Förderpreis "Geschlechteraspekte im Blick 2026"

Melanie Weirich und Jules Kielmann für herausragende Forschung prämiert

Preisträgerinnen "Geschlechteraspekte im Blick 2026": Prof. Melanie Weirich (links) und Dr. Jules Kielmann (rechts)

Foto: Anna Schroll (links) / Goethe-Gesellschaft (rechts)
Preisträgerinnen "Geschlechteraspekte im Blick 2026": Prof. Melanie Weirich (links) und Dr. Jules Kielmann (rechts)
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Meldung vom: | Verfasser/in: Gender in Focus
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Im Rahmen des Festveranstaltung zum Schillertag wurde der Förderpreis "Geschlechteraspekte im Blick 2026" an Prof. Dr. Melanie Weirich und Dr. Jules Kielmann verliehen.

In der Kategorie "fortgeschrittene Wissenschaftler:innen" erhielt die Phonetikerin Melanie Weirich den mit 1000 € dotierten Preis für ihre wegweisende Forschung, die sowohl Aspekte von Geschlecht als auch von Gender umfassend berücksichtigt. Besonders hervorgehoben wurden hierbei die innovativen Ergebnisse des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2021 bis 2025 geförderten Projekts "Geschlechtsspezifische phonetische Variabilität: Hormonelle Einflüsse und berufliches Umfeld".

Die interdisziplinär angelegten Untersuchungen von Melanie Weirich haben einen wichtigen Beitrag in der sogenannten Nature-Nurture-Debatte geleistet: In dieser Debatte geht es um die Frage, ob und welchen Einfluss sowohl das biologische Geschlecht mit der Wirkung weiblicher und männlicher Hormone als auch das soziale Gender mit erlernten Verhaltensweisen auf die Vielfalt von Stimmäußerungen haben. Mit Blick auf das biologische Geschlecht konnte Melanie Weirich zeigen, dass bestimmte phonetische Parameter wie die mittlere Sprechstimmlage bei Männern durch das Hormon Testosteron beeinflusst werden. Allerdings wurde auch deutlich, dass die Beziehungen zwischen Hormonwerten und Stimmmerkmalen komplex sind und keine einfachen und unmittelbaren Rückschlüsse auf spezifisch weibliche oder männliche Hormonkonzentrationen möglich sind. Vielmehr bedarf es einer differenzierteren Betrachtung, um die kontroversen Ergebnisse verschiedener Studien aufgrund von methodischen und inhaltlichen Unterscheidungen besser einordnen zu können. 

In einem zweiten Schwerpunkt wurde untersucht, inwiefern weibliche und männliche Stimmen sich in jeweils geschlechteruntypischen Berufsfeldern unterscheiden und welcher Zusammenhang zur selbsteingeschätzten Femininität und Maskulinität besteht. Die von Melanie Weirich veröffentlichte erste Studie dieser Art mit dem Titel "The Interaction of Gender, Occupation, and Fine Phonetic Detail"Externer Link ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer geschlechter- und gendersensiblen Forschung.

Melanie Weirich engagiert sich als Botschafterin im Projekt "Gender in Focus" und hat, gemeinsam mit ihrem Kollegen Adrian Simpson, im Podcast "Mensch im Blick" ihren geschlechter- und gendersensiblen Forschungsschwerpunkt vorgestellt:

„Mumbling is macho“. Was uns die Sprechwissenschaft über den Menschen verrät

Platzhalterbild — Thumbnail Mensch im Blick

Prof. Melanie Weirich und Prof. Adrian Simpson von der Uni Jena untersuchen in ihrer Forschung im Bereich Sprechwissenschaft/Phonetik aus vielfältigen Perspektiven, wie Menschen sprechen. Aus der alltäglichen Erfahrung wissen wir bereits, dass Unterschiede beim Sprechen von Männern und Frauen hörbar sind. Aber sind diese Unterschiede nun biologischer Art oder spiegeln sie erlerntes Verhalten wider? Über ihre Untersuchungen zu Kinderstimmen kommen Melanie Weirich und Adrian Simpson zu überraschenden Ergebnissen.

Foto: Gender in Focus/Hochschulkommunikation FSU Jena · Audio: Gender in Focus

Melanie Weirich, Prof. Dr.

Professur für Sprechwissenschaft
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In der Kategorie "Promotionsarbeiten" mit einem Förderpreis in Höhe von 750 € wurde die Literaturwissenschaftlerin Jules Kielmann ausgezeichnet. Mit ihrer Arbeit "Wechselwirkungen. Geschlecht, Nation und Autorschaft im Werk Amalie von Helvigs", die 2025 in der Reihe "Jenaer Germanistische Forschungen" erschienen ist, hat sie eine besondere Person in den Blick genommen: Amalie von Helvig, geboren 1776, war eine anerkannte Schriftstellerin und Übersetzerin – die Wahrnehmung und Bewertung ihres Schaffens wurde jedoch davon geprägt, wie sie außerdem als gebürtige deutsche Adelige, als Ehefrau eines schwedischen Militärs, als Mutter und nicht zuletzt als intellektuelle Frau gesehen wurde. Während sie in Deutschland als Paradebeispiel eines von Goethe und Schiller diskutierten 'weiblichen' Dilettantismus galt, kam ihr in Schweden zunächst die Anerkennung als "große deutsche Poetin" zu – ehe sie als Muse des Geschichtsprofessors und Schriftstellers Erik Gustav Geijer auf eine Rolle als Literaturvermittlerin und Übersetzerin reduziert wurde.

Jules Kielmann hat das vielfältige literarische Werk von Amalie von Helvig einer eingehenden Untersuchung unterzogen und dabei die Bedeutung von Geschlecht, Nationalität und Netzwerkkontakten für Schriftstellerinnen um 1800 herausgearbeitet. Zum Vorschein kommt mit Amalie von Helvig eine Persönlichkeit, die inmitten enormer politischer Umbrüche auf bemerkenswerte Weise in den intellektuellen Milieus von Weimar, Heidelberg, Berlin, Stockholm und Uppsala verkehrte und dort erfolgreich 'ihre Frau stand'.

Jules Kielmann, Dr.

Professur Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
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