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Von Werkzeugen und Drucktechnik

Wissenschaftler präsentieren zwei Projekte auf der „Materialica 2008"

Auf Folien gedruckte Linien aus Silberpartikeln können die heute gängigen Strichcodes auf Waren ablösen.Auf der 11. Internationalen Fachmesse für Werkstoffanwendungen, Oberflächen und Product Engineering „Materialica 2008" in München präsentierten die Jenaer Forschungsteams vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie sowie vom Institut für Materialwissenschaft und Werkstofftechnologie ihre Projekte.

Ein neues Druckverfahren stellte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ulrich S. Schubert vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie vor. Mit Hilfe von neuen Tinten und Sinterverfahren werden Silberpartikel oder Kunststoffe anstelle von herkömmlicher Tinte gedruckt. Diese Möglichkeit des Druckens von kleinsten Tröpfchen eröffnet weit gefächerte, revolutionäre Möglichkeiten im Alltag. So könnten auf Verpackungsfolien gedruckte Silberlinien den herkömmlichen Strichcode ersetzen und das einzelne Scannen der Produkte an der Supermarktkasse unnötig machen. Stattdessen könnte der Einkaufskorb mit Radiowellen abgetastet und der Preis in Sekundenschnelle festgestellt werden, so die Visionen der Jenaer Chemiker.

Bleche miteinander verbinden

Das Clinchen ist ein mechanisches Fügeverfahren, mit dem Bleche unterschiedlicher Dicke miteinander verbunden werden können. Dieses Verfahren spielt besonders für die Automobilbranche eine Rolle. Als neuer Werkstoff wird dort vermehrt Aluminium eingesetzt, um Fahrzeuge mit einem geringeren Karosseriegewicht zu entwickeln. Für ein optimales Fügeverfahren müssen Werkzeug und Maschine bestmöglich laufen. Ökonomisch bedeutet das weniger Ausfallzeiten durch geringeren Verschleiß. Durch den Einsatz von Keramikkomponenten ist es Jenaer Materialwissenschaftlern zusammen mit Kooperationspartnern der Universität Hannover und der TU Hamburg-Harburg gelungen, die Werkzeugstandmenge um das Zwei- bis Dreifache zu erhöhen. Wegen ihrer hohen Härtewerte sowie einer geringen Neigung zur Adhäsion mit Aluminium sind Keramikwerkstoffe eine bessere Alternative zu den bisher eingesetzten metallischen Werkstoffen. Ihre Entwicklung stellten die Jenaer Materialwissenschaftler um Privatdozent Dr. Jürgen Dieter Schnapp auf der Materialica 2008 dem internationalen Fachpublikum vor. MH

 

 

Auf Folien gedruckte Linien aus Silberpartikeln können die heute gängigen Strichcodes auf Waren ablösen.

Foto: Kasper

 

Die Zukunft der Biotechnik

Vier Aussteller der Universität auf der „Biotechnica" in Hannover

Durch die Verwendung des sogenannten „High-throughput Equilibrium Dialyzer“ können Analysezeiten um das bis zu 12-fache reduziert werden.Jenaer Wissenschaftler stellten bei der letztjährigen Biotechnica vom 7.-9. Oktober in Hannover ihre innovativen Produkte der Öffentlichkeit vor.

Der Nachweis der Bindungseigenschaften von Wirkstoffen an Blutproteinen ist eine zentrale Größe bei der Zulassung eines Wirkstoffs als Medikament. Bisher war dieser Nachweis sehr zeitaufwendig. Die Scienova GmbH, ein innovatives Gründungsprojekt des Biochemikers Dr. Stefan Kreusch und des Diplom-Kaufmanns Robert Fleischhauer, das auch den Thüringer Buisnessplan Wettbewerb gewann, hat für diesen Test eine neuartige Form von Laborverbrauchsmaterial entwickelt. Durch die Verwendung des sogenannten „High-throughput Equilibrium Dialyzer" können die Analysezeiten um das bis zu 12-fache reduziert werden.

Eine zellspezifische siRNA stellte das Gründungsprojekt „Intelligente siRNA" unter der Leitung von Dr. Tobias Pöhlmann vor. Dass mittels siRNA-Molekülen die Expression von Genen reduziert werden kann, ist in der Wissenschaft und bei pharmazeutischen Unternehmen hinreichend bekannt. Bis jetzt war es jedoch nicht möglich, in spezifischen Zellen zielgenau eine RNAi mit diesem Mechanismus zu erzeugen. Die neu entwickelte „Intelligente siRNA" verspricht eine ausschließlich zielzellspezifische Wirkung.

Die Eigenschaften von Mehrfachzucker zu Nutze machen, darum geht es dem Kompetenzzentrum Polysaccharidforschung, das gleich drei neue Entwicklungen vorstellte. So wurde auf der Basis von Stärke ein Blutersatz-Material hergestellt, welches im Körper abgebaut werden kann. Die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Heinze und Dr. Tim Liebert präsentierten außerdem einen oberflächenaktiven Stoff, der beispielsweise in der Analyse von biologischen Stoffgemischen einsetzbar ist. Eine weitere Entwicklung stellt ein neues schmelzbares Material dar, mit dem sich in einfacher Weise Implantate beschichten lassen, die vom Körper besser angenommen werden.

Neue Forschungsergebnisse stellt auch PD Dr. Udo Markert im Bereich Fertilitäts- und Schwangerschaftsforschung des Plazenta-Labors der Abteilung für Geburtshilfe des Universitätsklinikums Jena (UKJ) vor. Hierzu zählen Ergebnisse aus der Grundlagenforschung ebenso wie Resultate bei der Suche nach Marker-Substanzen, die im mütterlichen Blut frühzeitig auf Erkrankungen hinweisen und Methoden, die die künstliche Befruchtung verbessern sollen. Des Weiteren wurde die Methode der „Plazenta-Perfusion" vorgestellt. Mit dieser neuartigen Technik kann nach der Geburt an Plazenten getestet werden, welche Substanzen von der Mutter auf das Kind übertragen werden können. kc

 

 

 

Durch die Verwendung des sogenannten „High-throughput Equilibrium Dialyzer“ können Analysezeiten um das bis zu 12-fache reduziert werden.

Foto: Scienova

 

letzte Änderung:  am 2009-09-17 18:33:56   © FSU Jena nach oben  Seitenanfang