizin und deren häufiger Anwendung zeige. Miranda gibt außerdem Einblicke in meist unsichtbare Bereiche des Landes und der Kultur, etwa in die Rituale, die Spiritualität oder auch die Mentalität. Miranda setzt sich auch dafür ein, dass ihre Heimat nicht als wirtschaftlich arm und verschlossen präsentiert wird. „Der nicht-monetäre wirtschaftliche Handel wird beispielsweise häufig als Resultat von Armut interpretiert. Dies ist für mich eine koloniale Sichtweise.“ Sie fordert deshalb gegenseitige Wertschätzung und daraus resultierend eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Nach ihrem Master-Abschluss will Miranda in einem Institut für internationale Zusammenarbeit oder für eine Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeiten. Ob sie dafür nach über neun Jahren in Deutschland in ihre Heimat Bolivien zurückkehrt, lässt sie aber noch offen.

 

Britta Salheiser, Dr.
Internationales Büro
Britta Salheiser
Universitätshauptgebäude, Raum 0.19
Fürstengraben 1
07743 Jena