Neuer Wissenschaftswettbewerb erfolgreich gestartet

Die Wissenschaftlerin Prerana Chaudhari gewinnt das erste Falling Walls Lab in Jena

Jubel am Ende des Falling Walls Wissenschaftswettbewerbs

Foto: Anna Perepechai
Jubel am Ende des Falling Walls Wissenschaftswettbewerbs

Gleich beide Auszeichnungen des erstmals in Jena ausgetragenen Wissenschaftswettbewerbs »FALLING WALLS Lab« gingen an Dr. Prerana Chaudhari, Postdoktorandin und Projektleiterin am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI). Mit ihrem Pitch überzeugte sie sowohl die Fachjury als auch das Publikum. Als Gewinnerin des Jury-Preises vertritt sie Jena nun beim internationalen FALLING WALLS Global Finale in Berlin.

In ihrem Vortrag „Breaking the Wall of How We Treat Broken Walls of Our Body“ nahm die gebürtige Inderin das Motto des Wettbewerbs wörtlich: Ihr Forschungsprojekt SEAL beschäftigt sich mit den natürlichen Schutzbarrieren unseres Körpers – und mit der Frage, wie sich diese reparieren lassen, wenn sie geschädigt sind.

Prof. Dr. Miriam Agler-Rosenbaum sprach im Namen der Jury: „Jede der elf Präsentationen hat uns mit innovativen Ideen, besonderen Perspektiven und diesem gewissen Funken beeindruckt. Entsprechend schwer ist uns die Entscheidung gefallen.“ Der Beitrag von Dr. Prerana Chaudhari habe die Jury jedoch in besonderer Weise überrascht: „Sie hat die Perspektive einmal komplett umgedreht und gefragt: Warum stehen diese Mauern eigentlich – was macht sie stabil und was instabil? Übertragen auf unsere körpereigenen Barrieren bedeutet das: Warum behandeln wir erst die Entzündung, wenn eine Barriere geschädigt ist, anstatt danach zu fragen, wie wir die Barriere selbst wiederherstellen können? Genau dieser Perspektivwechsel hat uns überzeugt.“

Solche natürlichen Barrieren spielen in verschiedenen Organen unseres Körpers eine wichtige Rolle. Werden sie durchlässig oder geschädigt, kann dies zu chronischen Entzündungen beitragen und steht mit einer Reihe von Stoffwechsel-, allergischen, neurodegenerativen und altersbedingten Erkrankungen in Verbindung. Bislang gibt es jedoch kein zugelassenes Medikament, das eine geschädigte Barriere direkt wiederherstellt. Bestehende Therapien setzen vor allem an den Folgen an, etwa an Entzündungen.

Genau hier setzt SEAL an: Chaudhari entwickelt neuartige Wirkstoffe, die geschädigte Barrieren direkt reparieren und ihre Schutzfunktion wiederherstellen sollen. Grundlage ist ein natürliches kleines Molekül, das aus der Forschung an gesunden Hundertjährigen hervorgegangen ist. Darauf aufbauend entwickelt SEAL einen neuen therapeutischen Ansatz, der nicht nur die Folgen einer geschädigten Barriere behandelt, sondern an der zugrunde liegenden Ursache ansetzt. Langfristig soll daraus eine Plattform entstehen, mit der sich die Barrierefunktion in verschiedenen Organen wiederherstellen lässt und die damit neue Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedliche chronische Erkrankungen eröffnen könnte.

Dabei geht Chaudharis Vision über die Behandlung bereits entstandener Schäden hinaus. Wie sie es in ihrer Präsentation formulierte: „Not just for treating damage, but for maintaining resilience throughout life“ – also nicht nur Schäden behandeln, sondern die Widerstandsfähigkeit des Körpers ein Leben lang erhalten.

Jena schickt seine Gewinnerin zum Global Finale nach Berlin

Beim ersten FALLING WALLS Lab Jena am 10. September 2026 traten elf Nachwuchsforschende und Innovator:innen aus der Region in der Imaginata gegeneinander an. Die Herausforderung: In jeweils nur drei Minuten mussten sie eine interdisziplinäre Jury davon überzeugen, welche „Mauer“ ihre Forschung zum Einsturz bringen kann. Entscheidend waren dabei insbesondere der Durchbruch-Charakter der Ideen und ihr Potenzial, wissenschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.

Der Jury-Preis entscheidet zugleich über das Weiterkommen im internationalen Wettbewerb: Als Gewinnerin qualifiziert sich Chaudhari für das FALLING WALLS Global Finale in Berlin, bei dem die Siegerinnen und Sieger der regionalen FALLING WALLS Labs aus aller Welt aufeinandertreffen.

Eine Besonderheit der Jenaer Ausgabe ist der Publikumspreis. Neben der Fachjury konnte auch das Publikum seinen Favoriten des Abends wählen – und auch hier fiel die Wahl auf Chaudhari. Damit gelang ihr bei der Premiere des FALLING WALLS Lab Jena ein Doppelsieg: Sie überzeugte sowohl die Jury als auch das Publikum.

Mit dem Wettbewerb wurde Jena erstmals Teil des internationalen FALLING WALLS Lab-Netzwerks, das wissenschaftliche Nachwuchstalente und ihre „Breakthrough Ideas“ aus aller Welt zusammenbringt.

JENAINNOVATION und Graduierten-Akademie holten FALLING WALLS erstmals nach Jena

Gemeinsam veranstaltet wurde das erste FALLING WALLS Lab Jena von JENAINNOVATION und der Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide setzen an unterschiedlichen Punkten wissenschaftlicher Karrierewege an und verbindet das Ziel, Forschenden Räume zu eröffnen, in denen sie ihre Ideen weiterentwickeln, sichtbar machen und deren Wirkungspotenzial ausloten können.

Für JENAINNOVATION würdigte Projektleiter Ede Möser zunächst die elf Forschenden, die sich der besonderen Herausforderung des Abends gestellt hatten: Jahrelange Forschung, Ideen und wissenschaftlichen Ehrgeiz vor fast 200 Menschen in nur drei Minuten auf den Punkt zu bringen, sei bereits eine bemerkenswerte Leistung. Zugleich passe der Grundgedanke des FALLING WALLS Lab unmittelbar zur Arbeit der Transferinitiative: „Forschung fragt: Was wäre, wenn? Was könnte möglich sein? Was verstehen wir noch nicht – und können wir es herausfinden? Innovation und Transfer fügen dem eine weitere Frage hinzu: Was können wir daraus machen?“

Dabei gehe es nicht darum, dass aus jedem Forschungsergebnis ein Produkt werden oder jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler ein Unternehmen gründen müsse. Wissenschaftliche Freiheit und exzellente Grundlagenforschung seien das Fundament für neue Erkenntnisse. „Aber manchmal hat Forschung ein zweites Leben – jenseits der Publikation, jenseits der Konferenz und jenseits des Labors. Wenn es dieses Potenzial gibt, sollten Forschende den Weg dorthin nicht zufällig finden müssen. Genau dafür gibt es JENAINNOVATION.“

Die Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena begleitet als zentrale Einrichtung der Universität Promovierende und Postdocs in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn und beim Übergang in das Berufsleben. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Fähigkeit, die eigene Forschung verständlich zu vermitteln. „Wissenschaftskommunikation ist eine Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Forschende“, erklärte Judith Malsam für die Graduierten-Akademie. „Wer Wissenschaft betreibt, muss auch vermitteln können, woran man forscht, warum diese Forschung relevant ist und dafür sorgen, dass sie wahrgenommen wird.“ Das FALLING WALLS Lab bietet Forschende in frühen Karrierephasen eine Bühne, genau diese Fähigkeit zu erproben und ihre Forschung auch einem Publikum außerhalb des eigenen Fachgebiets verständlich zu präsentieren. 

(Text: JenaInnovation)

Weitere Impressionen der Veranstaltung finden Sie auf der Webseite von JenaInnovationExterner Link