Kirchenbibliothek

Bücherrettung sichert kulturelles Erbe

Kirchenhistoriker schließen erste Phase des Projekts zur Rettung von Kirchenbibliotheken ab
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Meldung vom: 27. November 2018, 10:55 Uhr | Verfasser: Till Bayer

Sie befinden sich an versteckten Orten wie Dachböden und drohen zu verwittern oder vergessen zu werden. Für die regionale Geschichtsschreibung sind ihre Bestände jedoch von unschätzbarem Wert. Die Rede ist von den zahlreichen Kirchenbibliotheken. Mindestens 800 von ihnen existierten auf dem Gebiet der ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Kirche Thüringens (heute Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) und viele wurden bislang nur ansatzweise oder überhaupt nicht von der Forschung untersucht. Mit dem Projekt „Erschließung und Sicherung der Nordthüringer Kirchenbibliotheken“, das von Prof. Dr. Christopher Spehr vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Universität Jena mit geleitet wird, ist nun erstmals Abhilfe geschaffen worden. Am Montag haben die Forscher ihre Ergebnisse in Bad Frankenhausen präsentiert. Neben Spehr und der Theologischen Fakultät der Universität Jena waren unter anderem das Landeskirchenarchiv in Eisenach und die Forschungsbibliothek Gotha an dem Projekt beteiligt. Von der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung wurde die Initiative mit Fördergeldern unterstützt.

Die erste Phase des Projekts begann Anfang 2017 und findet nun Ende November ihren Abschluss. In ihr widmete sich die Projektgruppe zunächst dem Auffinden, Erfassen und Verzeichnen von Büchern in den Bibliotheken des Kirchenkreises Bad Frankenhausen-Sondershausen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf die historischen Altbestände, deren Entstehung in den Zeitraum von der Erfindung des Buchdrucks bis zum Beginn der Massenproduktion zurückreicht. Insgesamt ermittelten sie 78 Bibliotheksbestände an 86 Orten und hinterlegten einen Teil davon zur besseren Erhaltung im Landeskirchenarchiv in Eisenach. Zudem pflegten sie bisher 40 Prozent der Ortsbestände – etwa 2.200 Titel – in die Datenbank des Gemeinsamen Bibliothekverbunds (GBV) ein.

Forscher entdecken Jahreskalender

 „Es ging uns vor allem um die Rettung von Büchern, die einzigartig sind und zum Teil unter konservatorisch ungünstigen Bedingungen aufbewahrt wurden“, erklärt Spehr. Einen solchen Buchschatz stellen beispielsweise die regionalen Jahreskalender des Fürstentums Schwarzburg aus dem späteren 18. Jahrhundert dar, welche die Projektgruppe in der Kirchenbibliothek in Bad Frankenhausen entdeckte. Der zuvor nur unzureichend bekannte Kalender eröffnet neue Perspektiven auf die damalige Stadt- und Landgeschichte.

Aus den historischen Erkenntnissen erhofft sich Spehr eine stärkere Sensibilisierung für das Thema in der Öffentlichkeit. Dass mit dem Projekt ein Grundstein dafür gelegt wurde, davon ist der Jenaer Kirchenhistoriker überzeugt: „Wir haben eine Wahrnehmung dafür geschaffen, dass die Sichtung und Erhaltung historischen Kulturguts eine wichtige Aufgabe darstellt.“ Um dieses Bewusstsein zu festigen und an den erfolgreichen Start anzuknüpfen, planen Christopher Spehr und sein Team mehrere Folgeprojekte. Unter anderem sollen einzigartige Werke digitalisiert und Maßnahmen der Erschließung auf weitere Kirchenkreise ausgedehnt werden.

Weitere Informationen unter: www.thueringer-kirchenbibliotheken.de

Prof. Dr. Christopher Spehr
Theologische Fakultät
Fürstengraben 6
07743 Jena
Telefon
+49 3641 9-41130
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