Das kulturelle Erbe Thüringens wird von der Bevölkerung des Freistaats besonders geschätzt.

Unterstützung der Demokratie bleibt stark verankert, doch das Vertrauen in aktuelle Politik bleibt gering

Thüringen-Monitor 2025 der Universität Jena untersucht gesellschaftlichen Zusammenhalt im Freistaat
Das kulturelle Erbe Thüringens wird von der Bevölkerung des Freistaats besonders geschätzt.
Foto: Jan-Peter Kasper (Universität Jena)
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Meldung vom: | Verfasser/in: Ute Schönfelder

Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Thüringen ist stark ausgeprägt. Zugleich bleibt das Vertrauen in politische Institutionen eher niedrig. Das zeigt der Thüringen-Monitor 2025, den ein Forschungsteam des Instituts für Politikwissenschaft und des KomRex – Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration – der Friedrich-Schiller-Universität Jena heute (12. Mai) vorgelegt hat. Für das Gutachten zur politischen Kultur im Freistaat wurden knapp 4.000 wahlberechtigte Thüringerinnen und Thüringer telefonisch sowie webbasiert befragt. Schwerpunktthema des aktuellen Thüringen-Monitors ist der gesellschaftliche Zusammenhalt.

Hohe Verbundenheit mit Thüringen

Rund 90 Prozent der Befragten fühlen sich »sehr« oder »eher stark« mit Thüringen verbunden. Als besondere Stärken des Bundeslandes nennen sie vor allem Natur und Landschaft sowie die Kultur mit dem historischen Erbe und den Traditionen Thüringens. »Der Thüringen-Monitor zeigt, dass Zugehörigkeit in Thüringen stark über den Nahraum entsteht, etwa über die Gemeinde, die Landschaft, gemeinsame Traditionen und soziale Beziehungen vor Ort«, sagt Prof. Dr. Marion Reiser, die wissenschaftliche Leiterin der Studie an der Universität Jena. »Diese lokale Verankerung ist eine wichtige Ressource für den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Freistaat.«

Starker Zusammenhalt vor Ort

Mit 85 Prozent ist die große Mehrheit der Befragten mit der Lebensqualität an ihrem Wohnort sehr zufrieden. 68 Prozent fühlen sich in stabile soziale Beziehungen und Netzwerke eingebunden; 83 Prozent gehen davon aus, bei Problemen Unterstützung aus ihrem nahen Umfeld zu erhalten.

Auch das Potenzial für lokales politisches Engagement ist hoch: 20 Prozent können sich etwa vorstellen, für ein Amt oder Mandat in ihrer Gemeinde zu kandidieren; weitere neun Prozent engagieren oder engagierten sich bereits auf diese Weise.

Kluft zwischen Demokratie-Ideal und Demokratie-Praxis

Die Zustimmung zur Demokratie als Staatsidee bleibt mit 90 Prozent auf einem sehr hohen Niveau. Im langfristigen Vergleich der vergangenen 25 Jahre, in denen der Thüringen-Monitor bereits erscheint, ist dies der höchste gemessene Wert. Deutlich kritischer fällt hingegen die Bewertung der Demokratie in der Praxis aus: Nur 44 Prozent sind mit dem gegenwärtigen Funktionieren der Demokratie in Deutschland »zufrieden« oder »sehr zufrieden«. Das Vertrauen in Bundesregierung und Landesregierung liegt bei 21 beziehungsweise 29 Prozent.

»Die Befunde zeigen eine deutliche Kluft zwischen der hohen Zustimmung zur Demokratie als Idee und der Unzufriedenheit mit ihrem konkreten Funktionieren«, sagt Reiser. »Diese Lücke ist demokratiepolitisch bedeutsam, weil sie Anknüpfungspunkte für populistische und systemkritische Narrative bietet, die die grundsätzliche Legitimität des politischen Systems infrage stellen.«

Rechtsextreme Einstellungen bleiben verbreitet

Die beiden Bestandteile des Rechtsextremismus – Ethnozentrismus und Neo-Nationalsozialismus – sind nach Anstiegen in den Vorjahren im Jahr 2025 erstmals leicht rückläufig. So ist z. B. die Zustimmung zu einem starken Nationalgefühl (»Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen.«) von 61 Prozent im Jahr 2024 auf 53 Prozent gesunken. Die Zustimmung zur sozialdarwinistischen Aussage »Es gibt wertvolles und unwertes Leben« ist von 22 Prozent im Jahr 2024 auf 13 Prozent gesunken. Dennoch ist der Anteil derjenigen, die beide Bestandteile des einstellungsmäßigen Rechtsextremismus teilen, mit 18 Prozent konstant geblieben. 

Populistische Einstellungen bleiben mit 58 Prozent ähnlich weit verbreitet wie in den Vorjahren. Zugleich sind sie häufiger mit ethnozentrischen oder neo-nationalsozialistischen Einstellungen verbunden. Unter den Befragten mit populistischen Einstellungen teilen 66 Prozent zugleich entsprechende rechtsextreme Einstellungsmuster. »Populismus hat sich in Thüringen zuletzt nicht weiter ausgebreitet, sich aber stärker nach rechts verschoben«, sagt Marion Reiser. 

Hintergrund

Der Thüringen-Monitor ist eine im Auftrag der Thüringer Staatskanzlei erstellte Studie zur politischen Kultur im Freistaat und untersucht seit dem Jahr 2000 jährlich politische Einstellungen und gesellschaftliche Entwicklungen in Thüringen. Die Langzeitstudie ist dieses Jahr zum 25. Mal erschienen. Der vollständige Thüringen-Monitor 2025 kann hier heruntergeladen werden.

Kontakt: 

Marion Reiser, Univ.-Prof. Dr.

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