Der neue Makroökonom Prof. Dr. Roland Winkler.

Wenn der Staat die Konjunktur beeinflusst

Der neue Volkswirt Prof. Dr. Roland Winkler analysiert die Wirksamkeit von Fiskalpolitik
Der neue Makroökonom Prof. Dr. Roland Winkler.
Foto: Jürgen Scheere (Universität Jena)
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Meldung vom: 20. Dezember 2021, 07:15 Uhr | Verfasser/in: Axel Burchardt

Beleben kurzfristige Steuersenkungen, wie sie beispielsweise während der Coronapandemie erfolgten, die Wirtschaft? Wie sehr stützen im Vergleich dazu staatliche Ausgabenprogramme, also Investitionen in Straßen und Windräder und Ausgaben für Bib­liotheken und Schulen, die Konjunktur? Wer profitiert besonders von solchen Maßnahmen?  Die Frage nach den Konsequenzen fiskalpolitischer Hand­lungen gehört zu den ewig jungen Themen der Wirtschaftswissenschaft, hat aber in letzter Zeit bedeutende methodische Fort­schritte erlebt, erläutert Prof. Dr. Roland Winkler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der neuberufene Professor für Volkswirtschaftslehre (VWL) mit dem Schwerpunkt Makro­öko­nomie gehört zu denen, die die Wirksamkeit und den Erfolg von fiskalpolitischen Maßnah­men sehr engagiert analysieren und wirtschaftspolitische Fragen erforschen.

In Krisen­zeiten ist Fiskalpolitik sinnvoll

Die aktuelle Coronapandemie bietet für den Volkswirt – bei aller Brisanz für den Einzelnen –viel Anschauungsmaterial. Grundsätzlich, sagt der gebürtige Bremer, sei die Belebung der Wirtschaft durch Fiskalpolitik vor allem „in Krisenzeiten sinnvoll“. Die Art und der Erfolg hin­gen aber vom Zustand der jeweiligen Ökonomie ab, daher seien allgemeingültige Aussagen zum Erfolg schwierig. „Es kommt darauf an“, ist ein Satz, den er häufig einsetzen muss, weil Forschungsergebnisse nicht problemlos von einem Land aufs andere übertragbar sind. Oder weil die Ergebnisse nicht von einem Wirtschaftszweig oder Förderprogramm auf andere an­gewendet werden können.

So sei die kurzfristige Mehrwertsteuersenkung in Deutschland während der Coronapandemie „ein klares Instrument zur Stimulierung der Konjunktur gewesen“, sagt der Neu-Jenaer. Die ak­tuelle Studienlage spricht für eine deutliche Stimulierung der Nachfrage durch diese Maß­nahme.

Winkler selbst hat in seinen aktuellen Forschungen stärker die USA im Blick. Gemeinsam mit Kollegen hat er untersucht, wie dort ein Konjunkturpaket gestaltet sein sollte, um die Entste­hung von Arbeitsplätzen für diejenigen anzuregen, die im Zuge der Coronakrise ihren Arbeits­platz verloren haben. Das Resultat in Kürze: Breitangelegte Erhöhungen der Staatsaufgaben helfen vor allem dienstleistungsnahen Beschäftigten, Arbeiter profitierten hingegen kaum da­von. Für diese Arbeitnehmer sei eine Steuersenkung auf Arbeit, etwa über die Einkommens­steuer, sinnvoll, schlägt er einen Weg vor, den er aus seinen Simulationsstudien ableiten konn­te. „Wir können nur begrenzt Experimente durchführen und ins Labor gehen“, sagt Prof. Winkler. Stattdessen arbeitet der Makroökonom quantitativ mit Daten und Statistiken und si­muliert in Modellen verschiedene Szenarien konjunktureller Entwicklungen und staatlicher Re­aktionen. „Das Fach ist sehr viel empirischer geworden“, betont er. Und das will der Wirt­schaftswissenschaftler auch seinen Studierenden in Jena vermitteln. Am Beispiel relevanter Fragestellungen sollen Daten und theoretische Analysen verbunden werden. „Wenn mir das gelingt und die Studierenden dabei die verschiedenen Ansätze und Annahmen kritisch hinter­fragen, dann bin ich mit meiner Lehre zufrieden“, bringt er sein Vermittlungsprinzip auf den Punkt.

Austausch über das eigene Fach hinaus

Seine Lehre sei aus einem Learning by doing entsprungen, habe aber durch seine fünf Jahre an der Universität Antwerpen, wo ein Lehrzertifikat verpflichtend ist, deutlich gewonnen. Der Austausch zur Lehre über das eigene Fach hinaus habe ihm Perspektiven eröffnet, die er nun auch in Jena anwenden wird. Einer Stadt in einem für ihn neuen Bundesland, die er schon nach wenigen Wochen für ihre Natur und die Kultur schätzen gelernt hat – trotz der Pande­miebeschränkungen.

Roland Winkler wurde 1977 in Bremen geboren. Er studierte VWL in Kiel, wo er 2009 mit einer Arbeit über Konjunkturzyklen promoviert wurde. Als Postdoc arbeitete Winkler am Institut für Welt­wirt­schaft in Kiel und an der Goethe-Universität in Frankfurt/M. 2011 wechselte er als Ju­niorprofessor an die TU Dortmund und 2017 auf eine Professur für Makroökonomie an die Uni­versität Antwerpen. Diese verließ er in diesem Jahr und nahm den Ruf an die Friedrich-Schil­ler-Universität Jena an.

Kontakt:

Makroökonomik
Roland Winkler
Raum 4.149
Carl-Zeiß-Straße 3
07743 Jena
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