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Der Pädagoge und sein umtriebiger Verleger

Werner Greiling veröffentlicht Buch über den Pädagogen und Lehrerbildner Gustav Friedrich Dinter und dessen Publikationsstrategien
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01.02.2018

Die richtige Bildung, das richtige Schulsystem - nur über wenige andere Themen wird in Deutschland so vehement gestritten. Dabei ist das kein Phänomen der heutigen Zeit. Bereits im 19. Jahrhundert waren eine elementare Volksbildung und die Verbesserung des Schulwesens sowie der Lehrerausbildung zentrale Anliegen von Pädagogen und Politikern. Dabei kann der enge Zusammenhang dieser Bestrebungen mit dem Buchdruck und dem literarischen Markt kaum bezweifelt werden. So gab es um und nach 1800 intensive publizistische Debatten über die Kriterien einer modernen Pädagogik, während gleichzeitig in beträchtlichem Umfang Schul- und Lehrbücher benötigt wurden.


Der "sächsische Pestalozzi"

Einer der bekanntesten und produktivsten Autoren dieser Branche war Gustav Friedrich Dinter (1760-1831), dem in der älteren Forschung noch immer das Etikett vom "sächsischen Pestalozzi" anhaftet. Wie kaum ein zweiter namhafter Pädagoge und pädagogischer Autor seiner Zeit verfügte Dinter als Pfarrer, "Schulmann" und Lehrerbildner sowie als Konsistorial- und Schulrat über vielfältige Praxiserfahrungen. Dabei reüssierte Dinter sowohl in Sachsen als auch seit 1816 in Preußen. Der Historiker Prof. Dr. Werner Greiling von der Universität Jena hat jetzt ein Buch über Dinter und dessen Verleger Johann Karl Gottfried Wagner herausgegeben: "Verlagsstrategien zur Schulverbesserung und Volksbildung im 19. Jahrhundert. Gustav Friedrich Dinter und Johann Karl Gottfried Wagner" erschien im Leipziger Universitätsverlag.

Werner Greiling belegt, dass Dinters enorme Ausstrahlung nur möglich wurde, weil es sein Verleger Johann Karl Gottfried Wagner (1763-1831) verstand, eine ebenso facettenreiche wie wirksame Publikationsstrategie zu verwirklichen. Nicht an einem Medienzentrum, sondern von einem peripheren Standort aus - Neustadt an der Orla, einer kleinen kursächsischen und seit 1815 großherzoglich-sächsischen Kreisstadt - setzte sich Wagner auf einem zunehmend umkämpften Spezialmarkt durch. Dabei zog er alle Register des Anzeigenswesens, nutzte die Mittel der Subskription und Pränumeration, war mit seinen Verlagsartikeln auf den Buchmessen präsent und kooperierte sowohl mit den führenden Rezensionsorganen seiner Zeit als auch mit der für den Kultus zuständigen Obrigkeit. Wie der enorme buchhändlerische Erfolg zustande kam und beiden Protagonisten auch einen beträchtlichen wirtschaftlichen Ertrag bescherte, ist neben der Annäherung an das Leben und Werk Gustav Friedrich Dinters das zentrale Thema der Studie von Prof. Greiling.

Da Dinters Œuvre trotz der damals beträchtlichen Auflagenhöhen in Teilen heute nur schwer greifbar ist, wurden die Erstausgaben der Schriften des Theologen, Pädagogen und Schulbuchautors für die Monographie nicht nur bibliographisch erfasst, sondern zu weiten Teilen auch digitalisiert. Das Material aus zahlreichen Bibliotheken Deutschlands und der Schweiz mit einem Gesamtumfang von weit über 20.000 Seiten, ergänzt durch die Titelblätter der weiteren Ausgaben, wurde durch ein Team der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena aufgenommen und online gestellt: http://projekte.thulb.uni-jena.de/dinter.

Bibliographische Angaben:
Werner Greiling: "Verlagsstrategien zur Schulverbesserung und Volksbildung im 19. Jahrhundert. Gustav Friedrich Dinter und Johann Karl Gottfried Wagner", Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2017, 383 Seiten, zahlr. Abbildungen, Graphiken und Karten, 28 Euro. ISBN: 978-3-86583-798-1.

Kontakt:
Prof. Dr. Werner Greiling
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944444
E-Mail:

 

 

 

Meldung vom: 2018-02-01 08:07
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