Auf einer weißen Tastatur ist es eine rosa "equality"-Taste, auf der die Genderpiktogramme als gleichwertig dargestellt sind

"Sprechen wir über Gendergerechtigkeit"

Themenfokus rund um ein faires Miteinander – dazu gehören Stimmen zum Thema und die Sichtbarkeit von Frauen der Universität Jena
Auf einer weißen Tastatur ist es eine rosa "equality"-Taste, auf der die Genderpiktogramme als...
Foto: Bilddatenbank iStock

Im Februar 2021 veröffentlichte die Friedrich-Schiller-Universität ihr neues Leitbild. Dort wird festgehalten, welche Werte wir an der Universität leben möchten. Zentral dabei ist:

"[Die] Würdigung von umfassender Inklusion und Diversität als Basis unserer lebendigen und innovativen universitären Gemeinschaft"

Wie möchten wir in Zukunft eine Universität gestalten, in der vielfältige Perspektiven gehört und miteinander verknüpft werden? Wie können wir erreichen, dass Diskriminierung in jeglichen Formen nicht mehr stattfindet? Wie schaffen wir gleiche Chancen und gleiche Zugänge für alle? Was bedeutet ein wertschätzender Umgang im Universitätsalltag?

Diese und weitere Fragen kreisen um das Thema, wie wir fair miteinander lehren, lernen, arbeiten, leben und wachsen möchten. Um mögliche Antworten zu finden, laden wir ein: Sprechen wir über Fairness! Sprechen wir über Gendergerechtigkeit! 

In jedem Semester wird ein neues Thema genauer unter die Lupe genommen. Dieses Semester geht es um „Fair in der Pandemie“.

Bei Nachfragen und Anregungen kontaktieren Sie uns gerne im Gleichstellungsbüro.

Semesterthema "Fair in der Pandemie"

Studierende mit Mund-Nasen-Bedeckung in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Studierende mit Mund-Nasen-Bedeckung in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Foto: Jens Meyer (Universität Jena)

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Während des Sommersemesters 2021 wird der Themenfokus Fair in der Pandemie ergänzt.

Außerdem finden Sie eine Rückschau zu vorangehenden Themenfokussen.

Zum Thema: Fair in der Pandemie

Die seit einen Jahr grassierende Corona-Pandemie ist eine globale Herausforderung und hat auch unseren Hochschulalltag nachhaltig beeinflusst und verändert. 

Die Krise trifft häufig struktuell bereits benachteiligte Gruppen besonders. Die aktuelle Situation verschärft auch die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Vor allem Frauen arbeiten häufig in unterbezahlten Berufen, wo pandemiebedingt Einbußungen besonders schmerzen, die sich durch Freistellung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit insgesamt ergeben. Parallel verstärkt sich im Alltag die Wirkkraft traditioneller Rollenbilder – so übernehmen viele Frauen den überwiegenden Teil der Haus- und Familienarbeit und tragen den Großteil der familiärer Sorgeverantwortung, der sogenannten Care-Arbeit. Dies stemmen sie neben ihrer regulären Arbeitszeit oder sind gezwungen, diese zu reduzieren. 

So stellen sich uns folgende Fragen: Wie können wir mit der Krise weiterhin umgehen? Wie können stärker betroffene Personen unterstützt werden? Was können wir neben dem bisher bestehenden Angebot der Universtität als Hochschulgemeinschaft tun? 

Frauen im Fokus

Unsere langjährige Reihe Frauen im Fokus zeigt sich in einem neuem Gewand, denn wir fragen Frauen aus der Uni nach ihrer Meinung zum aktuellen Themenfokus. Mit Frauen im Fokus möchten wir in einem turnusmäßigen Wechsel Frauen vorstellen, die – in den unterschiedlichsten Bereichen und Einrichtungen – an der Universität Jena tätig sind. Der Fokus zeigt die Vielfalt der weiblichen Biographien an der Hochschule und gibt Einblick in tägliche Arbeit und Aufgabengebiete. Nicht nebenbei möchten wir solchen Frauen "ein Gesicht geben", die Sie vielleicht nur als Name auf Briefköpfen oder als Stimme am Telefon kennen.  

 

Portrait von Luisa Conti Portrait von Luisa Conti Foto: Luisa Conti

Dr. Luisa Conti 

Eine Fairness-Frage zum Einstieg...

Unser Semesterthema lautet Fair in der Pandemie, wozu wir später noch Ihre Meinung hören werden. Für ein kleinen Ausblick: Woran müssen Sie bei diesem Thema spontan denken?

"Der Virus handelt insofern fair, dass er sich vom ökonomischen Kapital oder der sozialen Macht einer Person nicht beeindrucken lässt. Die 
Politiken sind auch insofern fair, dass es für alle eine Eingrenzung der eigenen üblichen Freiheit bedeutet.
Das ist aber alles, was Fairness und Pandemie verknüpft. Die negative Auswirkung der zur Eindämmung der Verbreitung der Pandemie in Kraft getretenen Regelungen verhält sich proportional zu der Position der Einzelnen. Je weniger Privilegien eine Person hat, desto schwerwiegender die Auswirkung."

Frau im Fokus – Zur Person 

Ihr Weg an die Universität Jena

„Die Anstellung an der FSU gibt mir die Chance, zentralen Fragestellungen zur Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft nachzugehen. Es ist mir wichtig, dass meine Erkenntnisse auch in der Alltagswelt ankommen und dort eine Auswirkung haben.“

Dr. Luisa Conti arbeitet seit 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation und ist dort am Institut DAF/DAZ und Interkulturelle Studien beschäftigt. Zuvor absolvierte sie bis 2003 in Italien an der Università degli Studi di Udine ihr Studium der Relazioni Pubbliche, einem interdisziplinären Studiengang an der Schnittstelle zwischen Kultur-, Kommunikations-, Wirtschaftswissenschaften und Soziologie mit internationaler Ausrichtung.

Seit 2007 arbeitet sie als Interkulturelle Trainerin, Coach und Projektleiterin für Unternehmen, NGOs, Vereine und staatliche Institutionen, was den größten Teil ihrer außeruniversitären Berufserfahrung darstellt. Hervorzuheben ist ihre darauffolgende binationale Promotion, welche sie 2012 sowohl an der Universität Jena im Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation als auch an der Universität Padua (Italien) im Bereich Interkulturelle Pädagogik abschloss. Aus ihrer Dissertation Webbasierte interkulturelle dialogische Interaktion. Entwicklung eines reflexiv-orientierten Modells ging im Anschluss die Monographie Interkultureller Dialog im virtuellen Zeitalter. Neue Perspektiven für Theorie und Praxis hervor. Mit ihrer Habilitationsschrift Inklusion durch Dekonstruktion. Der dialogische Ansatz zur Verwirklichung von Inklusion im Bildugnsbereich setzt Frau Conti den Fokus auf Schule und insbesondere auf die interkulturelle Kompetenzentwicklung für Lehrkräfte. 

Aktuelle Herausforderungen

Die ambitionierte interdisziplinäre Forscherin war bis zu seiner Vollendigung mit der Leitung des dreijährigen Erasmus+ Aktionsforschungsprojektes SHARMED Deutschland (SHARed MEmories and Dialogues) betraut. Eines ihrer Hauptaufgabengebiete ist die Verbreitung und Weiterentwicklung der Projektergebnisse zur Innovation im Bildungsbereich, was an ihren bisherigen Werdegang anknüpft. Sowohl in der Wissenschaft mit Publikationen, Vorträge, Lehrveranstaltungen als auch im pädagogischen Bereich mit Workshops und Trainings findet das Projekt durch Frau Conti seinen Nachklang. Zudem basiert ihre bereits erwähnte Habilitationsschrift auf Erkenntnissen des SHARMED-Projekts. Ein weiterer momentaner Schwerpunkt liegt in ihrer Arbeit als Dozentin
im Bereich Interkulturelle Kommunikation und Interkulturelle Bildung.

Aktuell steht Frau Conti vor neuen Herausforderungen: Nach einer erfolgreiche Drittmittelakquise ist im November das Forschungsverbund ReDICo (Researching Digital Interculturality Co-operatively) erfolgreich aufgestellt worden; als Mitglied dessen widmet sich Frau Conti hier der interkulturellen Kommunikation im virtuellen Raum. Im April 2021 startete außerdem KIDS4ALLL (Key Inclusive Development Strategies for Life Long Learning), wofür Frau Conti die Verantwortung der zu entwickelnden internationalen E-Learning-Plattform trägt. Wir wünschen einen guten Start und spannende Erkenntnisse!

Und worüber forschen Sie?

Schwerpunkte ihrer Forschung stellen für Luisa Conti also die gesellschaftliche Kohäsion zwischen Exklusion und Inklusion, die interkulturelle Öffnung von Institutionen aber auch interkulturelles Lernen und interkultureller Dialog, interkulturelle Kompetenz im Bildungsbereich und digitale Innovationen in der Lehre dar.

Die eingangs zitierte Aussage von Frau Conti dokumentiert ihren Willen, ein inklusives Verständnis in der Alltagswelt der Gesellschaft zu etablieren. So engagiert sie sich nebenberuflich und ehrenamtlich im zivilgesellschaftlichen Bereich für eine gerechte, demokratische und solidarische Gesellschaft, in der jeder Mensch als gleichwertiges und einzigartiges Individuum anerkannt wird, dem die Möglichkeit geboten ist, sich einzubringen und sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. Aus der Leidenschaft für internationalen Austausch nimmt Luisa Conti immer wieder Forschungsaufenthalte und Gastdozenturen im Ausland wahr. Bisher verbrachte sie längere Zeit in Mexiko, Chile und Italien. Wichtig ist für sie auch die Förderung der internen Zusammenarbeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, unter anderem im Rahmen des Diversity Days, im Bereich der Lehrer:innenbildung und mit dem Fachbereich DAF/DAZ – ein Engagement, durch das sie Synergien freisetzen und stärken möchte.

Stichwort Gleichstellung

In Sachen Gleichstellung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist Frau Conti ein Beispiel für sich ändernde und auf Gleichberechtigung abzielende Rollenverteilungsmodelle. Sie selbst beschreibt die Situation wie "in einer traditionellen (Wissenschaftler-)Familie – nur ist unser Modell 'anders herum'": Ihr Partner ist Hauptbezugsperson für die Kinder und hauptverantwortlich für die Hausarbeit. Außerdem berät er Luisa Conti in Bezug auf wissenschaftliche Projekte und hilft beim Korrekturlesen ihrer Publikationen. Auf diese Weise schafft es Luisa Conti als Mutter, als Nicht-Muttersprachlerin und als Pendlerin wissenschaftliche wie persönliche Interessen und Pflichten zu vereinen. Aber auch Contenance und Selbstdisziplin seien dafür unabdingbar, fügt sie augenzwinkernd hinzu.

Fair in der Pandemie

Wie schätzen Sie die Lage für Frauen ein?

"Die Pandemie hat klar gezeigt, dass unsere Gesellschaft sich von der patriarchalen Tradition immer noch nicht emanzipiert hat. Die Daten zeigen beispielsweise, dass die fehlende externe Betreuung der Kinder meistens den Frauen zu lasten fällt, was berufliche Folgen als auch erhöhte psychische Belastung mit sich trägt. Insbesondere Alleinerziehende sind gefährdet: ihre fragilere Lage bricht schnell unter den gleichzeitig auszuführenden Aufgaben Kind(er) zu betreuen und arbeiten zu gehen. Da sind starke Netze von Nöten, die aber gerade in Zeit der physischen Distanzierung verschwinden. Vom Armut sind Familien mit beiden Eltern seltener betroffen, jedoch häuft sich die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen gegenüber deren Männern in Heterofamilien. Diese Abhängigkeit, addiert zu erhöhtem Stress-Level, geschwächte soziale Netze und verengten Wohnverhältnissen, erhöhte häusliche Gewalt, während Hindernisse zum Hilferuf größer werden."

Und wenn Sie durch Zauberhand eine Maßnahme für mehr Fairness in der Pandemie ergreifen bzw. etwas verändern könnten, was wäre es?

"Schöne Wohnprojekte zu schaffen, die untereinander isoliert, jedoch innerhalb funktionierende, solidarische soziale Systeme sind. Dadurch haben Kinder mehrere Bezugspersonen (sowie andere Kinder) und die Care-Arbeit wird geteilt."

Und zuletzt noch einmal ganz persönlich...

Wenn Sie auf einer einsamen Insel wären, welches Buch würden Sie mitnehmen?

"Ein Buch, das mir das Wissen gibt, dort zu überleben oder sogar gut zu leben! Ich merke, dass das Leben in der vorgefertigten, bequemen Gesellschaft mich abhängig vom leichten Konsum gemacht hat, ignorant darüber, wie ohne die Dinge und die Dienste das Leben funktionieren kann. Das Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde, ist bei mir wenig angekommen. Jedoch denke ich, dass einiges Wissen, das in meiner Generation und in meiner Sozialisation als Frau als nicht nützlich eingestuft wurde, doch aktuell aufgewertet wird und hoffe ich, dass zu Gunsten eines ökologischen Wandels auch vermehrt und geschlechterübergreifend tradiert wird. Also die Erfahrung auf einer einsamen Insel fände ich nicht schlecht. Aber gibt es dort auch Netz?"

 

Mehr über Dr. Luisa Conti finden Sie auf Ihrer Webseite und auf den Seiten des Bereichs IWK (Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der Universität Jena).

veröffentlicht im Juni 2021

 

 

Portrait Barbara Ähnlich Portrait Barbara Ähnlich Foto: Anne Günther (Universität Jena)

PD Dr. Barbara Aehnlich

Eine Fairness-Frage zum Einstieg...

Unser Semesterthema lautet Fair in der Pandemie, wozu wir später noch Ihre Meinung hören werden. Für ein kleinen Ausblick: Woran müssen Sie bei diesem Thema spontan denken?

"An die Familien und vor allem die Alleinerziehenden, die es seit einem Jahr extrem schwer haben, wenn sie alles vereinbaren wollen."

Frau im Fokus – Zur Person 

Der Bildungsweg in Jena 

Bereits ihre Schulzeit verbrachte PD Dr. habil. Barbara Aehnlich in Jena, woran sich bis zum Jahr 2000 ihr Studium der Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena anschloss. Aufgrund eines gestiegenen Interesses an sprach- und literaturwissenschaftlichen Zusammenhängen entschied sie sich für einen Wechsel zum Magisterstudium der Germanistik, Rechtswissenschaften und Psychologie, das sie 2004 mit sehr gutem Erfolg beendete. Als Frau Aehnlich im selben Jahr mit ihrer Promotion begann, erhielt sie ein einjähriges Frauenförderstipendium der Universität Jena. 2011 wurde sie dann mit der ausgezeichneten Dissertation Die thüringische Flurnamenlandschaft – Wege zu ihrer Erforschung promoviert. 2019 folgte ihre Habilitation mit ihrer Arbeit Verteütſcht das yeder die mag leſen? Die sprachliche Vermittlung neuer Rechtsinhalte im Zuge der Rezeption des römischen Rechts für Rechtspraktiker. Dargestellt am Beispiel des Klagspiegels Conrad Heydens und des Laienspiegels Ulrich Tenglers. Im November 2019 hielt sie ihren öffentlichen Habilitationsvortrag über Gewohnheit und Recht. Die Paarformel in der Rechtspraktikerliteratur der Frühen Neuzeit an der Universität Jena.

Und wie ging es beruflich weiter?

Frau Aehnlichs berufliche Karriere begann 2005 mit der Anstellung als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; eine Tätigkeit, die sie bis 2019 ausübte. Eine weitere Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin hatte sie von 2016 bis 2017 in der Geschäftsstelle des Thüringer Kompetenznetzwerks Gleichstellung (TKG) inne. Zudem arbeitete Frau Aehnlich als selbständige Lektorin für den VKU-Verlag und wirkte mehrmals als externe Lehrbeauftragte an der Universität Klagenfurt. Seit 2015 fungiert Frau Aehnlich als Koordinatorin des von ihr mitbegründeten DHnet Jena, welches sich fakultäts- und institutionenübergreifend mit dem Themengebiet der Digital Humanities (DH) auseinandersetzt. Sie verantwortet am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft die Institutspartnerschaft mit der Universität Kutaissi (Georgien) und engagiert sich sehr für den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch. Nachdem Frau Aehnlich zunächst die Professur für Geschichte der deutschen Sprache an der Universität Jena und darauffolgend die Professur für eHumanities an der Universität Halle-Wittenberg vertrat, arbeitet sie seit April 2021 an einem neuen Projekt mit: Data Literacy. Was das ist? Data Literacy ist die Fähigkeit, planvoll mit Daten umzugehen und sie im jeweiligen Kontext bewusst einsetzen und hinterfragen zu können. Ziel ist es diese Datenkompetenz im Curriculum aller Studierenden an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu verankern. Wir wünschen ein gutes Gelingen!

Schwerpunkte in Forschung und Lehre

Dem Thema ihrer Promotion folgend übernahm Frau Aehnlich 2006 die wissenschaftliche Betreuung des Projektes Flurnamen und Regionalgeschichte beim Heimatbund Thüringen e.V. In diesem Projekt sammeln über 350 ehrenamtliche Sammler:innen unter ihrer Anleitung die Flurnamen ihrer Heimatorte und ordnen sie nach vorgegebenen Kriterien.    

Während ihrer Habilitationszeit war Barbara Aehnlich Mentee im Jenaer Mentoring-Programm für Postdoktorandinnen; sie erhielt zudem Förderungen vom damaligen Prorektorat für Forschung aus dem Programm zur Förderung der Drittmittelfähigkeit und im Rahmen von ProChance, einer Förderlinie zur Förderung der Berufungsfähigkeit von Frauen.

Forschungsschwerpunkte von Frau Aehnlich sind die (Historische) Rechtssprache, Digital Humanities, Onomastik, Korpuslinguistik, Genderlinguistik und Frühneuhochdeutsch. Ihre entsprechende Publikationsliste ist lang und reicht von dialektologischen Fragestellungen über Ausführungen zur frühneuhochdeutschen Rechtssprache bis hin zu Untersuchungen zur Benennung von Haustieren durch Kinder.

Neben der Forschungstätigkeit liegt ein Schwerpunkt ihres Wirkens auf der universitären Lehre. Hier sind vor allem die Projektseminare zu erwähnen, in denen Studierende sich mit den Namenlandschaften Thüringens befassen und Feldforschung betreiben oder sich mit den Aufzeichnungen von Frauen aus dem letzten Jahrhundert befassen und dabei ganz "nebenbei" das Lesen historischer Dokumente erlernen.

Karriere und Kinder?

Frau Aehnlich, die bereits während des Jurastudiums ihre beiden Kinder bekam, war seit der späten Promotionsphase alleinerziehend. Spannend ist dabei aus Gleichstellungsperspektive, dass Frau Aehnlich diese Phase zwar durchaus als herausfordernd erlebte, aber auch viel Unterstützung seitens ihrer Familie und der Universität erfuhr. Da ihre Söhne nun erwachsen sind, sieht sich die Wissenschaftlerin inzwischen in einer sehr vorteilhaften Position: "Ich kann nun wieder der Flexibilität des Wissenschaftssystems genügen. Das ist ein 'Luxus', den andere frisch habilitierte Frauen mit kleinen Kindern so nicht haben."

Fair in der Pandemie

Wie schätzen Sie die Lage für Frauen ein. Wenn Sie durch Zauberhand eine Maßnahme für mehr Fairness in der Pandemie ergreifen bzw. etwas verändern könnten, was wäre es?

"Ich glaube, wir sind in einigen Punkten wieder deutlich schlechter geworden. Vor allem Mütter arbeiten seit der Pandemie doppelt und dreifach, um alles zu schaffen, und sie geraten damit oft über ihre Grenzen hinaus. Sie arbeiten oft in den nun als "systemrelevant" eingestuften, aber schlecht bezahlten Berufen und sind einem besonderen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. In zahlreichen Familien sind sie nun stärker als zuvor häuslicher Gewalt ausgesetzt. Es gibt viele Probleme, die besonders Frauen hart treffen.

Und wenn ich zaubern könnte, dann würde ich diese Fähigkeit einsetzen für:

  • Faire Löhne statt warmer Worte aus der Politik;
  • funktionierende Hygienekonzepte für Schulen und Kitas, damit die Kinder betreut werden können
  • Ausbau von Beratungen und Möglichkeiten für von Gewalt betroffene Familien"

Und zuletzt noch einmal ganz persönlich...

Wenn Sie auf einer einsamen Insel wären, welches Buch würden Sie mitnehmen?

"Schwierig. Da die meisten Bücher doch irgendwann langweilig würden, würde ich mir ein Georgisch-Lehrbuch mitnehmen, da ich diese Sprache schon sehr lange lernen möchte. Sonst vielleicht noch ein Buch, das ich regelmäßig immer mal wieder lese, weil es so schön, so lustig, so tragisch, so klug ist: 'Garp und wie er die Welt sah' von John Irving."

 

Mehr über PD Dr. Barbara Aehnlich finden Sie auf den Seiten des Instituts für Germanistische Sprachwissenschaft der Universität Jena.

veröffentlicht im April 2021

 

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