Nach dem ersten Mordopfer des NSU benannter Platz in Jena-Winzerla.

»Kein Schlussstrich!«

Jena und der NSU-Komplex –​ eine stadtgesellschaftliche Auseinandersetzung in Etappen
Nach dem ersten Mordopfer des NSU benannter Platz in Jena-Winzerla.
Foto: Stephan Laudien (Universität Jena)

Neun Kleinunternehmer mit Migrationshintergrund und eine Polizistin wurden zwischen 2000 und 2007 vom sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordet. Die terroristische Vereinigung verübte außerdem 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle. Zehn Jahre, nachdem der NSU öffentlich bekannt wurde, und drei Jahre nach der Urteilsverkündung im Strafprozess sind noch immer viele Fragen offen. Die drei Haupttäterinnen und -täter stammten aus Jena – nun will die Stadt den NSU-Komplex gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern aufarbeiten und so die Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung, Hass und Gewalt unterstützen.

Die Taten von jungen Menschen aus unserer Mitte und gesellschaftliches Versagen haben vielfaches Leid verursacht. Mit der intensiven Auseinandersetzung werden wir uns der Verantwortung gegenüber den Opfern des Terrors stellen. Ein langwieriger, schmerzhafter und notwendiger Prozess, bei dem kein Schlussstrich gezogen wird.

Dr. Thomas Nitzsche, Oberbürgermeister der Stadt Jena

Logo Kein Schlussstrich Logo Kein Schlussstrich Grafik: JenaKultur, skop

Unter dem Motto »Kein Schlussstrich!« haben die Stadt Jena, JenaKultur, die Friedrich-Schiller-Universität und das Institut für Zivilgesellschaft und Demokratie (IDZ) gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Aktivistinnen und Aktivisten sowie Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft und Kunst ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt – mit Ausstellungen, Podien, Diskussionen, Lesungen, Vorträgen, Workshops und vielem mehr. Die Beteiligten wollen den NSU-Komplex und seine historischen Wurzeln reflektieren, Fragen stellen und neue Perspektiven eröffnen.

Die Verteidigung der offenen demokratischen Gesellschaft ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer wissenschaftlichen Kultur im 21. Jahrhundert und die aufgeklärte Wissenschaft bildet eine Antithese zu Nationalismus, Menschenfeindlichkeit, Gewalt und Rassismus. Wissenschaft braucht Vielfalt, Toleranz und gegenseitige Neugier. Angesichts der steigenden Übergriffe auf Menschen aus rassistischen und rechtsradikalen Denkmustern heraus muss das Engagement dagegen verstärkt werden. Unsere gemeinsame Veranstaltung „Kein Schlussstrich!“ ist dazu ein Auftakt.

Prof. Dr. Walter Rosenthal, Präsident der Universität Jena

Veranstaltungen der Universität Jena

An der Friedrich-Schiller-Universität werden Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit gelebt. Im Leitbild der Universität, das im Februar 2021 verabschiedet wurde, wird explizit die Zurückweisung rassistischer Diskriminierungen erwähnt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund ihrer Vergangenheit als Vorzeigeuniversität des Nationalsozialismus sieht sich die Universität Jena verpflichtet, über Rassismus aufzuklären und entschieden dagegen vorzugehen.

So wurde 2019 anlässlich des 100. Todestags Ernst Haeckel die Jenaer Erklärung verabschiedet, die den Begriff »Rasse« als rassistisches Konstrukt aufdeckt und nun im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Kein Schlussstrich!« erneut aufgegriffen wird. Auch das Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration (KomRex), das 2011 nach Bekanntwerden der NSU-Mordserie an der Universität Jena gegründet wurde, beteiligt sich mit Vorträgen und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte.

23. Sep 2021
08:30 Uhr · Fortbildung · Tagung
Den Begriff »Rasse« überwinden
Die Jenaer Erklärung in der (Hoch-)Schulbildung.
30. Sep 2021
19:00 Uhr · Podiumsdiskussion
Die folgende Geschichte
Zu Kultur, Funktion und Dialektik des Erinnerns. Vier Impulse und ein Gespräch
07. Okt 2021
15:00 Uhr · Podiumsdiskussion
Die "Jenaer Erklärung" als Herausforderung und Chance für eine rassismuskritische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Panel mit Vorträgen und Diskussion
07. Okt 2021
17:00 Uhr · Podiumsdiskussion
20 Jahre THÜRINGEN-MONITOR: Demokratie- und Rechtsextremismusforschung im Freistaat
Festveranstaltung mit Podiumsdiskussion
14. Okt 2021
16:00 Uhr · Vortrag
Christliche Religion als Treiber oder Bremse von Bedrohungsgefühlen – in Reflexion von KiTa- & Schulalltag
Vortrag und Diskussion mit Carolin Hillenbrand (WWU Münster). Die Veranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe "Kein...
18. Okt 2021
14:00 Uhr · Fortbildung
Hate Speech als pädagogische Herausforderung
Fortbildung für Lehrer*innen, Pädagog*innen, Schulsozialarbeiter*innen u.a.
27. Okt 2021
18:15 Uhr · Vortrag
Das Urteil des OLG München im NSU-Prozess
Eine Bestandsaufnahme und kritische Würdigung aus der Perspektive der gesamten Strafrechtswissenschaft
28. Okt 2021
14:00 Uhr · Fortbildung
Der Umgang mit Rechtspopulismus in der Schule
Fortbildung für Pädagog*innen, Schulpsycholog*innen, u.a.
02. Nov 2021
13:00 Uhr · Vortrag
Anfänge verhindern, Abkehr ermöglichen! Wissenschaftliche Grundlagen und praktische Ansätze der Radikalisierungsprävention
Vortragsveranstaltung mit Projektpräsentationen
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