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Franz, B.Sc. Wirtschaftswissenschaften
Im Sommersemester 2025 hatte ich die Chance, von März bis August ein Auslandssemester an der Meiji University in Tokio zu verbringen. Schon seit Beginn meines Studiums war für mich klar, dass ich ein Semester im Ausland verbringen möchte – und Tokio stand dabei ganz oben auf meiner Wunschliste. Die Stadt hat mich schon lange fasziniert, sowohl durch ihre moderne Metropole mit Millionen von Menschen als auch durch die Mischung aus Tradition und Innovation.
Die Meiji University war daher meine erste Wahl und ich bin sehr froh, dass sich dieser
Wunsch erfüllen ließ.
Vorbereitung und Anreise
Der Bewerbungsprozess war insgesamt recht aufwändig. Die Meiji verlangt einige Nachweise, beispielsweise medizinische Tests und Atteste, die man in Deutschland organisieren muss. Auch für das Visum sind mehrere Schritte notwendig. Wichtig ist, dass man dieses persönlich bei der japanischen Botschaft oder dem Konsulat beantragen muss. In meinem Fall war das die Botschaft in Berlin – das bedeutet zwar etwas Aufwand, aber alles
verlief reibungslos.
Sowohl das Internationale Büro der FSU Jena als auch die Ansprechpartner an der Meiji haben mich während der Vorbereitung hervorragend unterstützt. Auf Fragen erhielt ich immer sehr schnelle und hilfreiche Antworten, was gerade bei den vielen Formularen und Unterlagen enorm beruhigend war.
Ich bin etwa 3–4 Wochen vor Semesterbeginn nach Tokio geflogen. Diese Zeit habe ich genutzt, um mich ganz in Ruhe in der Stadt zu orientieren, die Umgebung kennenzulernen und erste Erfahrungen zu sammeln. Rückblickend war das eine großartige Entscheidung – so konnte ich ohne Druck ankommen, erste Viertel entdecken und mich schon einleben, bevor das Semester offiziell begann.
Erfahrungsbericht Meiji University
Foto: Franz, Uni JenaEinführung und erste Eindrücke
Zu Semesterbeginn gab es eine Einführungswoche für alle Austauschstudierenden. Eine perfekte Möglichkeit, sofort viele neue Kontakte zu knüpfen. Innerhalb weniger Tage lernte man Leute aus aller Welt kennen, mit denen man auch im Laufe des Semesters viel unternommen hat. Gleichzeitig wurde in dieser Woche alles Wichtige erklärt: Formalitäten an der Uni, Kurswahl, Student ID, Campusführung. Tokio selbst hat mich von Anfang an
überwältigt: die Größe, die Menschenmengen, die Lichter und die unfassbare Vielfalt der Stadt. Obwohl ich schon vor Semesterstart einiges erkundet hatte, war das Gefühl, nun wirklich hier zu studieren, etwas ganz Besonderes.
Unterkunft und Alltag
Während viele Austauschstudierende ein Wohnheim wählten, habe ich mich selbst um eine Wohnung gekümmert und eine kleine Einraumwohnung in Shinjuku gefunden – genauer gesagt direkt an der Takadanobaba Station. Die Lage war ideal: Die beiden Meiji-Campusse an denen ich Unterricht hatte, Izumi und Surugadai, konnte ich in etwa 30 Minuten mit einmal Umsteigen erreichen.
Shinjuku als Wohnort war überwältigend. Tagsüber ist es eines der wichtigsten Geschäftsviertel der Stadt, abends verwandelt es sich in ein Meer aus Neonlichtern, Menschenmassen, Restaurants und Bars. Von meiner Wohnung aus war ich mittendrin im pulsierenden Tokio. Gleichzeitig konnte ich auch schnell in ruhigere Viertel entkommen, wenn mir nach Entspannung war.
Alltagsthemen in Tokio haben ihre Eigenheiten:
- Müllentsorgung: Es gibt so gut wie keine öffentlichen Mülleimer. Oft trägt man seine Tüte mehrere Stunden mit sich herum. Entsorgen kann man Abfall teilweise in Konbinis (24h-Mini-Supermärkte).
- Sprache: Englischkenntnisse sind in Japan wenig verbreitet. Egal ob im Restaurant, Supermarkt oder bei Alltagsfragen – meist kommt man mit Englisch allein nicht weit. Mit einer Mischung aus Übersetzungs-App, Gesten und ein paar japanischen Floskeln hat es aber immer funktioniert. (Hier aber überhaupt keine Sorgen machen, ich spreche auch kein japanisch und habe am Ende immer alles gut klären können)
- Öffentlicher Verkehr: Das Bahnsystem ist unglaublich zuverlässig. Mit einer Suicaoder Pasmo-Karte kommt man überall hin. Rush Hour kann allerdings eine echte Herausforderung sein, wenn sich tausende Menschen gleichzeitig in die Züge drängen.
Erfahrungsbericht Meiji University
Foto: Franz, Uni JenaStudium an der Meiji University
Mein Studium an der Meiji empfand ich im Vergleich zur FSU Jena als etwas entspannter. Der Arbeitsaufwand war geringer, sodass sich Studium und Freizeit besser vereinbaren ließen – für ein Auslandssemester perfekt.
Die Kursauswahl im Bachelor war gut und ich habe durch viel Kommunikation mit meiner Heimatuni auch eine Anrechnung mehrerer Veranstaltungen erreichen können. Inhaltlich waren die Kurse interessant, die Anforderungen insgesamt jedoch etwas niedriger als gewohnt, was auch den eher geringen Englischkenntnissen der meisten Studieren geschuldet ist.
Prüfungsleistungen bestanden in der Regel aus Präsentationen und Papers, sowohl als Midterms während des Semesters als auch am Ende. Klassische Klausuren gab es kaum – lediglich eine, die zudem online stattfand. Der Unterrichtsstil war eher frontal geprägt, aber dennoch gut nachvollziehbar. Besonders angenehm war, dass man durch die kleinere Belastung genug Energie für Aktivitäten außerhalb des Campus hatte.
Erfahrungsbericht Meiji University
Foto: Franz, Uni JenaLeben in Tokio und Freizeit
Tokio ist eine Stadt, die alle Erwartungen übertrifft. Sie ist so riesig, dass man selbst nach einem halben Jahr noch das Gefühl hat, nur an der Oberfläche zu kratzen. Meine Lieblingsviertel waren:
- Shinjuku & Shibuya: Wolkenkratzer, Shopping, Restaurants, Bars, Neonlichter – das klassische Tokio-Gefühl. Da ich hier wohnte, verbrachte ich hier auch bei Weitem die meiste Zeit. Für mich persönlich meine absoluten Lieblingsgegenden
- Chiyoda & Minato: viele Sehenswürdigkeiten, Parks und Regierungsgebäude
- Roppongi: modern und lebendig, vor allem bekannt für Nachtleben
- Ginza: Luxusviertel mit teuren Autos, Gourmetrestaurants und Designerläden
- Shimokitazawa: ein Paradies für Second Hand-Mode und Vintage-Shopping
- Akihabara: die „Electric Town“, ein Paradies für Anime-, Manga- und Gaming-Fans, besonders spektakulär bei Nacht
Besonders beeindruckend ist die Sauberkeit der Stadt, trotz ihrer schieren Größe. Es ist kaum
vorstellbar, wie gut organisiert Tokio funktioniert.
Neben dem Entdecken der Stadt habe ich viele Ausflüge unternommen, unter anderem:
- Ein Tagestrip ans Meer nach Kamakura, sehr empfehlenswert für eine kleine Auszeit
- Ein Wochenende in Osaka, kombiniert mit einem Besuch beim Formel-1-Rennen in Suzuka – auch ohne großer Motorsportfan zu sein, ein einmaliges Erlebnis
- Mehrtägige Reisen nach Bangkok und Bali, die durch Tokios Lage in Asien leicht möglich waren
Die Möglichkeit, neben dem Studium so viele neue Orte zu sehen, war für mich einer der
größten Pluspunkte dieses Semesters.
Erfahrungsbericht Meiji University
Foto: Franz, Uni JenaHerausforderungen
Natürlich lief nicht alles perfekt. Besonders die Sprachbarrieren waren zu Beginn manchmal anstrengend. Auch die Müllentsorgung oder die überfüllten Bahnen in der Rush Hour waren gewöhnungsbedürftig. Doch all diese Dinge habe ich mit der Zeit als Teil des „Erlebnisses Tokio“ gesehen.
Wichtig ist, dass man sich auf Neues einlässt, Geduld mitbringt und auch mal improvisiert – dann kommt man immer gut zurecht.
Fazit
Für mich persönlich war das Auslandssemester an der Meiji University eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Fachlich habe ich neue Perspektiven gewonnen, aber noch viel wichtiger waren die Erfahrungen außerhalb des Hörsaals. Ich habe Freunde aus aller Welt gefunden, neue Kulturen kennengelernt und eine Stadt erlebt, die einzigartig ist.
Ein Semester in Tokio erweitert nicht nur den akademischen Horizont, sondern vor allem den persönlichen. Ich habe das Gefühl, enorm an Selbstständigkeit und Offenheit gewonnen zu haben.
Ich würde ein Auslandssemester an der Meiji University uneingeschränkt empfehlen. Es bringt euch nur Vorteile – akademisch, kulturell und persönlich.