Künstler vor Rektorenporträts

Sechs künstlerische Ideen zur Ehrung Eduard Rosenthals

Präsentation der Einreichungen ab 7. Dezember, 19 Uhr im Jenaer Kunstverein
  • Veranstaltung

Meldung vom: 06. Dezember 2018, 15:56 Uhr

Eduard Rosenthal Eduard Rosenthal soll durch ein dezentrales Denkmal in Thüringen gewürdigt werden. Die Entwürfe dazu sind vom 7. Dezember 2018 bis 27. Januar 2019 im Jenaer Kunstverein zu sehen.

Der Botho-Graef-Kunstpreis hat sich 2018 das Ziel gesetzt, eine besondere Form der Erinnerung an den bedeutenden Jenenser Eduard Rosenthal (1853-1926) zu initiieren. In Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurden Künstlerinnen und Künstler, die bereits eindrucksvolle Werke zur Erinnerungskultur geschaffen haben, zu einem Wettbewerb für ein dezentrales Denkmal eingeladen, das unter dem Thema „Das verschwundene Bildnis – Ehre für Eduard Rosenthal“ an seinen Wirkungsorten  in Jena, Weimar und Erfurt errichtet werden soll.

Dabei streben die Auslober kein Denkmal im traditionellen Sinn an, sondern ein zeitgenössisches Werk, das Geschichte in ihrer Komplexität und Unabgeschlossenheit erfahrbar macht. Welche Lösungen für diese anspruchsvolle Aufgabe die Künstler Horst Hoheisel & Andreas Knitz, Antonia Low, Michaela Melian, Patricia Pisani, Luise Schröder und Renata Stih & Frieder Schnock gefunden haben, zeigt ab 8. Dezember die Ausstellung der Entwürfe und Konzepte im Jenaer Kunstverein.

Vater der Thüringer Landesverfassung und Rektor der Jenaer Universität

Der Rechtswissenschaftler Eduard Rosenthal hinterließ durch sein soziales und kulturelles Engagement in Jena vielfältige Spuren. Er war zwei Mal Rektor der Universität und gilt als  Vater der Thüringer Landesverfassung, deren 100. Geburtstag der Freistaat Thüringen 2020 feiert. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurde die Erinnerung an die Verdienste des Gelehrten aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner demokratischen Gesinnung unterbunden, sein Bildnis aus der Sammlung von Gelehrtenporträts der Friedrich-Schiller-Universität ist seitdem verschwunden.

Das verschwundene Bildnis Rosenthals als Leerstelle markieren, sein Wirken ehren und die Thüringer Landesverfassung als Produkt engagierten demokratischen Bürgersinns würdigen – diese drei Funktionen soll die künstlerische Arbeit erfüllen. „Die Künstler haben diese Herausforderung sehr ernst genommen“, sagt Prof. Dr. Verena Krieger. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Uni Jena hat gemeinsam mit Studierenden das Wettbewerbskonzept entwickelt und ist auch Kuratorin des Wettbewerbs. Im April 2018 kamen die Künstler nach Jena (siehe Bild oben), um die beeindruckende Lebensgeschichte Eduard Rosenthals und seiner Frau Clara sowie deren Ausgrenzung nach 1933 kennenzulernen und um die Wirkungsorte Eduard Rosenthals zu besuchen.

Der Wettbewerb zum Botho-Graef-Kunstpreis der Stadt Jena wird als Prozess gestaltet, der die Öffentlichkeit einbezieht. In der Reihe Artist Talk konnten interessierte Bürger alle beteiligten Kunstschaffenden kennenlernen, sich mit deren Schaffen und zugleich mit seit den 1970er Jahren in Deutschland entstandenen Gegen- oder Antidenkmalen vertraut machen.

Bohrungen, Türklinken, Rosen, Preis, Absenz und Gedenkteller

Die Wettbewerbsarbeit von Horst Hoheisel und Andreas Knitz trägt den Titel „Einblicke. Erkundungsbohrungen nach dem verschwundenen Bildnis“ und thematisiert den Prozess der Suche nach Eduard Rosenthal. Die Künstler wollen ganz im Wortsinn Mauern der Gebäude an seinen Wirkungsorten anbohren, so dass der Betrachter seinen Blick auf die Leerstelle richten kann.

„Ein Händedruck, eine Rose“ nennt Antonia Low ihr Konzept. Es sieht vor, bei zentralen Türen zu den Wirkungsorten Rosenthals Türklinke und Türblatt durch die Replik eines Originals aus der Villa Rosenthal auszutauschen. Zugleich bezieht die Künstlerin als einzige die Ehefrau Clara Rosenthal in ihre Arbeit ein, an die durch zu pflanzende Rosenstöcke erinnert werden soll.

Eine mannshohe, sandfarbene „Rose Eduard Rosenthal“ will Michaela Melian züchten und an vielen Orten in Jena, Weimar und Erfurt pflanzen.

Das Künstlerpaar Renata Stih und Frieder Schnock schlägt vor, einen „Eduard-Rosenthal-Preis für bürgerschaftliches Engagement, Zivilcourage und gegen Rassismus“ zu verleihen.

Patricia Pisani fragt „Wo?  Präsenz durch Absenz“ und stellt sich an ein Gemälde erinnernde, massive, große, grüne Metallplatten vor, aus denen das Porträt Rosenthals herausgeschnitten ist. Der Betrachter blickt durch das verschwundene, fehlende Bild auf den Wirkungsort des zu Ehrenden.

Unter dem Titel „Zum Wohle des ganzen Landes“ hat Luise Schröder die Idee entwickelt und durchgeplant, jedem Thüringer Haushalt einen Gedenkteller zu schenken. Sie nimmt damit den zu Lebzeiten Rosenthals populären Brauch auf, an besondere Ereignisse mittels solcher Teller zu erinnern. Die Schauseite zeigt die in zwei Teile geschnittene Fotografie Eduard Rosenthals, sie umrahmt gewissermaßen die Leerstelle des verschwundenen Bildnisses in der Mitte.

Vernissage am 7. Dezember um 19 Uhr im Rathaus

Die Ausstellung wird am Freitag, dem 7. Dezember, 19 Uhr, im Rathaus feierlich eröffnet. Zur von Jonas Zipf, Werkleiter JenaKultur, moderierten Vernissage sprechen Dr. Thomas Nitzsche, Oberbürgermeister der Stadt Jena, Prof. Dr. Walter Rosenthal, Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Cilly Kugelmann, Wissenschaftliche Beraterin und ehemalige Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin und Prof. Dr. Verena Krieger, Kuratorin. Die Vernissage wird künstlerisch umrahmt durch Musik von Maurice Ravel und Erwin Schulhoff, gespielt von Camelia und Marius Sima.

Gezeigt wird die Ausstellung im Kunstverein (Markt 16) bis 27. Januar 2019  jeweils Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 15 Uhr (Feiertag geschlossen). Für Interessierte werden zahlreiche Führungen und Matineen angeboten. 

Kontakt:

Univ.-Prof. Dr.
Verena Krieger
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