Was verbindet eine Biochemikerin, die mit Proteinen tanzt, und einen Brauer, der seinen Maschinen wie alten Bekannten vertraut? Mehr als man denkt. Ute Hellmich und Wolf Frais begegnen ihrer Arbeit mit derselben Haltung: Präzision allein reicht nicht – es braucht Gefühl. Ein Gespräch über die Formeln hinter Bier und Biomolekülen, über Jena als Ort der inneren Werte, und darüber, was eine Universitätsstadt wirklich ausmacht.
Was ist die wichtigste Zutat, damit du gut in den Tag kommst?
Ute Hellmich: Kaffee. Nichts anderes.
Wolf Frais: Definitiv mein 7-Uhr-Kaffee hier vor Ort. Das ist das Erste, was ich mache: umziehen, Kaffee aufbrühen – und dann geht's los.
Wo in Jena bekommst du sofort gute Laune oder neue Ideen?
Ute Hellmich: Im Paradiespark. Bei einem langen Spaziergang.
Wolf Frais: Das ist wohl der Jenzig. Unser großer Berg – das Matterhorn des Saaletals, eines der sieben Wunder von Jena. Von dort hat man einfach den besten Ausblick über die ganze Stadt. Und der Weg dorthin mit dem Dinosaurierpfad macht das noch schöner.
Was findest du an Jena exzellent?
Ute Hellmich: Die inneren Werte: die Menschen, die hier leben, und die Kolleg:innen, die mit voller Begeisterung forschen. Diese Stadt lebt Wissenschaft und die Neugier auf Neues – das ist exzellent. Und sie hat viel zu bieten: Musik, Märkte, ein gutes Lebensgefühl.
Wolf Frais: Jena ist die perfekte Stadt, weil sie die perfekte Größe hat. Man kommt überall hin – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV. Wenn man ins Grüne will, ist man von jedem Punkt aus schnell in der Natur. Man sagt ja auch immer, Jena ist ein Dorf – die Alteingesessenen wissen das. Man begegnet ständig Leuten, die man kennt. Es ist nicht so groß, dass es einen erdrückt, aber auch nicht so klein, dass es langweilig wird. Im Sommer wie im Winter gibt es genug Veranstaltungen. Und es ist ruhig, wenn man Ruhe möchte – und aufregend, wenn man das möchte.
Wie viel Gefühl steckt in einer reinen Formel – ob in der Biochemie oder im Braukessel?
Ute Hellmich: Sehr viel Liebe zum Detail. Wir arbeiten mit Proteinen und Proteinstrukturen – und jedes Protein hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Persönlichkeit. Um das zu erforschen, braucht man ein Gespür dafür. Es ist ein Tanz mit den Molekülen.
Wolf Frais: Sehr viel Gefühl. Natürlich lässt sich die Braukunst auch wissenschaftlich erklären. Nicht ohne Grund kann man sie an Universitäten bis zum Diplom studieren. Aber in der Praxis ist es wie überall: Theorie und Wirklichkeit gehen häufig auseinander. Jede Brauanlage ist anders, jeder Standort ist anders, und irgendwann kennt man seine Anlagen, seine Maschinen und seine Rohstoffe. Die variieren wie jedes Naturprodukt und dementsprechend gehört da ganz viel Gefühl dazu.
Wenn Jena als Exzellenzuniversität ausgewählt wird – was wünschst du dir für die Zukunft dieser Verbindung zwischen Stadt und Uni?
Ute Hellmich: Ich wünsche mir, dass wir den Weg weitergehen, den wir bereits begonnen haben: dass die Verbindungen noch tiefer werden, dass wir weiterhin junge Menschen und die Menschen in der Stadt für Forschung begeistern. Und dass wir gemeinsam weiter ausbauen, was wir schon sehr gut machen. Vielleicht einfach ein bisschen schneller.
Wolf Frais: Dass die Tradition kluger Köpfe hier weiter gefördert wird. Jena ist, was das angeht, wirklich weltführend. Und natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn die Studierenden dabei auch die Liebe zum lokalen Bier entdecken.
Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil…
Ute Hellmich: Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil wir hier – im Bioinstrumentezentrum – auf allen Skalen vom Atom bis hin zum Organismus verstehen können, wie Leben eigentlich funktioniert.
Wolf Frais: Ich bin Teil der Universitätsstadt Jena, weil ich Jenenser bin.