Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Sicherheit
Biodiversitätsforscherin Aletta Bonn ist Mitautorin eines neuen Teilgutachtens des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen
Prof. Dr. Aletta Bonn ist Professorin für Ökosystemleistungen der Universität Jena und leitet das Department Biodiversität und Mensch am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Seit 2024 ist sie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU).
Foto: Bernhardt/iDiv
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Meldung vom: | Verfasser/in: Ute Schönfelder
Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung zu bewältigen. Zu diesem Schluss kommt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem neuen Teilgutachten »Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Sicherheit«. Mitautorin ist Prof. Dr. Aletta Bonn von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Beirat empfiehlt, Klima- und Sozialpolitik enger zu verbinden, Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort auszubauen und politische Kommunikation stärker auf gesellschaftlichen Zusammenhalt auszurichten.
Transformation braucht faire Teilhabe
Tiefgreifende Veränderungen etwa in der Energie-, Verkehrs- oder Wärmepolitik können Konflikte verschärfen, wenn Kosten und Nutzen als ungerecht verteilt wahrgenommen werden. Der WBGU empfiehlt deshalb, ökologische und soziale Fragen stärker gemeinsam zu betrachten. Klimafreundliche Alternativen müssten auch für Menschen mit geringem Einkommen zugänglich sein. Auch Bildung und politische Bildung seien wichtige Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Handlungsfähigkeit.
»Nachhaltige Veränderungen brauchen nicht nur technische Lösungen, sondern auch Vertrauen, faire Teilhabe und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Wenn Menschen an Veränderungen beteiligt sind und deren Nutzen vor Ort erleben, kann das zugleich den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Auch sich gemeinsam für eine gesunde Natur einzusetzen – z. B. zusammen Bäume pflanzen oder Bäche wiederherstellen – kann eine gemeinsame Selbstwirksamkeit und ein verbindendes Gemeinschaftsgefühl fördern«, sagt Aletta Bonn.
Bonn leitet an der Universität Jena die Arbeitsgruppe Ökosystemare Dienstleistungen und ist am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig tätig. Im WBGU bringt sie insbesondere ihre Expertise zu Biodiversität, Mensch-Natur-Beziehungen und Beteiligungsformaten ein.
Beteiligung kann Selbstwirksamkeit stärken
Am Beispiel der Windenergie zeigt das Gutachten, wie gesellschaftliche Akzeptanz bei kontroversen Veränderungen gefördert werden kann. Der WBGU schlägt unter anderem vor, Menschen im Umfeld von Windenergieanlagen stärker materiell an deren Erträgen zu beteiligen und die Öffentlichkeit frühzeitig in die Planung von Projekten einzubeziehen.
Solche Beteiligungsverfahren können nach Einschätzung des Beirats nicht nur die Akzeptanz einzelner Projekte erhöhen. Wenn sie früh, inklusiv und bürgernah gestaltet werden, ermöglichen sie auch die Erfahrung, politische Entscheidungen mitgestalten zu können und Konflikte demokratisch auszuhandeln.
Klima- und Sozialpolitik zusammendenken
Menschen unterstützen klima- und umweltpolitische Maßnahmen eher, wenn sie die Verteilung von Kosten und Nutzen als gerecht empfinden. Der WBGU empfiehlt daher beispielsweise, beim Umstieg auf klimafreundlicheres Heizen und Mobilität besonders darauf zu achten, einkommensschwächere Haushalte nicht zu überfordern, und den gesellschaftlichen Mehrgewinn für alle besser herauszustellen.
Zugleich plädiert der Beirat für eine politische Kommunikation, die unterschiedliche Interessen und Belastungen offen benennt, ohne gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen. Gemeinsame Ziele und mögliche Vorteile von Transformationsprozessen sollten stärker sichtbar werden.
Teil eines Gutachtens zu Sicherheit
»Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Sicherheit« ist das zweite Kapitel des Hauptgutachtens »Sicherheit – nachhaltig und integriert«, an dem der WBGU derzeit arbeitet. Wegen der dynamischen sicherheitspolitischen Debatte veröffentlicht der Beirat einzelne Kapitel vorab. Bereits erschienen sind das Teilgutachten »Umwelt prägt Sicherheit« sowie eine Lagebeurteilung zum Gesamtkonzept.
Der WBGU ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium der Bundesregierung. Er analysiert globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme und entwickelt daraus Handlungs- und Forschungsempfehlungen. Aletta Bonn gehört dem Beirat seit November 2024 an.
Das Teilgutachten zum Hauptgutachten »Sicherheit – nachhaltig und integriert« kann hier heruntergeladen werden: www.wbgu.de/hg-sicherheit-kap2Externer Link
Kontakt:
Aletta Bonn, Univ.-Prof. Dr.
- aletta.bonn@uni-jena.de
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