Bei beiden zählt jedes Wort

A. Tegge (Standesbeamtin) und S. Matuschek (Literaturwissenschaftler)

Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von A. Tegge (l.) und S. Matuschek auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.

Foto: Robyn Steffen
Kreisrund zugeschnittene Porträtfotos von A. Tegge (l.) und S. Matuschek auf dunkelgrünem bzw. lila Hintergrund, die sich in der Mitte leicht überschneiden.

Sie beurkundet die wichtigsten Momente im Leben eines Menschen – Geburt, Heirat, Tod. Er erforscht, wie Sprache und Literatur diese Momente formen und überliefern. A. Tegge und S. Matuschek begegnen Wörtern mit derselben Sorgfalt: als Standesbeamtin weiß sie, dass ein falsches Wort Konsequenzen hat. Als Literaturwissenschaftler weiß er, dass das richtige Wort die Welt verändern kann. 

Wie beginnt ein Tag, an dem für euch alles läuft?

A. Tegge: Mit Sonnenschein und viel guter Laune.

S. Matuschek: Tatsächlich beginnt jeder Tag damit, dass meine Katze mich weckt und etwas zu fressen haben möchte. Und das ist früh am Morgen. Perfekt wird ein Tag dagegen durch schöne Begegnungen: wenn ich jemanden treffe oder spreche, mit dem ich mich gerne austausche.

Jena gilt als Stadt der kurzen Wege. Welchen Ort erreichst du blind und was verbindest du damit?

A. Tegge: Den Weg ins Zentrum, vor allem in das Historische Rathaus, finde ich immer. Hier verbringe ich die meiste Zeit der Woche. Aber auch den Weg ins Paradies für einen schönen Spaziergang gehe ich gerne.

S. Matuschek: Blind erreicht man am leichtesten wohl den Marktplatz. Er ist wie ein Gravitationszentrum dieser kleinen Stadt, eine Achse, um die sich alles dreht. Schöne Orte, zu denen ich gerne und häufig gehe, sind der Paradiespark und abends die Wagnergasse mit ihren Kneipen.

Was findet ihr an Jena exzellent?

A. Tegge: Dass man hier das Stadtleben und die Natur so nah beieinander hat. Man ist fix in der Stadt, aber eben auch schnell im Umland, wenn man mag.

S. Matuschek: Jena hat eine ideale Größe, wenn man in und mit einer Universität leben will. Die Stadt ist so klein, dass die Universität so groß ist, dass sie für fast alle, die hier ihr Leben führen, wirklich das Zentrum dieser Stadt ist. In einer Großstadt wäre die Universität nur ein kleiner Faktor unter vielen anderen. Hier ist sie der zentrale Faktor – und so wird die Universität zum sozialen Ort.

Worte, die wirklich zählen – welches Wort würdest du Jena mitgeben?

A. Tegge: Jena darf gerne auch weiterhin so exzellent bleiben, wie es ist.

S. Matuschek: Weil jedes Wort zählt, sind es eigentlich viele Worte. Wenn jedes Wort zählt, darf man keines über die anderen stellen. Was es am besten trifft: Jena ist ein Universitätsdorf. Diese Mischung aus ganz groß – universitas, also alles – und ganz klein. Das ist charmant.

Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird. Was wünscht ihr euch für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Uni?

A. Tegge: Ich wünsche mir, dass auch weiterhin so viele Menschen nach Jena kommen und diese Stadt kennenlernen dürfen. Sei es zum Studieren, als Tourist oder eben auch zum Heiraten. 

S. Matuschek: Dass sie so gut bleibt, wie sie ist. Ich glaube, das ist der beste Wunsch, den man haben kann. Die Rahmenbedingungen erlauben uns keine überschwänglichen Blütenträume. Wir haben schon sehr viel erreicht. Die Verbindung ist sehr gut und es ist gut, wenn sie so gut bleibt.

Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…

A. Tegge: … ich durch meine Arbeit im Standesamt viele Menschen auf ihrem personenstandsrechtlichen Lebensweg begleiten darf.

S. Matuschek: … ich Professor an der Universität Jena bin.