Musikwissenschaftler Michael Klaper mit der neuen Publikation zu Francesco Butis Kantatentexten.

Francesco Buti – ein Dichter und viele Komponisten

Musikwissenschaftler veröffentlichen zehn seit 400 Jahren nicht aufgeführte italienische Kantaten
Musikwissenschaftler Michael Klaper mit der neuen Publikation zu Francesco Butis Kantatentexten.
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)
  • Forschung

Meldung vom: 17. Dezember 2021, 10:38 Uhr | Verfasser/in: Angelika Bohn

In Deutschland verwüstet der 30-jährige Krieg das Land, die Geschicke Frank­reichs bestimmen Kardinal Richelieu und Ludwig XIII. Dessen schöne Frau Anna von Österreich liebt Theater, Musik und Tanz. Chick ist, was aus Rom, Florenz und Venedig kommt und so geben am französischen Hof italienische Komponisten den Ton an.

Kein Wunder also, dass Francesco Buti (1606-1682) nach Paris geht, als sein Dienstherr 1645 aus Rom fliehen muss. Inzwischen führen Kardinal Mazarin und Anna von Österreich die Ge­schäfte für den noch minderjährigen Ludwig XIV. Francesco Buti, Doktor im Kirchen- und Zi­vilrecht und bereits von vielen Komponisten als Dichter geschätzt, macht am französischen Hof als Eventmanager, Librettist und Diplomat Karriere.

Unterschätzte Texte

Seit seiner Habilitationsschrift über die „Italienische Oper in Frankreich im 17. Jahrhundert“ bewegt Michael Klaper, Professor für Historische Musikwissenschaft an der Universität Jena, dass bemerkenswert viele Komponisten der Zeit sich der Kunst Butis bedienten. Dessen Texten allerdings bescheinigte man später keine allzu große Qualität – ein Vorurteil, fand Michael Klaper. Bei der Auseinandersetzung mit Butis Libretti entdeckte der Experte für Ba­rockmusik deren Qualität und war fasziniert von Figurenzeichnung und Dramatik.

Gleiches gilt für die Kantaten-Texte des Italieners. Michael Klaper wusste von acht überlie­ferten Werken. Ein überschaubarer Bestand exzellenter Texte, die einst die besten Musiker der Zeit zu wunderbaren Kompositionen inspirierten. Zeit für eine Wiederentdeckung. Der Plan war, diesen Schatz zu heben und Neues zu wagen, die Forschung nicht wie üblich auf das Werk nur eines Komponisten, sondern auf einen Textdichter und verschiedene Kom­ponisten zu richten.

Bereits die Idee begeisterte den renommieren Verlag A-R Editions, Middleton, Wisconsin, der das Jenaer Projekt verlegerisch betreute. Gemeinsam mit Studierenden der Musikwissen­schaft und der Alten Musik erarbeiteten Prof. Klaper und seine Doktorandin Nastasia Hecken­dorff das Werkverzeichnis aller erhaltenen Kantaten mit Texten von Francesco Buti. Nun ist die Edition „Cantatas on texts by Francesco Buti (1606-82)“ erschienen.

Livemusik begleitete den gehobenen Alltag im 17. Jahrhundert

Musikwissenschaftler haben eine recht genaue Vorstellung vom klingenden 17. Jahrhundert. Livemusik begleitete den Alltag von Adel, Klerus und gehobenem Bürgertum. „Die Gesell­schaft war natürlich streng hierarchisch gegliedert“, sagt Prof. Klaper, „zugleich erinnert der tägliche Gebrauch von Musik sehr an unsere Gegenwart. Ob die gerade entstandene Oper oder zur Abendunterhaltung bestellte Sänger und Musiker, ob große, aufwendige Produk­tio­nen oder Kammermusik mit zwei Interpreten – das Publikum ist begeisterungsfähig, fach­kundig und begierig auf Neues.“ 

Tausende von Kompositionen entstanden, nur ein Bruchteil ist als Handschrift oder Abschrift, selten als Druck überliefert und schlummert verstreut in einschlägigen Archiven. Auf der Su­che nach Buti durchforsteten die Forschenden in Jena digital Kataloge und Inventarverzeich­nisse von Bibliotheken in Italien, Paris, London und den USA. Dabei konnten sie zwei weitere Kantaten zu Texten Butis entdecken. Damit aber begann erst die Arbeit. Der Aufwand ist im­mens, will man die Werke heutigen Interpreten verfügbar machen. Es gilt, die alten Noten und Texte zu entschlüsseln, zu verstehen und für Musizierende les- und interpretierbar aufzube­rei­ten. Gesungen wird natürlich italienisch. Doch hat Michael Klaper nicht nur für die Studie­renden in Jena alle Texte Butis ins Englische übersetzt, nur über Englisch wird heute der Inhalt der Kantaten weltweit zugänglich.

Wie meist in der populären Musik drehen sich schon Butis Texte um bestens vertraute The­men.  „Tröste dich, mein Herz“, beginnt die erste Kantate. „Vielfach werden tragische Ereig­nisse durchgespielt, die der Liebe oder den Liebenden entgegenstehen“, sagt Michael Klaper.

Seit dem 17. Jahrhundert war diese innige, schöne Musik verstummt. Die vorliegende Edition macht es möglich, dank des gemeinsamen Textdichters gleich zehn seinerzeit überaus popu­läre und erfolgreiche Komponisten wieder erklingen zu lassen.

Information

Bibliographische Angaben:
Cantatas on Texts by Francesco Buti (1606-82), hg. v. Michael Klaper/Nastasia Heckendorff, Middleton, Wisconsin 2021, Verlag A-R Editions, ISBN: 978-1-9872-0711-8 (print), 978-1-9872-0712-5 (online), DOI https://doi.org/10.31022/B226

Kontakt:

Professur für Musik des Mittelalters und der Renaissance
Michael Klaper, Univ.-Prof. Dr.
Frommannsches Anwesen, Raum 231
Fürstengraben 18
07743 Jena
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